16 000 tote Raucher pro Jahr in Bayern

Raucher halten eine brennende Zigarette in der Hand
Raucher halten eine brennende Zigarette in der Hand. (Foto: Armin Weigel / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

In Bayern sterben nach Schätzungen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) rund 16 000 Menschen pro Jahr an den Folgen des Rauchens. „Es gibt praktisch kein Organ, das nicht durch das Rauchen geschädigt wird“, sagte LGL-Präsident Walter Jonas laut Mitteilung zum Weltnichtrauchertag am Montag (31.5.). Langjährige Raucher landen den Angaben zufolge auch im Fall einer Covid-19-Infektion öfter im Krankenhaus und dort auf der Intensivstation. Ihr Sterberisiko sei einer US-Studie zufolge mehr als sechsfach erhöht.

Der Anteil der Raucher an der bayerischen Gesamtbevölkerung ist laut LGL seit Jahren rückläufig: Rauchten im Jahr 1999 im Freistaat noch 33,2 Prozent der Männer und 22,7 Prozent der Frauen im Alter zwischen 15 und 75 Jahren, waren es im Jahr 2017 nur noch 26,6 und 18,6 Prozent. Mit einem Schnitt von 20,5 Prozent Raucheranteil habe Bayern im Ländervergleich die niedrigste Quote.

Ein Trend dabei: Je niedriger Bildungsgrad und Haushaltseinkommen, desto höher die Konsumrate. In den Bereichen Bau, Architektur und Vermessung sei das Rauchen am weitesten verbreitet. Dort rauchten demnach 35,3 Prozent der Beschäftigten.

Auch beim Schulartenvergleich zeigen sich laut LGL Unterschiede: So lag die Tabakkonsumrate innerhalb der letzten 30 Tage bei Mittelschülern bei 30 Prozent und damit doppelt so hoch wie bei Gymnasiasten.

Aus Daten der Kaufmännische Krankenkasse (KKH) geht hervor, dass es in Bayern immer mehr Menschen gibt, die wegen einer Tabakabhängigkeit therapiert werden. Vor zwei Jahren wurden rund 14 300 KKH-Versicherte aus dem Freistaat wegen Tabakabhängigkeit, Entzugserscheinungen, eines akuten Tabakrauschs oder psychischer Probleme aufgrund von Tabak behandelt - im Vergleich zu 2009 sei das ein Plus von rund 73 Prozent, teilte die Krankenkasse kürzlich mit. Die Dunkelziffer sei vermutlich weitaus höher, denn die Daten basierten nur auf ärztlich diagnostizierten Tabakmissbrauch.

Im Bundesländervergleich liege Bayern trotz dieses deutlichen Anstiegs im Mittelfeld. Am kritischsten sei die Lage in Thüringen: Dort stieg der Anteil an in Behandlung befindlichen Exzessiv-Rauchern um rund 146 Prozent, erklärte die KKH vor dem Weltnichtrauchertag. Angaben zur Frage, warum die Zahlen gestiegen sind, machte die KKH nicht.

Eine von der Krankenkasse beauftragte bundesweite Erhebung zum Raucherverhalten in der Corona-Krise hat darüber hinaus ergeben, dass 17 Prozent aller befragten Raucher seit der Pandemie häufiger zur Zigarette greifen. Nur drei Prozent hätten seitdem aufgehört.

Deutschland sei europäisches Schlusslicht in der Tabakkontrolle, kritisiert Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): „Die Politik muss sich klar dazu bekennen, den Tabakkonsum einzudämmen und so die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.“

Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Deutschland gar eines der „Sorgenkinder“ weltweit, wie der WHO-Direktor für Gesundheitsförderung, Rüdiger Krech, sagt. Die Tabaksteuern müssten dringend erhöht werden. Die noch erlaubte Außenwerbung müsse verboten und der Zigarettenverkauf in Supermärkten gestoppt werden.

© dpa-infocom, dpa:210529-99-785991/4

Mitteilung

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