Bayerns Industrie stagniert – Minister Aiwanger fordert Steuersenkung

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Weiße LKWs hintereinander
Eine Produktionsstraße von MAN in München. Die Industrie hat einen Anteil von 27 Prozent am Bruttoinlandsprodukt Bayerns. (Foto: dpa)
Ralf Müller

Das Wachstum der Industrie in Bayern zeigt nach den Worten von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zurzeit „eine gewisse Stagnation“, aber „auf hohem Niveau“. Er glaube aber nicht, dass es mit der Industriekonjunktur in den Keller gehen und aus der Stagnation eine Delle werde, sagte Aiwanger bei der Vorlage des Industrieberichts Bayern 2019. Im vergangenen Jahr war der Umsatz der fast 7600 bayerischen Industriebetriebe noch um 1,7 Prozent auf 376 Milliarden Euro gewachsen. Die Zahl der Industriebeschäftigten stieg 2018 um 3,2 Prozent auf 1,337 Millionen.

Für dieses Jahr erwartet Aiwanger nur noch ein Wachstum zwischen 0,5 und 0,6 Prozent. „Es ist schon mal besser gelaufen“, räumte der Wirtschaftsminister ein – und ergänzte: „Die Party geht nicht mehr so weiter.“ Nach wie vor aber sei Fachkräftemangel ein Thema. Deshalb müsse darüber nachgedacht werden, wie man die Transformation auf dem Arbeitsmarkt besser organisieren könne.

Die Industrie hat an der Bruttowertschöpfung des Freistaats einen Anteil von 27 Prozent. Das ist eine im Vergleich zum Bundesdurchschnitt hohe Quote. In den vergangenen fünf Jahren wuchs die bayerische Industrie um elf Prozent. Die Zahl der dort Beschäftigten kletterte sogar um 13,7 Prozent. Pro 1000 Einwohner sind 102 Personen in der Industrie tätig. Regional ist diese Quote sehr unterschiedlich: In der Oberpfalz sind es 130, in Oberbayern rechnerisch nur 80 Personen je 1000 Einwohner – und in Schwaben immerhin 115.

Große Einkommensunterschiede

Wegen der großen Einwohnerzahl erwirtschaftete die oberbayerische Industrie mit 142,3 Milliarden Euro gleichwohl deutlich mehr als die Unternehmen in den anderen Regierungsbezirken (Niederbayern: 46,9 Milliarden Euro, Oberpfalz 37,9 Milliarden, Oberfranken 25,5 Milliarden, Mittelfranken 39,3 Milliarden, Unterfranken 30,1 Milliarden und Schwaben 54,1 Milliarden Euro).

Die meisten Industriebeschäftigten gibt es ebenfalls in Oberbayern, nämlich fast 376 000, gefolgt von Schwaben (217 000), Mittelfranken (197 000) und der Oberpfalz (144 000). Die wenigsten Industriebeschäftigten gibt es in Oberfranken (126 000). Ihr Einkommensniveau ist unterschiedlich: Ein Beschäftigter in Oberbayern bezog 2018 im Schnitt ein Bruttoentgelt von fast 66  000 Euro während sich ein Industriearbeitnehmer in Oberfranken mit 41 700 Euro begnügen musste. Dazwischen rangieren Mittelfranken (51 300 Euro), Schwaben (48 600 Euro), die Oberpfalz (48 400 Euro), Unterfranken (47 900 Euro) und Niederbayern (46 300 Euro)

Um der bayerischen Industrie über die anstehende Durststrecke zu helfen und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, denkt Aiwanger vor allem an Steuersenkungen. Dazu gehöre eine bessere Forschungsförderung, die Abschaffung des „Soli“ und die Absenkung der Unternehmenssteuern in Richtung 25 Prozent. Die Abschaffung der Erbschaftsteuer wäre laut Aiwanger darüber hinaus ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen in den Wirtschaftsstandort zurückzugewinnen. Neue Wege müsse man bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit gehen. Ein übertriebener Kündigungsschutz habe den Arbeitnehmern nicht geholfen, weil die Unternehmen dadurch verstärkt auf Leih- und Zeitarbeiter zurückgriffen, meinte der Wirtschaftsminister.

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