CSU-Ministerin Trautner will sich mehr um LGBTIQ kümmern

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Carolina Trautner
Carolina Trautner (CSU), Staatsministerin für Familie, Arbeit, Soziales, vor einem Interviewtermin. (Foto: Peter Kneffel / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Nach der Kritik von Experten und Opposition sieht auch die bayerische Staatsregierung beim Schutz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Interpersonen (LGBTIQ) Handlungsbedarf. „Die oberste Prämisse ist, dass jeder hier so leben kann, wie er oder sie das möchte“, sagte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Niemand dürfe im Freistaat wegen seiner Gesinnung oder seiner sexuellen Orientierung ausgegrenzt oder benachteiligt werden. „Das ist selbstverständlich.“

Trautner betonte, dass ihr Haus seit der Anhörung von Experten im Landtag im November bereits an dem Thema dran sei. Gleichwohl sei ihre Priorität - passend zu ihrem generellen Motto als Ministerin „hinschauen, zuhören, kümmern“ - nicht die Erstellung eines Aktionsplans für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Bayern ist das einzige Bundesland ohne eine entsprechenden Leitfaden. „Ich bin eher die Pragmatikerin. Bevor ich mich monatelang hinsetze und einen Aktionsplan entwickle, der noch keinem Menschen geholfen hat, würde ich jetzt prioritär versuchen, Unterstützungsangebote zu schaffen, die gleich wirken“, betonte Trautner.

Als Beispiele nannte Trautner Beratungsangebote auch außerhalb der Ballungszentren. Mit einem Online-Angebot und einer Telefonberatung gerade für queere Männer könne schnell geholfen werden. „Das gilt für Stadt und Land ganz genauso. Auch bei speziellen Beratungsangeboten für Jugendliche gebe es Handlungsbedarf. „Natürlich ist es wichtig, gerade bei jungen Menschen, dass es Angebote gibt, dass sich niemand alleingelassen fühlt.“ Gleiches gelte für die Bereiche mit Berührungspunkten zu anderen Ministerien - etwa für mehr Sensibilität für das Thema an den Schulen.

Wie lange es dauern werde, bis die Angebote in der Praxis verfügbar seien, konnte Trautner noch nicht sagen. „Mir ist wichtig, dass es gescheit aufgesetzt wird, dass es Hand und Fuß hat und dass ich dann wirklich alle Aspekte genau beleuchtet habe“, sagte sie. Das Thema werde jetzt umgesetzt, „das nehmen wir ernst“. Trotz der Kritik von Experten an der unzureichenden Beratungsstruktur in Bayern sieht Trautner den Freistaat nicht gänzlich unvorbereitet: „Wir fangen ja jetzt nicht bei null an. Es gibt ja schon Beratungsangebote“.

Dass die Staatsregierung mit mehr Angeboten für LGBTIQ konservativere Teile der Bevölkerung und damit auch der eigenen Wählerschaft von CSU und Freien Wählern überfordere, glaubt Trautner nicht. Als Ministerin sei sie aber auch nicht nur für ein Zielpublikum zuständig, sondern für alle Menschen in Bayern. „Wenn sich der Bedarf entwickelt, dann muss man auch mit der Zeit mal die eigenen Anschauungen hinterfragen und fragen, ist das noch zeitgemäß?“ Eine Gesellschaft sei nicht starr, sondern verändere sich laufend.

Für die CSU gebe es aber auch immer die Prämisse, bei jeder Veränderung „immer alle mitnehmen“ zu wollen, ohne die Gesellschaft zu überfordern. „Wir müssen immer dieser Balance gerecht werden, was manchmal gar nicht so ganz einfach ist“, sagte Trautner. Die Abwägung sei eine Riesenherausforderung und ein gewisses Kunststück. „Aber das ist unsere Aufgabe.“

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