Wie Michael Blume über Nacht zu einem mehrfachen Lebensretter wurde

Lesedauer: 11 Min
Michael Blume ist auch der Antisemitismusbeauftragte des Landes.
Michael Blume ist auch der Antisemitismusbeauftragte des Landes. (Foto: Michael Scheyer / SZ)
Deutsche Presse-Agentur
Seit dem Jahr 2013 bittet die „Schwäbische Zeitung“ ihre Leser in der Advents- und Weihnachtszeit um Spenden für Menschen auf der Schattenseite des Lebens. 2013 und 2014 ging es um Kinderarmut, 2015 um die Hospiz- und Palliativversorgung. Diese Serie wurde mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet. Seit 2016 heißt das Thema: „Fluchtursachen bekämpfen, menschenwürdiges Leben ermöglichen.“

Die Spenden kommen der Hilfe für Menschen im Nordirak, ehrenamtlichen Initiativen und Caritas-und Diakonieprojekten zugute.

Die nächste Aktion beginnt im November 2019: Wenn Sie schon jetzt spenden wollen, wird Ihre Spende dem Ergebnis der Aktion 2019 zugerechnet.

Eine Spendenquittung wird auf Wunsch oder ab 200 Euro automatisch erstellt. Geben Sie hierfür bitte Ihren Namen und Ihre Adresse an sowie das Stichwort „ZWB“ im Verwendungszweck.

Spendenkonto:

Caritasverband der Diözese

Rottenburg-Stuttgart e. V.

Bank für Sozialwirtschaft Stuttgart

IBAN:

DE90 6012 0500 0001 7088 00

BIC: BFSWDE33STG

Stichwort: Helfen bringt Freude

Rund 1100 schutzbedürftige Jesidinnen holte Baden-Württemberg aus dem Nordirak nach Deutschland. Federführend zuständig für die gefährliche und wahrlich nicht alltägliche Aktion war er: Michael Blume.

Es war das härteste Jahr seines Lebens — aber auch das sinnvollste. Das jedenfalls sagt Michael Blume über die Zeit, als er im Auftrag der baden-württembergischen Landesregierung ein Sonderkontingent für rund 1100 Jesidinnen auf die Beine stellte.

Die besonders schutzbedürftigen Frauen und Kinder wurden vor allem im Jahr 2015 aus dem Nordirak nach Deutschland gebracht.

Mir war sofort klar, dass man nicht nein sagen, kann, wenn man gebeten wird, Menschenleben zu retten.

Michael Blume

Eine Frau unter ihnen hat es zur weltweiten Berühmtheit gebracht: Nadia Murad, die von IS-Kämpfern gefangen gehalten worden war, macht auf das Schicksal der Jesidinnen aufmerksam. 2018 bekam sie den Friedensnobelpreis.

Es war kurz vor Weihnachten 2014, als Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) seinen Referatsleiter Blume fragte, ob er so etwas machen würde, ein Sonderkontingent für Jesidinnen.

Kretschmann hatte Bilder von gepeinigten Jesiden gesehen und sich eine Hilfsaktion in den Kopf gesetzt. „Mir war sofort klar, dass man nicht nein sagen, kann, wenn man gebeten wird, Menschenleben zu retten“, erzählt Blume.

Ein folgenschweres Gespräch am Weihnachtsabend und eine Warnung des BND

Zunächst wollte er aber seine Frau Zehra fragen, die Muslimin ist. Das machte er an Weihnachten, als die drei Kinder im Bett waren. „Sie hat mir damals gesagt, wie sehr sie sich als Muslimin schämt für das, was der Islamische Staat im Namen ihrer Religion tut.“

Seine Frau sicherte ihm Unterstützung zu. Blume machte sich dran, ein Team von zwölf Leuten zusammenzustellen. „Ich habe nur 14 Leute fragen müssen. Nach einer Bedenkzeit von zwei Tagen haben fast alle gesagt: Ich bin dabei.“

Schwäbische hilft Vertriebenen im Irak

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit, die im Nordirak und in Nordsyrien lebt, und dort vom Terrorregime Islamischer Staat verfolgt, versklavt oder ermordet w.

Man versuchte, geheim zu arbeiten. Es gab gefährliche Situationen: Einmal warnte der Bundesnachrichtendienst (BND), der Islamische Staat (IS) sei ihnen auf den Fersen.

Die IS-Leute suchten aber in der falschen Stadt, wie Blume erzählt. „Da stand die Frage im Raum, ob wir die ganze Aktion abbrechen.“

Die Frage: Wer darf mit, wer muss bleiben?

Man entschied sich gegen einen Abbruch — und alles ging gut. „Alle sind heil zurückgekommen.“

Da liegen Sie als Chef nachts wach.

