Corona-Massentests an Schlachthöfen: 110 Infizierte

Lesedauer: 4 Min
Melanie Huml nimmt an einer Pressekonferenz teil
Melanie Huml, Gesundheitsministerin von Bayern, nimmt an einer Pressekonferenz teil. (Foto: Peter Kneffel / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Bei Corona-Reihenuntersuchungen an allen großen Schlachthöfen in Bayern sind 110 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. „Aufgrund der Testergebnisse bestand keine fachliche Notwendigkeit für einen erneuten „Lockdown“ für die Allgemeinbevölkerung in einer der betroffenen Regionen“, erklärte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) in München auf dpa-Anfrage. Insgesamt seien 6407 Personen auf eine Infektion hin untersucht worden, die bei den 51 bayerischen Schlachthöfen arbeiten.

Nachdem bei einer Firma im niederbayerischen Bogen mehrere Mitarbeiter mit Sars-CoV-2 infiziert waren, hatten die Behörden an diesem Betrieb - aber auch den 50 weiteren Schlachthöfen im Freistaat - Massentests angeordnet. Diese sind nun abgeschlossen. Für alle Infizierten wurdeden Angaben zufolgeunmittelbar nach dem Bekanntwerden ihres positiven Testergebnisses Quarantäne angeordnet.

Bei dem Betrieb in Bogen wurden laut Ministerium 100 von rund 1000 Mitarbeitern positiv getestet. Bundesweit hatte es bei mehreren Firmen zahlreiche infizierte Mitarbeiter gegeben. Erst am Mittwoch hatte der Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien geschlossen, nachdem es in einer Fleischfabrik 400 Neuinfizierte allein seit Anfang der Woche gab.

Nach der Häufung von Infektionen in Schlachtbetrieben standen die Arbeitsbedingungen mit Subunternehmern und teils überfüllten Sammelunterkünften für Osteuropäer in der Kritik. Das Bundeskabinett beschloss Eckpunkte eines „Arbeitsschutzprogramms für die Fleischwirtschaft“ etwa mit einem geplanten Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie ab dem kommendem Jahr und höheren Bußgelder bei Verstößen gegen Arbeitszeitvorschriften.

Huml betonte, die Ergebnisse zeigten, dass die Entscheidung für die Reihentestungen zum Schutz der Bevölkerung ein richtiger Schritt gewesen seien. „Damit gab es die Möglichkeit, die Kontaktpersonen der Infizierten gezielt zu ermitteln und die Infektionsketten zu durchbrechen.“ Weiterhin seien aber überall in Bayern Wachsamkeit und das genaue Befolgen der Corona-Regeln sehr wichtig.

Die Ministerin verwies zudem darauf, dass das Kabinett am Dienstag ein Bayerisches Testkonzept beschlossen hatte. „Ein Eckpunkt ist: Alle Personen, die auf eine Covid-19-Erkrankung getestet werden wollen, sollen Gewissheit darüber erhalten, ob sie sich infiziert haben.“ Allen Bürgern Bayerns werde daher so bald wie möglich angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen. Wichtig sei aber: „Symptomatische Verdachtsfälle auf eine Covid-19-Erkrankung sollen wie bisher prioritär getestet werden.“

Zudem sollten die freiwilligen Untersuchungen in Einrichtungen mit sogenannten vulnerablen Personengruppen in Pflege- und Altenheimen, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und in der ambulanten Eingliederungshilfe und Krankenhäusern ausgebaut werden. Gleiches gelte etwa für Testungen von Lehrkräften und Erziehern.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade