Chefin der Frauen Union fordert Quote für CSU-Kreisverbände

Lesedauer: 7 Min
 Ulrike Scharf (CSU)
Ulrike Scharf (CSU) (Foto: dpa)
Ralf Müller

Die Partei soll jünger und weiblicher werden: Das ist ein Ziel des Reformkurses, den die CSU-Führung auf dem Parteitag am Freitag und Samstag in München einschlagen will. Ulrike Scharf, jüngst als Nachfolgerin von Angelika Niebler zur Vorsitzenden der Frauen Union in der CSU gewählt, hat an dem Reformplan mitgearbeitet und – will dafür sorgen, dass mehr Frauen in verantwortliche Positionen kommen. Was es dafür braucht, erläutert die Landtagsabgeordnete und ehemalige Landesumweltministerin im Gespräch mit Ralf Müller.

Der Anteil der Frauen unter den bayerischen Landtagsabgeordneten ist so gering wie vor 20 Jahren und in Ihrer Fraktion liegt er noch einmal darunter. Kann es mit der angestrebten CSU-Parteireform besser werden?

Auch im Bundestag ist der Anteil der Frauen so gering wie seit 20 Jahren nicht. Über eine verstärkte Förderung der Frauen in der Partei muss der Weg in die Mandate geebnet werden. Daher fordert die Frauen Union einen nächsten Schritt in der Frauenquote in der CSU. Vor zehn Jahren haben wir eine 40-Prozent-Quote für die Parteivorstände auf Bezirksebene und im Landesvorstand beschlossen. Jetzt wollen wir auch auf Kreisverbandsebene eine Quote einführen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Frauen einen leichteren Zugang zu den Mandaten finden.

Ein Reißverschlussverfahren bei den Kandidatenaufstellungen werden Sie aber wohl bei diesem Anlauf noch nicht schaffen?

Ein Reißverschlussverfahren bleibt für die Frauen Union ein wichtiges Ziel. Wir sind überzeugt, dass der Erfolg unserer Volkspartei stark von Listen abhängt, die Frauen und Männer gleichermaßen als Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl stellt. Für den kommenden Parteitag haben wir ein starkes Paket geschnürt – ich bin zuversichtlich, dass wir damit einen wichtigen Schritt der notwendigen Reform gehen.

Nicht zum ersten Mal gab es in der CSU einen Gegensatz zwischen Frauen und Junger Union. Ist das nicht verhängnisvoll? Der Parteivorsitzende möchte ja eine jüngere und weiblichere CSU haben, nicht eine jüngere oder weiblichere?

Am besten beides. Ich war bei der Reformkommission mit dabei. Jetzt geht es um den letzten Schliff für den Reformantrag, den wir dem Parteitag präsentieren wollen. Entscheidend ist, dass wir nicht darum ringen, wer mehr bekommt, sondern es muss um den gesamten Erfolg der Partei gehen. Die Analysen aus den letzten Wahlen sind klar: Wir müssen weiblicher und auch jünger werden. Deshalb ist alles zu forcieren auf diesem Weg, wenn wir erfolgreiche Volkspartei bleiben wollen.

Nach Ihren Erfahrungen mit Parteiämtern, Mandat und auch Ministeramt: Können Sie den Frauen überhaupt empfehlen, in diese immer noch von Männern dominierte Politik zu gehen?

Absolut. Ich habe große Freude mit meinem Mandat. Ich habe das Direktmandat in einer Kampfkandidatur geholt. Mein Vorgänger – Mann – wollte nicht aufhören. So etwas ist sicher keine einfache Auseinandersetzung. Deshalb werden wir auch das Mentoringprogramm für Frauen weiter ausbauen, also Schulungen und unterstützende Maßnahmen anbieten, damit Frauen sich das zutrauen. Man muss auch mal bereit sein, in eine Kampfabstimmung zu gehen, die man natürlich auch verlieren kann.

Haben Sie als Umweltministerin auch so viel Freude gehabt?

Da gab es viele schöne Dinge, aber auch viele beschwerliche Angelegenheiten. Ich habe unglaublich viel gelernt. Bei manchem Themen war ich meiner Fraktion ein bisschen in der Zeit voraus. Wenn ich heute sehe, was wir für den Artenschutz geschafft haben und dass wir ein Klimaschutzgesetz auf den Weg bringen, dann hätte ich mir das zu meiner Zeit gewünscht. Manches muss halt auch reifen.

Die Forderung nach mehr Frauen in Parteiämtern und Mandaten ist nicht neu, auch der frühere CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat sich darum schon bemüht. Trotzdem ist der Frauenanteil bei der CSU zumindest im Landtag rückläufig. Wie erklären Sie sich das?

Es liegt auch daran, dass Frauen oft nicht bereit sind, sich Kampfkandidaturen zu stellen. Ein Direktmandat zu bekommen, ist immer eine Frage der richtigen Gelegenheit. Viele Formate in der Politik sind zudem nicht sehr frauenfreundlich. Es geht um die Uhrzeit, den Ort, die Dauer, die Kinderbetreuung – das alles muss verbessert und frauenfreundlicher gemacht werden.

Wie viele Abende in der Woche sind Sie zu Hause?

Meistens keinen.

Meinten Sie das mit „frauenfreundlicher machen“?

Man muss das schon mögen und wissen, dass man die Zeit aufbringen muss, um das Mandat gut auszufüllen. Es ist nicht jederfrau Sache, jeden Abend nicht zu Hause zu sein und oft noch sehr lange irgendwo zu sitzen. Wenn Sitzungen bis Mitternacht dauern, ist das auch mir zu lange.

Aber den Männern scheint es nichts auzumachen ...

Ich weiß auch nicht, warum die immer am Abend recht lange sitzen. Ich habe den Grund noch nicht herausgefunden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen