Bayerischer Kapitän des Migranten-Rettungsschiffs „Lifeline“ verurteilt

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Claus-Peter Reisch, Kapitän des Seenotrettungsschiffs Lifeline.
Claus-Peter Reisch, Kapitän des Seenotrettungsschiffs Lifeline. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Der Kapitän eines Migranten-Rettungsschiffes der Hilfsorganisation Mission Lifeline ist auf Malta zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Claus-Peter Reisch aus Landsberg am Lech müsse 10 000 Euro an lokale Hilfsorganisationen bezahlen, teilte Mission Lifeline am Dienstag nach dem Urteil mit. Zu einer Gefängnisstrafe wurde Reisch nicht verurteilt.

Der Kapitän hatte vergangenen Juni mit dem Schiff „Lifeline“ mehr als 230 Migranten vor der libyschen Küste aus dem Mittelmeer gerettet. Das Gericht in Valletta erklärte nun, dass er ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot in maltesische Gewässer gesteuert habe.

Lifeline-Sprecher Axel Steier kündigte Berufung an, weil der Kapitän unschuldig sei. „Das Urteil ist hanebüchen. Es ist klar, dass das ein politisches Urteil ist, es hat nichts mit Recht zu tun“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Gericht habe zwar das Schiff freigegeben. Weil die Dresdner Mission Lifeline aber in Berufung gehe, bleibe es bis dahin beschlagnahmt.

Rettungsschiff «Lifeline»
Die maltesischen Behörden werfen der Dresdner Organisation Mission Lifeline vor, dass ihr Schiff „staatenlos“ gewesen sei und keine ordentliche Registrierung gehabt habe. (Foto: Jonathan Borg/AP / DPA)

Nach der Rettung wurde das Schiff, das unter niederländischer Flagge fuhr, tagelang auf hoher See blockiert. Es durfte erst in Malta anlegen, nachdem mehrere EU-Staaten zugesagt hatten, die Flüchtlinge aufzunehmen. Private Seenotretter sehen hinter den juristischen Ermittlungen eine europaweite politische Kampagne, um die Rettung von Migranten zu erschweren und Nichtregierungsorganisationen (NGO) zu kriminalisieren.

Seit dem Amtsantritt der populistischen Regierung in Italien vor einem Jahr sind die Häfen dort für private Seenotretter weitestgehend geschlossen. Auch Malta weigerte sich mehrmals gegen die Aufnahme von Migranten von NGO-Schiffen und will eine gerechte Verteilung der Menschen auf alle EU-Staaten.

Seit Beginn des Jahres kamen laut Internationaler Organisation für Migration auf der zentralen Mittelmeerroute in Richtung Italien und Malta mehr als 300 Menschen ums Leben.

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