Bayern rüsten auf - aus Angst vor Flüchtlingen?

Lesedauer: 5 Min
Gaspistolen wie diese sind in Bayern derzeit sehr gefragt.
Gaspistolen wie diese sind in Bayern derzeit sehr gefragt. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

In Bayern steigt die Nachfrage nach Schreckschuss- und Signalpistolen sowie nach Reizgassprühgeräten. Offenbar gibt es unter der Bevölkerung diffuse Ängste, die womöglich im Zusammenhang mit dem starken Zuzug von Flüchtlingen stehen. Der Trend zum Kauf solcher Ausrüstung verläuft parallel zu dieser Entwicklung.

Für das Führen der oben genannten Gegenstände in der Öffentlichkeit ist in Deutschland seit 2003 ein sogenannter „kleiner Waffenschein“ nötig. Nach den vorliegenden Zahlen aus dem bayerischen Innenministerium wurden bis Ende Oktober im Freistaat insgesamt 46690 solcher Erlaubnispapiere ausgestellt – davon allein in diesem Jahr 3161. Die Zahl der kleinen Waffenscheine nehme augenfällig zu, bestätigt ein Sprecher des Ministeriums. 3161 ausgestellte Scheine in zehn Monaten seien deutlich mehr als im Vergleichszeitraum 2014.

Rückgabe von Waffen stockt

Umfragen verschiedener Medien in zuständigen Waffenbehörden sowie in Waffengeschäften weisen auf eine wachsende Verunsicherung unter der Bevölkerung hin. Immer wieder würden Käufer auf mögliche Gefahren durch Flüchtlinge hinweisen, ergaben Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ und des TV-Senders RTL.

Laut Polizeistatistik lässt sich eine solche Bedrohung nicht nachweisen. Aber das bayerische Innenministerium hat gleichzeitig festgestellt, dass sich die Abgabe richtiger Schusswaffen in diesem Jahr verlangsamt habe. Hier sieht es womöglich so aus, dass Bürger ihre Pistolen, Revolver oder Gewehre fürs Erste lieber behalten, auch wenn sie nicht mehr unbedingt benötigt werden. Dies könnte bei einem Sportschützen der Fall sein, der sich aufs Altenteil zurückziehen will. Prinzipiell müsste er seine Waffen zwar zurückgeben oder unbrauchbar machen lassen, wenn kein Bedarf mehr vorhanden ist. Die Überprüfung solcher Fälle ist aber aufwändig.

Für richtige Schusswaffen ist in Deutschland eine Art großer Waffenschein nötig. Die entsprechende Erlaubnis gibt es normalerweise nur für Sportschützen, Jäger und Sammler. Sie dürfen ihre Waffen in der Öffentlichkeit aber nur höchst eingeschränkt führen – Sportschützen etwa nur auf dem Schießstand. Wer als Privatmensch mit der Pistole im Schulterhalfter à la James Bond auf die Straße will, braucht einen ausgewachsenen Waffenschein und nicht nur eine Waffenbesitzkarte, wie sie Jäger oder Sportschützen haben. Solche Erlaubnisse gibt es höchst selten und dann auch nur zeitlich eingeschränkt. Vorstellbar ist dies bei einer ganz akuten persönlichen Gefährdung.

Pfefferspray ist frei erhältlich

Dagegen kann der kleine Waffenschein für Schreckschusspistolen und Ähnliches rasch erworben werden – sofern der Antragsteller nicht bereits schon strafrechtlich auffällig geworden ist. Wobei es noch einen Unterschied zwischen Reizgassprühgeräten und Pfefferspray zur Hundeabwehr gibt. Letzteres ist frei erhältlich.

Beim „kleinen Waffenschein“ muss der Antragsteller übrigens keinen Grund für sein Begehren nennen. Darum tue man sich mit der Ursachenforschung für den Kaufboom auch etwas schwer, heißt es aus dem Innenministerium. Klar ist, dass die „kleinen Waffen“ durchaus starke Verletzungen verursachen können, wenn sie aus der Nähe abgeschossen werden. Die Polizei zeigt sich auf jeden Fall wenig erfreut über diesen Trend. Rainer Wendt, Chef der deutschen Polizeigewerkschaft, meint, das Mitführen von Waffen mache Menschen unvorsichtiger. Sie gerieten eher in Gefahr.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen