Allgäuer Veranstalter äußert sich zum tödlichen Radunfall auf Mallorca

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Rettungskräfte und Polizisten der Guardia Civil stehen am Unfallort, an dem ein Auto in eine Gruppe von 15 Radfahrern aus Deuts
Rettungskräfte und Polizisten der Guardia Civil stehen am Unfallort, an dem ein Auto in eine Gruppe von 15 Radfahrern aus Deutschland gefahren ist. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
dpa

Nach dem Tod eines deutschen Radfahrers auf Mallorca ermittelt die Polizei wegen Drogenverdachts gegen die Porsche-fahrerin, die den fatalen Unfall verursacht hat. Der Mann, der von dem Auto überrollt wurde, erlag in einer Klinik in Manacor seinen Verletzungen, teilte die Verkehrsbehörde in der Nacht zum Freitag auf Twitter mit. Bei dem Unfall waren am Donnerstagvormittag in der Nähe von Capdepera im Nordosten der spanischen Urlaubsinsel acht weitere Fahrer der deutschen Gruppe verletzt worden, zwei von ihnen schwer.

Als Veranstalter des Allgäu-Triathlons bekannt

Die Gruppe von 30- bis 40-Jährigen nahm an einem Radcamp auf der Baleareninsel teil, das der Allgäuer Hannes Blaschke organisiert hatte. Er veranstaltet seit 30 Jahren Triathlonreisen und seit 20 Jahren Fahrradcamps. In Süddeutschland ist Blaschke vor allem als Organisator des Allgäu Triathlons bekannt.

Das Unfallfahrzeug wurde nach Polizeiangaben von einer Spanierin gesteuert. Von Medien zitierte Augenzeugen versicherten, die 28-Jährige habe zu keinem Zeitpunkt gebremst und sei auf einer Landstraße mit ihrem Porsche Cayenne auf gerader Strecke zwischen Capdepera und Arta mit voller Geschwindigkeit in die Gruppe gerast.

"Wenn dich so ein Monster überrollt..."

Hannes Blaschke steht am Tag danach noch unter dem Eindruck des Unfalls: „Wenn dich so ein Monster von hinten überrollt, hast du keine Chance.“ Blaschke selbst war nicht dabei, als die Radfahrer von dem SUV gerammt wurden. Er wurde von den Teilnehmern des Radcamps informiert und rief vom fünf Kilometer entfernten Hotel, in dem er sich aufhielt, Ambulanz und Polizei an. „Die waren unheimlich schnell vor Ort, die Rettungskette funktionierte tadellos“, sagt der 57-Jährige. Trotz der schnellen Hilfe starb einer der Radfahrer an seinen Verletzungen.

Teilnehmer aus ganz Deutschland

Die Polizei nahm die Fahrerin zunächst in Gewahrsam, setzte sie am Freitag unter Auflagen aber wieder auf freien Fuß. Ein erster Drogentest habe ergeben, dass die Frau Cannabis konsumiert habe. Das Ergebnis müsse aber von einem Labor in Madrid bestätigt werden, hieß es.

Die Teilnehmer des Radcamps kommen aus ganz Deutschland. Berichte, dass die Gruppe aus Immenstadt im Allgäu kam, wies Blaschke als falsch zurück. Zur Herkunft des Verstorbenen mache er keine Angaben, das sei mit der Familie so vereinbart.

Betroffene Radfahrer waren erfahrene Sportler

Blaschke organisiert unter dem Namen Hannes Hawaii Tours Triathlonreisen und Radcamps. Dabei gibt es unterschiedliche Leistungsklassen, vom ambitionierten Hobbysportler bis zum Teilnehmer des Ironman-Triathlons auf Hawaii. Die von dem Unfall betroffene Gruppe habe zur stärksten Leistungsklasse gehört. „Das sind sehr erfahrene Radfahrer, die genau wissen, was sie tun.“ Zu den Radcamps gehöre auch Sicherheitstraining, bei dem etwa der Führungswechsel geübt wird. Kleinere Blessuren ziehe man sich dabei immer mal wieder durch eigenes Verschulden zu, so Blaschke. Doch solch einen tödlichen Unfall habe es noch nie gegeben. „Das war für uns der Super-GAU.“  Für die 15 Teilnehmer umfassende Gruppe war das zweiwöchige Camp fast zu Ende, als sich der Unfall ereignete. Heute kommen neue Teilnehmer und beginnen ihr Training auf Mallorca.

"Passt auf uns auf"

Blaschke, der selbst erfahrener Triathlet ist, weiß auch, dass Radfahrer selbst nicht immer den besten Ruf haben, wenn es um ihr Verhalten auf der Straße geht. „Wir sind nicht immer superkorrekt, und manchmal ärgert man sich auch zu Recht über uns, aber wir sind die Schwächsten auf der Straße.“ Sein Appell an Autofahrer: „Passt auf uns auf. Und legt das Handy dahin, wo es hingehört: ins Handschuhfach.“

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