Chiemsee: Die meisten Bars, Cafés und Kneipen je Einwohner

Lesedauer: 4 Min
Biergarten
Besucher genießen im Biergarten den Sonnenuntergang.  (Foto: Peter Kneffel/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Ob Eisdiele, Restaurant, Imbiss, Kneipe, Gaststätte oder Bar - in Bayern kann man in mehr als 28 000 verschiedenen Lokalitäten Espresso, Bier oder Limo trinken gehen. Die größten Chancen, schnell einen Ort zum Durstlöschen zu finden, hat man im Freistaat in der Gemeinde Chiemsee (Landkreis Rosenheim). Dort gibt es fast 22 Betriebe je 1000 Einwohner, wie das Bayerische Landesamt für Statistik berechnete. Bezogen nur auf die kreisfreien Städte Bayerns gibt es in Schweinfurt, Passau und Aschaffenburg die meisten Kneipen, Cafés und Gaststätten. Dort kommen auf 1000 Einwohner etwa vier entsprechende Betriebe.

Die fast zwei Dutzend Ausgeh-Möglichkeiten in Chiemsee gibt es allerdings nur auf dem Papier: Chiemsee ist die zweitkleinste Gemeinde Bayerns - mit gerade einmal etwa 230 Einwohnern. In der Realität gibt es in der Mini-Gemeinde, die aus den drei Chiemseeinseln Herrenchiemsee, Frauenchiemsee und der unbewohnten Krautinsel besteht, also „nur“ etwa fünf ausschenkende Betriebe - und einige Fischer, die im Straßenverkauf geräucherte Fische und Getränke anbieten. Auf die Inseln strömen übers Jahr mehrere Zehntausend Menschen. Allein den Weihnachtsmarkt dort haben rund 40 000 Menschen besucht, so der Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn am Chiemsee.

Bayernweit lag die Gaststättendichte nach jüngsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2017 bei 2,2 Betrieben je 1000 Bewohner. Die Zahl ist im Vergleich zu 2007 leicht gesunken. Zehn Jahre zuvor gab es im Freistaat noch durchschnittlich rund 2,4 Schankwirtschaften je 1000 Einwohner. Dass diese Zahl leicht zurückgegangen ist, liegt dem Landesamt zufolge daran, dass es zum einen etwa 2000 Betriebe weniger gibt und zum anderen seitdem eine halbe Million Menschen mehr in Bayern wohnt.

Dass die Anzahl der Betriebe seit Jahren kontinuierlich abnimmt, ist dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mehr als bewusst. „Das Wirtshaussterben macht sich seit längerem vor allem in den ländlichen Regionen im Norden Bayerns und anderen Regionen bemerkbar“, sagte Dehoga-Sprecher Frank-Ulrich John dazu. Das sei dort, wo es nur ein bis zwei Betreiber dieser Art gab, tragisch für die betroffenen Gemeinden. „Wirtshäuser sind absolut wichtig für die Lebensgrundlage der Bewohner vor Ort und Grundvoraussetzung für Tourismus.“

Dass ausgerechnet Schweinfurt an der Spitze der kreisfreien Städte gelandet ist, hat der Dehoga-Sprecher eher nicht erwartet. „Ich hätte eher auf größere Städte, touristisch bedeutende Orte oder Uni-Städte wie Regensburg getippt.“ Die Gemeinde Chiemsee im touristisch stark genutzten Voralpenland und in Tagesausflugs-Nähe zu München sei dagegen sehr nachvollziehbar.

In der Statistik kommen alle Betriebe vor, die mindestens einen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten oder übers Jahr mindestens 30 geringfügig Beschäftigte gemeldet hatten oder mindestens 17 500 Euro Umsatz im Jahr gemacht haben.

In Bayern werden durch den Tourismus dem Dehoga zufolge mehr als 600 000 Menschen beschäftigt, mehr als 400 000 davon arbeiten in Hotels und Gaststätten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen