Alpenverein meldet Rekord-Besucherzahlen

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Die Kemptener Hütte, eine der größten DAV-Berghütten, bietet bis zu 290 Bergsteigern eine Unterkunft.
Ulrich Mendelin

Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat in diesem Sommer wohl mehr Gäste in seinen Berghütten beherbergt als jemals zuvor. „Wir hatten etwa zehn Prozent mehr Übernachtungen als normalerweise“, teilte der zuständige DAV-Bereichsleiter Robert Kolbitsch am Donnerstag mit. Das würde etwa 800000 Übernachtungen auf den 326 Hütten des Vereins entsprechen – zehn Prozent mehr als in einem durchschnittlichen Sommer. Der DAV spricht deswegen von einem „rekordverdächtigen Sommer“. Grund sei der warme Sommer, der über viele Wochen ideale Bedingungen für den Bergsport geboten hat.

Gleichzeitig warnte der DAV davor, dass die hohe Zahl an Besuchern viele Berghütten an ihre Belastungsgrenze gebracht habe. Betroffen seien vor allem leicht erreichbare Hütten in mittleren Höhen und jene an beliebten Fernwanderwegen wie dem E5 von Oberstdorf nach Meran.

Allein die Kemptener Hütte in den Allgäuer Alpen, Ausgangspunkt unter anderem für den beliebten Heilbronner Weg, verzeichnete in der Saison 21000 Übernachtungen – mehr als jemals zuvor eine DAV-Hütte in einer Saison. „Dieser Sommer war außergewöhnlich“, bilanzierte Hüttenwirtin Gabriele Braxmair. Die Versorgung mit Wasser und Energie sei an ihre Grenzen gestoßen. Seit diesem Sommer wird an einem Kanal gearbeitet, der die auf 1844 Meter Seehöhe gelegene Kemptner Hütte an das öffentliche Abwassernetz anschließen soll. Die Kosten betragen 2,6Millionen Euro.

Für das ebenfalls in den Allgäuer Alpen gelegene Waltenberger Haus ist Belastung bereits zu hoch geworden: Die traditionsreiche Hütte, älteste DAV-Unterkunft in den Allgäuer Alpen, ist nach 140Jahren geschlossen worden. Sie wird nun abgerissen. Bis zum Sommer 2017 soll an der selben Stelle ein Neubau entstehen. Die Entscheidung der DAV-Sektion in Immenstadt, Eigentümerin der Hütte, war höchst umstritten: Während die alte Hütte historischen Berghüttencharme ausstrahlte, soll der Neubau nicht nur deutlich größer werden, sondern auch architektonisch deutlich moderner. Kritiker sehen mit dem Abriss ein Stück Alpentradition schwinden.

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