Belgrad-Prüfung: Auftrag für Flick, Chance für Boateng

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Hasan Salihamidzic
Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic blickt vor der Partie in die Runde. (Foto: Marius Becker / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Von Christian Kunz und Martin Moravec

Hansi Flick eilte mit ernster Miene zum Sonderflieger. Beim ersten Champions-League-Trip mit dem FC Bayern als Cheftrainer nahm sich der 54-Jährige zwar noch Zeit, Autogramme zu schreiben. Doch der Fokus des neuen Mia-san-Mia-Erfolgscoaches war längst auf die Mission Gruppensieg gerichtet. „Wir wollen genau da weitermachen, wo wir im letzten Spiel aufgehört haben“, steckte Sportdirektor Hasan Salihamidzic das Ziel der heißen Prüfung des FC Bayern bei Roter Stern Belgrad am Dienstag (21.00 Uhr/Sky) ab.

Von der Verzögerung bei der ersten Dienstreise der Post-Hoeneß-Ära wollen sich die Münchner auf dem Weg zu ihrem 16. Gruppensieg in der Königsklasse nicht stoppen lassen. Erst kamen Flick & Co. wegen eines Staus verspätet am Flughafen an, dann mussten sie wegen dichten Nebels fast 60 Minuten auf den Abflug ins sonnige Belgrad warten. Nicht dabei waren der werdende Vater David Alaba und Perspektivkraft Mickaël Cuisance. Das Fehlen von Alaba hat die große Bewährungschance für den zuletzt gesperrten Jérôme Boateng zufolge, der mit Kopfhörern im Ohr und gewohnt modisch gestylt zum Flieger schlenderte.

Nach der rekordzeitverdächtigen Rückkehr zum Dominanzfußball soll die fantastische Flick-Serie ihre Fortsetzung finden. „Wir wollen natürlich auch in Belgrad ein sehr gutes Spiel machen, wie wir das in den letzten Wochen gemacht haben“, sagte Salihamidzic, der sich mit der Frage der Dauer der Flick-Zukunft beim Kurztipp nach Serbien nicht befassen wollte. „Das Verhältnis zwischen Hansi Flick und dem Club ist wirklich astrein, wir tauschen uns aus und lassen uns überhaupt nicht unter Druck setzen und versuchen unseren Job zu machen.“

Der mindestens bis Weihnachten beförderte Flick soll die schon unter Vorgänger Niko Kovac makellose Champions-League-Bilanz ausbauen. Neben den Bayern ist nur noch Thomas Tuchels Paris Saint-Germain in dieser Saison ohne Verlustpunkt. „Wir haben nach vier Spielen vier Siege auf dem Konto“, stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zufrieden fest. Er hofft auf die Vereinsbestmarke von sechs siegreichen Gruppenspielen. „Das wäre doch ein schöner Rekord, lieber Hansi.“ Schon beim 2:0 gegen Olympiakos Piräus stand Joachim Löws Weltmeister-Assistent in der Verantwortung.

Der 54-Jährige setzt nach der 4:0-Demonstration bei Fortuna Düsseldorf im Stadion Rajko Mitić gegen das Team um den früheren deutschen Nationalspieler Marko Marin auf eine weitere Steigerung seiner Stars. „In der zweiten Halbzeit haben wir noch einen Ticken Luft nach oben gehabt“, sagte Flick. „Das sind Dinge, an denen wir arbeiten können und müssen, um bis zur Winterpause den größtmöglichen Erfolg zu haben.“ Sprich: Platz eins in der Bundesliga und der Durchmarsch in der Königsklasse ohne Punktverlust in die K.o.-Runde. „Ich hätte nichts dagegen, wenn beide Ziele in Erfüllung gehen“, sagte Flick mit einem Lächeln. Gut gelaunt reiste auch Präsident Herbert Hainer als Nachfolger von Uli Hoeneß im Flug LH 2570 mit.

Unter Hansi im Glück gibt's auch wieder den Gute-Laune-Thomas-Müller, der sich in Münchner November-Tagen wieder bester Laune präsentiert. Und: Thomas Müller spielt wieder wie Thomas Müller. Am Weltmeister von 2014 ist der Flick-Effekt besonders deutlich festzumachen. Unter Kovac zum Notnagel degradiert, tritt der 30-Jährige wieder befreit auf. „Wir sind gierig“, verkündete Müller.

Drei Spiele, drei Siege, 10:0-Tore, lautet die bemerkenswerte Bayern-Bilanz von Flick, der in der Gunst der Spieler hoch steht. „Wir sind gerade gut drauf“, sagte Dauertorschütze Serge Gnabry. Das Comeback der defensiven Stabilität stärkt das Mia-san-Mia im Ensemble. „Es ist wichtig für unsere Dominanz und Souveränität, dass wir wieder öfter zu Null spielen und sehr wenig Torchancen zulassen“, sagte der neue defensive Mittelfeldchef Joshua Kimmich.

Den Belgrader Fans will er einen atmosphärischen Dämpfer verpassen. „Wir haben schon im Video ein bisschen gesehen, wie die Stimmung da aussieht. Aber ich lasse mich trotzdem ein bisschen überraschen“, sagte Kimmich. „Eine coole Stimmung nimmt man immer gerne mit als Spieler. Natürlich hoffen wir, dass wir die Stimmung ein bisschen bremsen können, indem wir ein gutes Spiel abliefern.“

Kimmich sollte wieder in der Schaltzentrale eingesetzt werden, in der Abwehr wird der zuletzt gesperrte Boateng unter seinem früheren Nationalteam-Assistenztrainer seine erste Chance bekommen. „Sicher hat der Trainer einige Optionen“, sagte Salihamidzic, der sich auf ein hitziges Auswärtsspiel bei der letzten Achtelfinal-Chance für Roter Stern einstellt. „Das ist sensationell, die Fans sind wirklich richtig gut, die machen Stimmung.“

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