CSU-Generalsekretär Blume kann mit Wiederwahl rechnen

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CSU-Politiker spricht
CSU-Generalsekretär Markus Blume ist im Laufe der Zeit provokanter im Tonfall geworden. (Foto: dpa)
Marco Hadem

In den vergangenen Monaten musste Markus Blume viel lernen: Als der 44-Jährige Anfang März 2018 zum neuen CSU-Generalsekretär gewählt wurde, war er in seiner Partei nicht gerade als derber Haudrauf bekannt, wie es so viele seiner Vorgänger in dem Amt schier perfektioniert hatten: Allen voran Edmund Stoiber, der ja als „blondes Fallbeil“ unter Franz Josef Strauß mindestens so berüchtigt wie berühmt war, aber auch der heutige Parteichef Markus Söder oder Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer waren keine Kinder von Traurigkeit und landeten mit ihren zugespitzten Debattenbeiträgen nicht selten am Rande des guten Geschmacks.

In dieser Riege war der einstige Eisläufer Blume wahrlich eine überraschende Personalie, die Horst Seehofer Anfang 2018 aus dem Hut zauberte. Zwar war er zu dem Zeitpunkt schon mehr als ein Jahr Vize-Generalsekretär neben Scheuer – doch in dessen Windschatten konnte Blume auf laute Debattenbeiträge und Provokationen verzichten.

Stattdessen agierte Blume als leiser Arbeiter im Hintergrund. Auch deshalb glaubten in der CSU viele, dass der Landtagsabgeordnete aus dem Münchner Osten über kurz oder lang eher in ein Ministerium berufen würde statt zum lauten Parteisprachrohr ernannt zu werden. Insbesondere das Wirtschaftsressort hatte den zweifachen Vater immer gereizt. Doch Blumes Pech war lange, dass andere Mitglieder seines Bezirksverbands München schon führende Posten im Kabinett besetzten.

Blume blieb damit nichts anderes übrig als sich in Geduld zu üben – und auf seine Chance zu warten, um sich für größere Aufgaben zu empfehlen. Die bot sich, als Seehofer der CSU ein neues Grundsatzprogramm verordnete und Blume als langjähriger Vorsitzender der Kommission die CSU zur „konservativen Zukunftspartei“ machte.

Nach dem Wechsel an der CSU-Spitze von Seehofer zu Söder blieb Blume in Amt und Würden. Auch dies war keine Selbstverständlichkeit, immerhin zählte der Mann mit dem markanten Brillengestell immer zu den loyalen Unterstützern Seehofers. Zusammen mit Seehofer, Scheuer und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gehörte er zum Kernteam der CSU in den Koalitionsverhandlungen mit CDU und SPD in Berlin.

Doch Söder sah nach seiner Wahl an die Parteispitze keine Notwendigkeit für einen Wechsel, vielmehr fand er in Blume einen treuen und verlässlichen Generalsekretär, der ihm beim angestrebten Umbau der CSU helfen solle. Auch im Landtagswahlkampf 2018 nimmt Blume eine zentrale Rolle bei der Kampagnenplanung ein, die der CSU in den letzten Tagen vor der Wahl deutliche Stimmgewinne zu den Umfragen beschert. Inzwischen verbindet die beiden ein „enges Vertrauensverhältnis“, wie Söder es nennt. Er schätze an Blume seine gute Kommunikation, seinen Fleiß und die fundierte Arbeit.

Innerparteiliche Kritik Nebensache

Wer Blumes Reden zuhört, der merkt schnell, dass sich die Wortwahl des Münchners im Laufe seiner Zeit als Generalsekretär verändert hat. Lauter, angriffslustiger und durchaus provokanter geht Blume inzwischen mit politischen Gegnern um, etwa wenn er den Grünen moralische Überheblichkeit und eine „zutiefst intolerante“ Verbotskultur vorwirft, die den Erfolg der AfD mitzuverantworten habe.

Angesichts dessen wirkt die aktuelle innerparteiliche Kritik an Blume etwa wegen des jüngsten CSU-Parteitags in München eher nebensächlich. Zwar wurden ihm das Scheitern der Frauenquote sowie organisatorische Mängel angelastet – doch auch für Söder ist dies kein Grund, die Qualitäten seines alten und ab Montag neuen Generalsekretärs in Zweifel zu ziehen. „Das ist immer auch Learning by Doing“, sagt er entschuldigend und stellt sich schützend vor Blume. Wer einen solchen Unterstützer hat, der muss am Montag auch seine Wiederwahl im CSU-Vorstand nicht fürchten.

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