Autozulieferer Leoni schreibt schwere Verluste

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Leoni
Der Schriftzug des Kabelspezialisten und Autozulieferers Leoni steht am Eingang der Zentrale des Unternehmens. (Foto: Daniel Karmann/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Der Kabel- und Bordnetzspezialist Leoni hat wegen einer anhaltenden Flaute in der Autoindustrie im ersten Halbjahr 2019 einen Verlust von unter dem Strich 176 Millionen Euro angehäuft. Im vergangenen Jahr hatte das im SDax notierte Unternehmen, das weltweit mehr als 94 000 Mitarbeiter beschäftigt, noch mit 84 Millionen Euro im Plus gelegen. Auch der Umsatz ging um sechs Prozent auf 2,509 Milliarden Euro zurück. Vorstandschef Aldo Kamper erwartet, auch dank eingeleiteter Sparmaßnahmen, eine leichte Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte, jedoch keinen Gewinn.

Die Leoni-Aktie, seit Anfang des Jahres stark unter Druck, gab am Mittwoch weiter nach. Das Unternehmen wolle dem durch ein striktes Sparprogramm begegnen. Von 2022 sollen jährlich 500 Millionen Euro brutto eingespart werden. Die neue Finanzvorständin Ingrid Jägering sprach von einem „entscheidenden Moment“ für das Unternehmen. Vorstandschef Kamper erklärte, die Situation sei „alles andere als zufriedenstellend“. Jedoch gebe es auch deutliche Fortschritte.

Leoni bewegt sich als Zulieferer für die Automobilindustrie auf einem derzeit schwer bespielbaren Feld. Große Absatzmärkte wie China schwächeln, die Diskussion um Zollschranken in den USA ist nicht verstummt und der Technologie-Wechsel in der gesamten Autobranche führt zu Kaufzurückhaltung. „Wir haben eine schwierige Situation im Markt und eine schwierige Situation im Unternehmen“, sagte Kamper. Aber er baue auf die Selbstheilungskräfte des Unternehmens. „Wir brauchen weder Arzt noch Pfarrer“, sagte Kamper.

Das schwache Marktumfeld habe die Umsatz- und Ergebnisentwicklung belastet, teilte der Autozulieferer weiter mit. Sowohl die Kabel- als auch die Bordnetzsparte waren von den Problemen deutlich betroffen. Auch das mit erheblichen Problemen behaftete Anfahren eines neuen Werkes in Mexiko habe die Bilanz belastet. Die Probleme seien aber inzwischen behoben.

Leoni bekräftigte in diesem Zusammenhang seine Absicht, sich mittelfristig von der Kabelsparte trennen zu wollen. Es werde damit gerechnet, dies im kommenden Jahr über die Bühne zu bringen. Man stehe jedoch noch am Anfang der Gespräche.

Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug allein im zweiten Quartal 30 Millionen Euro, nach einem positiven operativen Ergebnis in Höhe von 62 Millionen Euro im zweiten Quartal des Vorjahres.

Stark gestiegen sind die Schulden: Die kurzfristigen Verbindlichkeiten schossen im ersten Halbjahr 2019 um 32 Prozent nach oben und betragen jetzt 1,974 Milliarden Euro. Hinzu kommen langfristige Verbindlichkeiten, die sich auf 889 Millionen Euro belaufen. Die Nettofinanzschulden erhöhten sich auf 1,206 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote sank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 von 32 auf 24 Prozent.

Vorstandschef Kamper zeigte sich trotzdem zuversichtlich, das Geschäft nachhaltig stabilisieren und die Ziele des Konzerns erreichen zu können. „Wir erwarten, dass die bis Ende Juni implementierten Maßnahmen in den kommenden Jahren zu nachhaltigen Bruttokosteneinsparungen im mittleren zweistelligen Millionenbereich führen werden“, sagte er.

Zwischenbericht Leoni

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