Über 900 Straftaten im rechtsextremen Milieu festgestellt

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Bei der Razzia beschlagnahmte NS-Ware aus dem in Memmingen ansässigen Versandhandel. Die Polizei hat das Bild zur Veröffentlichu
Bei der Razzia beschlagnahmte NS-Ware aus dem in Memmingen ansässigen Versandhandel. Die Polizei hat das Bild zur Veröffentlichu (Foto: Polizei)

Die Polizei geht in Bayrisch-Schwaben und im angrenzenden Württemberg gegen einen rechtsextremen Versandhandel vor. Es haben sich dabei insgesamt 907 strafrechtlich relevante Taten ergeben, wie das zuständige Polizeipräsidium Schwaben Süd/West am Dienstag meldete.

Der Versandhandel hat seinen Sitz im bayerischen Memmingen. Es handelt sich dabei um einen Online-shop. Vor zwei Jahren war er durch das Angebot eines Pullovers mit SS-Totenkopf aufgefallen. Dies hatte Ermittlungen der Memminger Staatsanwaltschaft und Kripo ausgelöst. Sie führten im Mai dieses Jahres zur Durchsuchung von acht Wohn- und Geschäftsräumen. Dabei stellte die Polizei über 23500 Tonträger, weitere digitale Daten, Nazi-Souvenirs und rassistische Propaganda sicher.

Der Memminger Onlineshop gilt als einer der deutschlandweit größten Versandhandel für nazistische Musik. Er ist nach wie vor aktiv und wird von einem 31-Jährigen geleitet, der mit den Einnahmen offenbar seinen Lebensunterhalt bestreitet. Dieser ist gleichtzeitig eine Führungsfigur der regionalen Skinhead-Gruppierung Voice of Anger (Stimme des Zorns). Sie hat ihre Schwerpunkte in Memmingen, dem nordöstlich davon gelegenen Krumbach und der Allgäuer Stadt Kempten. Die Polizei schätzt die Mitgliederzahl auf rund 85. Damit dürfte Voice of Anger die größte Skinhead-Gruppe in Bayern sein. Erkennungszeichen sind schwarze T-Shirts, Pullover oder Jacken mit dem Gruppensymbol und dem Schriftzug Voice of Anger. Die Polizei verweist auf verschiedene Aktivitäten. So würden Mitglieder bei Gefallenendenkmälern sogenannte Heldengedenkfeiern begehen. Es gebe gemeinsame Veranstaltungen. Wozu auch der Besuch von Skinhead-Konzerten gehöre. Strafrechtlich würde Voice of Anger nur gelegentlich auffallen. Es handele sich dann vor allem um Delikte im Bereich der Körperverletzung.

Bei den im Zusammenhang mit dem Onlineshop festgestellten Delikten geht es unter anderem um Volksverhetzung, das Zeigen verbotener NS-Symbole wie das Hakenkreuz, Gewaltverherrlichung, den Aufruf zu Straftaten, der Beschimpfung von Juden und Ähnlichem. Insgesamt hat die Polizei rund 280 Besteller von NS-Ware zur Vernehmung vorgeladen. Darüber hinaus wurden 13 Ermittlungsverfahren gegen weitere Personen eingeleitet.

Der 31-jährige Haupttäter betreibt zusammen mit einem weiteren Gesinnungsgenossen im Großraum der oberschwäbischen Stadt Laupheim eine Art Hinterhof-Tonstudio. Dies wurde im Zuge der Razzia im Mai auch durchsucht. Schon früher war die Laupheimer Gegend durch braune Aktivitäten aufgefallen. So hatte dort die Jugendorganisation der rechtsextremen NPD vor wenigen Jahren einige aktive Mitglieder.

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