6,3 Millionen Gäste haben die Wiesn besucht

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Schützen beim traditionellen Böllerschießen auf der Theresienwiese vor der Bavaria am letzten Tag des Oktoberfests.
Schützen beim traditionellen Böllerschießen auf der Theresienwiese vor der Bavaria am letzten Tag des Oktoberfests. (Foto: lby)
Ralf Müller

Hochzufrieden mit dem diesjährigen Münchener Oktoberfest, das am Sonntag Abend seine Pforten schloss, zeigten sich Wirte, Schausteller und Festleitung. Bis zum Schluss sei die 185ste Wiesn von der Sonne verwöhnt worden, sagte der Münchener Bürgermeister und Festleiter Josef Schmid am Sonntag. Nach Schätzung der Festleitung kamen in diesem Jahr 6,3 Millionen Gäste auf die Theresienwiese. Das waren 100 000 mehr als im Vorjahr, obwohl damals das Fest zwei Tage länger gedauert hatte.

Die Zahl der konsumierten Maß Bier sei mit 7,5 Millionen gegenüber dem Vorjahr konstant geblieben, berichtete Schmid. Der Umsatz an Speisen legte jedoch ebenso wie der von alkoholfreien Getränken um zehn Prozent zu. 480 000 Menschen zahlten pro Person drei Euro Eintritt für die „Oide Wiesn“, die in einem Teilbereich des Oktoberfestes stattfand (2017: 480 000)

Die Familien hätten das größte Volksfest der Welt „zurück erobert“. Auch die „Generation 60 plus“ habe wieder Lust auf das Oktoberfest bekommen, sagte Festleiter Schmid. Die Polizei bestätigte im Wesentlichen Schmids Einschätzung einer „durchwegs gemütlichen und freundlichen Atmosphäre“. Die Zahl der in 15 Festtagen (bis Samstag Abend) registrierten Straftaten sei gegenüber 2017 um 8,9 Prozent auf 924 zurück gegangen, berichtete Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins.

Bis Samstag Abend zählte die Polizei nur ein Raubdelikt (2017: sieben), 42 Sexualdelikte (2017: 62), 174 Taschendiebstähle (201) und 27 gefährliche Körperverletzungen (36). Leicht gestiegen ist hingegen die Zahl der einfachen Körperverletzungen um zwei auf 254 und die der Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte. 19 Fälle des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte gingen in die Oktoberfestbilanz 2018 ein (2017: 19), bei denen 15 (acht) Polizeibeamte verletzt wurden. Zwei von ihnen so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Dies stehe "im deutlichen Widerspruch zur sonstigen friedlichen Stimmungslage", sagte da Gloria Martins.

Überschattet wurde das Oktoberfest 2018 gleichwohl von einem Todesfall in der ersten Festwoche, bei dem ein 58-jähriger Mann nach einem Faustschlag an einer Gehirnblutung starb. Als Beleg dafür, dass die Wiesn gewalttätig sei, könne dieses Vorkommnis nicht gelten, sagte Polizeisprecher da Gloria Martins. Bei dem Vorfall sei weder eine Waffe noch besondere Brutalität im Spiel gewesen. Gegen den 42-jährigen Täter wird daher nicht wegen Mordes oder Totschlags, sondern nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt.

Gelassene Atmosphäre und eine ausgebaute Videoüberwachung haben den Angehörigen der „Wiesn-Wache“ mehr Zeit gegeben, sich schon vorbeugend um problematisches „Klientel“ zu kümmern, berichtete der Polizeisprecher. So seien 330 aggressive Personen in Gewahrsam genommen worden, ehe sie aktiv werden konnten – eine Steigerung um 26,9 Prozent. Die Aicher Ambulanz, die erstmals den Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest übernommen hatte, versorgte bis Samstag insgesamt 3333 Patienten (Vorjahr: 3449). Bei 533 von ihnen wurde eine Verlegung in eine Klinik notwendig.

A llerlei skurrile Vorkommnisse

Bei 6,3 Millionen Besuchern sind allerlei skurrile Vorkommnisse vorprogrammiert. So beherbergte die Polizeiwache zum Schluss 122 Luftballons, die bei einem illegalen Händler konfisziert wurden. Ein Rikschafahrer bekam Ärger, weil er seinen Elektroantrieb frisiert hatte. Auf dem Wiesn-Fundbüro fanden sich zum Schluss neben dem schon traditionellen Gebiss unter anderem zwei Eheringe von demselben Ehepaar, die Box eines Essens-Lieferservices, ein Kraftfahrzeugkennzeichen und ein Prospektständer.

Auf der Sanitätsstation des Oktoberfestes fanden sich unter anderem ein stark alkoholisierter falscher Mönch und ein 40-jähriger Ire ein, der sich seine Finger an einem heißen Hendl verbrannt und dieses anschließend reflexartig in die Menge geworfen hatte.

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