Michael Blume

Das Schwerste war für Blume nach eigenen Worten aber, im Nordirak die Entscheidungen zu treffen, wen man mitnehmen wollte nach Baden-Württemberg und wen man zurücklassen musste. „Da liegen Sie als Chef nachts wach.“

Die spätere Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad war eine der Frauen, die mit durften. Blume war noch im Irak, als Bilder von Murad im Fernsehen liefen, wie sie vor den Vereinten Nationen in New York redete. Blume spricht ehrfürchtig von ihr. „Sie ist eine sehr starke Frau.“

CDU-Mitglied, schwarzes Jackett, weißes Hemd, eine unscheinbare Brille und immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen: Blume kommt auf den ersten Blick wie ein unauffälliger Beamter rüber.

Seine Eltern stammten aus der DDR — sein Vater saß dort in Stasi-Haft und wurde von der Bundesrepublik freigekauft.

Engagement gegen Antisemitismus

Er selbst wurde in Filderstadt bei Stuttgart geboren und studierte Religions- und Politikwissenschaften in Tübingen und promovierte.

Eigentlich wollte Blume in der Wissenschaft bleiben, doch das Staatsministerium suchte Islam-Fachleute, um einen Dialog mit den vielen Muslimen im Südwesten aufzubauen. „Deshalb haben die mich damals geholt.“

Heute ist Blume 43 Jahre alt und Beauftragter der Landesregierung gegen Antisemitismus.

Die Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, Barbara Traub, sagt, Blume trage dazu bei, Antisemitismus besser zu verstehen. „Antisemitismus zu begegnen, ist weit mehr als die Abwehr von Straftaten. Es geht darum, die Absurdität antisemitischer Einstellungen, Denkmuster und Verhaltensweisen offenzulegen und so bearbeitbar zu machen.“

Blume habe das erkannt. „Sein Beitrag hierzu setzt nicht nur inhaltlich neue Maßstäbe, sondern entfaltet Wirkung flächendeckend im ganzen Land und weit darüber hinaus.“

Nebenbei hat Blume ein Bein in der Wissenschaft — er lehrt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), schreibt wissenschaftliche Bücher, hält Vorträge, ist viel unterwegs.

Der Trauma-Spezialist Jan Ilhan Kizilhan gehörte zum Blumes Team im Nordirak. Er charakterisiert Blume als jemanden, der sich nicht leicht demotivieren lasse.

Blume sei ein sensibler und einfühlsamer Mensch, der Menschlichkeit, Anerkennung, Respekt und Toleranz gegenüber jedem Menschen zeige — egal welcher Herkunft, Farbe oder Religion. „Er ist einer der wenigen Gläubigen und demokratischen Menschen, die echt sind in dem, was sie sagen und machen.“

Spendenaktion unterstützt Traumabehandlung Geflüchteter
Unter dem Motto „Helfen bringt Freude“ sammelt die Schwäbische Zeitung Spendengelder. Über 485.000 Euro sind bisher zusammengekommen. An diesem Wochenende wollen die Zeitungsmacher die halbe Million voll machen und bitten auch Sie um Hilfe. Das Geld fließt unter anderem in zwei Flüchtlingscamps im Nordirak, in denen 14000 heimatvertriebene Jesiden leben. Was die Gelder dort bewirken, das hat sich SZ-Redakteur Ludger Möllers angesehen.
Seit dem Jahr 2013 bittet die „Schwäbische Zeitung“ ihre Leser in der Advents- und Weihnachtszeit um Spenden für Menschen auf der Schattenseite des Lebens. 2013 und 2014 ging es um Kinderarmut, 2015 um die Hospiz- und Palliativversorgung. Diese Serie wurde mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet. Seit 2016 heißt das Thema: „Fluchtursachen bekämpfen, menschenwürdiges Leben ermöglichen.“

Die Spenden kommen der Hilfe für Menschen im Nordirak, ehrenamtlichen Initiativen und Caritas-und Diakonieprojekten zugute.

Die nächste Aktion beginnt im November 2019: Wenn Sie schon jetzt spenden wollen, wird Ihre Spende dem Ergebnis der Aktion 2019 zugerechnet.

Eine Spendenquittung wird auf Wunsch oder ab 200 Euro automatisch erstellt. Geben Sie hierfür bitte Ihren Namen und Ihre Adresse an sowie das Stichwort „ZWB“ im Verwendungszweck.

Spendenkonto:

Caritasverband der Diözese

Rottenburg-Stuttgart e. V.

Bank für Sozialwirtschaft Stuttgart

IBAN:

DE90 6012 0500 0001 7088 00

BIC: BFSWDE33STG

Stichwort: Helfen bringt Freude

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen