Wieder legen Hochzeitsgruppen den Verkehr lahm - Polizei hat alle Hände voll zu tun

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Hochzeitsauto mit Dosen. Die Polizei in Deutschland hat immer wieder mit ausufernden Feiern von Hochzeitsgesellschaften und kriminell anmutendem Verhalten der Gäste zu tun. (Foto: Rainer Jensen/Symbol / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Digitalredakteur

Hinter der Polizei im Südwesten liegt ein ereignisreiches Wochenende - gleich zwei Mal mussten die Beamten mit einem Großaufgebot anrücken, da in Ludwigsburg und Baden-Baden Hochzeitsgesellschaften durch ihr Verhalten den Verkehr lahmlegten.

Ein größerer Autokorso hatte am Samstagnachmittag in Ludwigsburg den Verkehr in der Innenstadt zum Erliegen gebracht. Die Beamten hatten mehrere wild hupende Autofahrer einer türkischen Hochzeitsgesellschaft angetroffen, die mit durchdrehenden Reifen kurze Spurts hinlegten und dabei von Trommlern und einem Kameramann begleitet wurden. 

Nebeneffekt der Aktion: Der übrige Verkehr wurde dadurch so stark beeinträchtigt, dass es zu langen Staus und gar Stillstand kam. Auf ihr Fehlverhalten angesprochen, reagierten die Fahrer laut Polizei aggressiv und provokant und entfernten sich vom Ort des Geschehens. Insgesamt elf Streifenbesatzungen benachbarter Polizeireviere stoppten die Verantwortlichen. Die Fahrzeugkontrollen liefen allerdings aus dem Ruder, mehrere Polizeihunde mussten eingesetzt werden, da die Situation zu eskalieren drohte.

Für die, die das machen, ist es Imponiergehabe mit Autos, die ihnen möglicherweise auch gar nicht gehören. Damit will man zeigen, was man hat und wer man ist. 

Michael Mertens, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei

Auch in Baden-Baden sorgte eine Hochzeit am Sonntagnachmittag für Chaos. Über den Notruf hatten viele Anrufer über massive Verkehrsstörungen im Stadtbereich geklagt. Wie sich herausstellte, hatten mehrere der 500 Hochzeitsgäste ihre Fahrzeuge zum Teil auf der Straße geparkt. Die Folge waren verärgerte Passanten und Anwohner sowie Staus und Behinderungen im Straßenverkehr.

Nach gut zwei Stunden zog der Tross laut Polizei weiter, "wodurch sich auch die Verkehrsbeeinträchtigungen dorthin verlagerten", wie es die Polizei beschrieb.

Um die Situation in den Griff zu bekommen, mussten die Beamten durch weitere Polizisten benachbarter Reviere sowie Mitarbeitern des Gemeindevollzugsdienstes unterstützt werden. Etwa 50 Verfahren, alle durch Parkverstöße ausgelöst, mussten eingeleitet werden, auch ein Abschleppunternehmen war im Einsatz. Darüber hinaus kam es auch bei dieser Hochzeitsgesellschaft zu Behinderungen im fließenden Verkehr, beispielsweise durch lautes Hupen oder das Aufheulen der Motoren, so ein Sprecher der Polizei auf Nachfrage.

Immer wieder kommt es zu ausufernden Feiern

Erst vergangene Woche hatte eine Hochzeitsgruppe auf der A81 für Aufsehen gesorgt: Die Partygäste hatten absichtlich den Verkehr ausgebremst und auf der Autobahn zum Stillstand gebracht, um den Stau zu filmen. Die Polizei habe die Gruppe auf der Rastanlage Sindelfinger Wald anhalten und einer Kontrolle unterziehen können. „Das Blockieren der Autobahn ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und kann unter Umständen auch zu einer Haftstrafe führen“, so ein Polizeisprecher.

Immer wieder hat es die Polizei mit ausufernden Feiern zu tun. „Für die, die das machen, ist es Imponiergehabe mit Autos, die ihnen möglicherweise auch gar nicht gehören. Damit will man zeigen, was man hat und wer man ist“, so der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Michael Mertens, gegenüber der deutschen Presse Agentur.

Junge Männer definierten sich über dicke Autos und schlügen über die Stränge. „Wir müssen dem richtig konsequent den Riegel vorschieben und deutlich machen, dass dieses Verhalten auch zum Entzug des Führerscheins führen kann.“ 

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Baden-Württemberg, Ralf Kusterer, verglich die Situation mit einem bekannten Phänomen aus den vergangenen Jahren: „Wir kennen ähnliche Situationen von Autokorsos bei Fußballspielen. Allerdings dann in einer anderen Art.“

Laut Kusterer kann man in vielen Fällen nicht mehr von Ordnungswidrigkeiten sprechen. „Genauer gesagt handelt es sich um den Straftatbestand der Nötigung und einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.“

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