Bayern pumpt mehr Geld in Hightech-Agenda

Lesedauer: 4 Min
Als Reaktion auf die Corona-Krise pumpt Bayern mehr Geld in einen schnelleren Ausbau seines Hightech-Forschungsnetzwerkes. Eigen
Als Reaktion auf die Corona-Krise pumpt Bayern mehr Geld in einen schnelleren Ausbau seines Hightech-Forschungsnetzwerkes. Eigentlich war der Ausbau schrittweise bis 2023 geplant. Jetzt soll es schneller gehen. (Foto: Peter Kneffel/dpa)
Ralf Müller

Mit der Beschleunigung und Ausweitung der im vergangenen Oktober beschlossenen Hightech-Agenda will sich die bayerische Staatsregierung gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise und den dadurch angeheizten Strukturwandel in der Industrie stemmen. Die ursprünglich bis 2024 ausgelegten Maßnahmen der Agenda, insbesondere die Anstellung von wissenschaftlich hoch qualifiziertem Personal, sollen jetzt schon möglichst bis zum 1. April kommenden Jahres umgesetzt werden. Internationale Spitzenkräfte seien derzeit leichter zu haben, sagte Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler nach einer Sitzung des Landeskabinetts am Montag in München: „Wir kriegen die Leute momentan.“

Die Hightech-Agenda umfasste bisher die Schaffung von 1000 zusätzlichen Professorenstellen und weitere 800 sonstige Stellen sowie von 13 000 Studienplätzen bis 2024. Jetzt will der Freistaat den Ausbau der Forschung in technologisch zukunftsträchtigen Bereichen wie der Künstlichen Intelligenz (KI), der Biotechnologie sowie der Wasserstoff-Anwendungen beschleunigen, um Ersatz für wegbrechende traditionelle industrielle Arbeitsplätze zu sichern. „Ohne industrielle Arbeitsplätze nützt auch der Dienstleistungssektor nichts“, sagte Ministerpräsident Markus Söder: „Wir müssen aufpassen, dass keine Deindustrialisierung entsteht.“ Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), von Beruf Landwirt, will „auf Pferde setzen, die morgen den Pflug ziehen“.

Das Vorziehen der Hightech-Agenda erhöht wegen der früher fällig werdenden Gehälter den Gesamtansatz von zwei auf 3,5 Milliarden Euro, erläuterte Söder. Darin enthalten sind 900 Millionen Euro für eine „Hightech Agenda plus“ für ein eigenes bayerisches Konjunkturprogramm. Besonderen Ehrgeiz setzt die Staatsregierung in den Aufbau eines „Lifescience Campus“ in Martinsried bei München, in die „Bayerische Quanteninitiative mit Aufbau eines Zentrums für Quantencomputing und Quantentechnologien“ und der Errichtung eines „Quantentechnologieparks“. Dort solle Nobelpreisverdächtiges entstehen, wünschte sich Ministerpräsident Söder.

Mit dem Vorziehen und Beschleunigen der Hightech-Agenda soll sich auch die Bauverwaltung rascher bewegen. Um schneller Arbeitsflächen und Gebäude für die zusätzlichen Forscher bereitstellen zu können, setzt Wissenschaftsminister Sibler auf ein „Modulbauprogramm“. 100 Millionen Euro werden in den nächsten beiden Jahren in Neubauten in Ingolstadt, Erlangen, Passau, Rosenheim, Würzburg, Bayreuth, Regensburg und Augsburg investiert.

Alles sei finanzierbar, versicherte Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU). Von den 20 Milliarden Euro an Kreditaufnahmeermächtigungen, die der Landtag zur Bekämpfung der Corona-Krise bewilligt hat, seien bisher etwa elf Milliarden Euro verplant, davon 4,2 Milliarden Euro für den in diesem Jahr erwarteten Ausfall an Steuereinnahmen. Als einziges Bundesland werde der Freistaat nach wie vor mit der Bestnote „AAA“ der Ratingagentur Standard & Poor's bewertet. Nach der nächsten Steuerschätzung im November werde die Staatsregierung einen Haushaltsentwurf vorlegen, allerdings nicht wie bisher in Bayern üblich für zwei Jahre, sondern nur für 2021.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen