Corona: Bestatter fordern Einstufung als „systemrelevant“

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Ein Bestatter geht durch das Sarglager
Ein Bestatter geht durch das Sarglager. (Foto: Wolfgang Kumm / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Bestatter in Bayern fordern, in Zeiten der Corona-Krise auch als „systemrelevant“ eingestuft zu werden. „Wir müssen unbedingt in die Liste der systemkritischen Berufe aufgenommen werden“, sagte der Vorsitzende des Bestatterverbandes Bayern, Ralf Michal, in Schweinfurt. „Wir sind vergessen worden.“

Als „systemrelevant“ gelten derzeit beispielsweise Ärzte, Pfleger oder Polizeibeamte. Sie haben in Zeiten von Schul- und Kitaschließungen einen Anspruch auf die Notbetreuung ihrer Kinder. „Wir müssen die Versorgung sicherstellen, aber das geht nur, wenn alle unsere Mitarbeiter auch zur Arbeit kommen können“, sagte Michal, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Bestatter ist. Er betonte allerdings auch: „Wir rechnen nicht mit einem Anstieg der Sterbefälle über das normale Maß hinaus. Ich glaube nicht, dass es so ist, dass wir auf einmal eine Sterbewelle kriegen.“

Etwa 270 Bestatter gibt es in Bayern

Pro Jahr stirbt im Schnitt ein Prozent der deutschen Bevölkerung. Im Jahr 2018 starben in Bayern nach Angaben des Statistischen Landesamtes knapp 135 000 Menschen - das sind im Schnitt rund 11 250 im Monat. Im Bundesverband Deutscher Bestatter, in dem 81 Prozent der deutschen Bestatter organisiert sind, gibt es 220 bayerische Mitglieder. Insgesamt dürfte es in Bayern damit rund 270 Bestatter geben.

In seinem Betrieb werde derzeit in zwei Teams gearbeitet, die sich möglichst nicht begegnen sollen, sagte Michal. So soll die Versorgung sichergestellt werden, auch wenn ein Mitarbeiter sich mit dem neuartigen Virus Sars-CoV-2 angesteckt hat. Es sei im Moment auch für Bestatter schwer, Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe zu bekommen. „Egal, wo wir hingehen, wir bekommen keine Schutzausrüstung mehr“, sagte Michal.

Aber die brauchen wir. Das ist wirklich ein Problem. Wir müssen mit auf die Versorgungsliste.

Ralf Michal

Ein weiteres großes Thema für Bestatter sei derzeit die Ansteckungsgefahr auf Trauerfeiern - auch, weil dort Tränen fließen und damit Körperflüssigkeiten. „Eine Trauerfeier an sich sollte schon noch möglich sein“, betone Michal. „Aber man kann den Kreis der Trauergäste schon auf das Notwendige reduzieren.“

Er habe in den vergangenen Wochen schon bemerkt, dass die Trauerfeiern kleiner würden. „Gerade ältere Menschen bleiben eher fern und schicken eine Karte.“ Bestatter gingen inzwischen dazu über, Kondolenzlisten auszulegen, in die die Trauergäste sich - leserlich - eintragen sollen, um beim möglichen Auftreten einer Infektion informiert werden zu können.

Gottesdienste werden kleiner

Trauergottesdienste sind nach dem offiziellen Verbot der Bundesregierung ohnehin in nächster Zeit nicht mehr möglich. Eine große Auswirkung auf die Angehörigen von Gestorbenen hat das aus Sicht Michals allerdings nicht. „Das klassische Requiem wird wegen des Priestermangels ja ohnehin kaum noch gemacht.“

Er plädierte dafür, Trauerfeiern als private, nicht als öffentliche Veranstaltungen einzustufen. Dafür sei es hilfreich, wenn die Todesanzeigen erst nach der Bestattung veröffentlicht werden und nicht, wie bislang meist üblich, im Vorfeld.

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