Bayern ist so sicher wie zuletzt 1979

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Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um 17,1 Prozent auf 4342 zurück.
Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um 17,1 Prozent auf 4342 zurück. (Foto: dpa)
Ralf Müller

In Bayern gibt es – umgerechnet auf die Einwohnerzahl – so wenig Straftaten wie zuletzt 1979. Das gab Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Präsentation der neuen polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2019 in München bekannt. Im Vergleich zum Jahr 2018 ging die Zahl der registrierten Straftaten um 4,4 Prozent auf 567 961 zurück. Die Aufklärungsquote stieg im gleichen Zeitraum um 0,5 Prozentpunkte auf 65 Prozent – der höchste Wert seit 25 Jahren. Herrmann: „Das ist ein phänomenales Ergebnis.“

Weil die Zahl der Einwohner Bayerns Ende 2018 um knapp 80 000 auf 13,08 Millionen zunahm, reduzierte sich die sogenannte Häufigkeitszahl noch stärker, um fünf Prozent, auf 4343. Die Häufigkeitszahl bezeichnet die Zahl der pro 100 000 Einwohner erfassten Straftaten. Das ist der geringste Wert seit 40 Jahren.

Der Rückgang der Fallzahlen um 26 155 sei im Wesentlichen auf Rückgänge der Diebstähle (minus 7,1 Prozent), der Sachbeschädigungen (minus 4,4 Prozent) und der Rohheitsdelikte zurückzuführen, so Herrmann. Anstiege seien bei Rauschgiftdelikten (plus 1,6 Prozent), Sexualdelikten (plus 4,9 Prozent) sowie bei Cyber-Kriminalität (plus 12,4 Prozent) zu beobachten.

Nicht verändert hat sich der Anteil von 35,5 Prozent der Nichtdeutschen an den 259 884 Tatverdächtigen. An der Wohnbevölkerung haben die Menschen ohne deutschen Pass einen Anteil von 13,2 Prozent. 10,3 Prozent der Tatverdächtigen (minus 0,3 Prozentpunkte) waren Zuwanderer, vor allem Asylbewerber. Wie schon in den Vorjahren zeigte sich, dass die von dieser Tätergruppe ausgehende Gewalt sich zu einem großen Teil gegen Zuwanderer richtet: 1830 der 4232 Menschen, die Opfer eines von einem Zuwanderer ausgehenden Gewaltdelikts wurden, haben ebenfalls eine Zuwanderungsgeschichte.

Objektiv sei die Sicherheit in Bayern heute deutlich besser als noch vor ein paar Jahren, erklärte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Rainer Nachtigall. Das liege insbesondere an der guten Arbeit der Schutz- und der Kriminalpolizei. Subjektiv sei die Sicherheit aus Sicht der Bürger jedoch „bestenfalls ausreichend“. Deshalb müsse alles unternommen werden, damit sich das Sicherheitsgefühl verbessere. Das hänge entscheidend von einer sichtbaren Polizeipräsenz ab, stimmte Herrmann zu. Deshalb stocke man die Zahl der Polizeibeamten weiter auf.

Die Zahl der Gewaltdelikte ist 2019 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 19 953 zurückgegangen. Mord, Totschlag und deren Versuch wurden im vergangenen Jahr 529-mal registriert (minus 18,4 Prozent). Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um 17,1 Prozent auf 4342 zurück. In 46 Prozent blieb es bei einem Versuch. Die Aufklärungsquote lag mit 21,8 Prozent (2018: 20,6 Prozent) weiter unter dem allgemeinen Niveau.

Für eine Sonderentwicklung bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die um 4,9 Prozent auf 9050 Delikte anstiegen, seien Internet, Smartphone und Chatprogramme wie WhatsApp verantwortlich. Um 53,2 Prozent wuchs die Zahl der Fälle, die juristisch als Verbreitung pornografischer Schriften bewertet werden und sich fast ausschließlich digital abspielen. Herrmann erklärte, durch unkontrolliertes Teilen solcher Beiträge in virtuellen Gruppen, auch unter Schülern, würden schnell hohe Zahlen generiert. Das Ganze sei ein ernst zu nehmendes Problem.

Eine „sehr hohe Dunkelziffer“ vermutet Herrmann bei der Internetkriminalität, der im vergangenen Jahr 29 717 Straftaten (plus 12,4 Prozent) zugerechnet wurden. Der Gesamtschaden lag bei 18,9 Millionen Euro – wobei Herrmann sagte, der tatsächliche Schaden dürfte deutlich höher sein.

Für ein Plus von 1,6 Prozent bei der Rauschgiftkriminalität (55 888 Fälle) sorgte eine Zunahme bei den Cannabis-Delikten um 3,8 Prozent auf 35 824. Wegen ihrer Gefährlichkeit müsse man zudem die „neuen psychoaktiven Stoffe“ (NpS) besonders im Auge behalten, sagte Herrmann.

Die Fraktionsvorsitzende der Landtags-Grünen, Katharina Schulze, sagte, die Statistik spiegele „nur in Teilbereichen die Realität wider“. So bleibe das Thema „Hasskriminalität gegen Frauen“ sogar unsichtbar. Schulze forderte einen wissenschaftlichen periodischen Sicherheitsbericht, um ein „realistisches Gesamtbild der Kriminalitätslage in Bayern“ zu erhalten. In der Statistik für politisch motivierte Straftaten sollte eine Kategorie für „Misogynie/Frauenfeindlichkeit“ ausgewiesen werden.

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