Wie Baden-Württemberg die Geburtshilfe verbessern will

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 Im Landkreis Sigmaringen soll eine Hebammenambulanz aufgebaut werden.
Im Landkreis Sigmaringen soll eine Hebammenambulanz aufgebaut werden. (Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa)
Schwäbische Zeitung

Um die Geburtshilfe in Baden-Württemberg weiter zu verbessern, hat der „Runde Tisch Geburtshilfe“ jetzt die Erprobung lokaler Gesundheitszentren beschlossen, in denen unterschiedliche Professionen und Fachgebiete eng miteinander zusammenarbeiten sollen. Durch die Vernetzung von Ärzten mit anderen Gesundheitsberufen, beispielsweise mit Hebammen oder Kinderpflegerinnen und Kinderpflegern, soll die Betreuung Schwangerer, Gebärender und Wöchnerinnen bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. 

150.000 Euro für die Standorte Sigmaringen und Bad Saulgau

Dies hat das Sozialministerium am Freitag mitgeteilt. Auf den entsprechenden Förderaufruf hatten sich eine Vielzahl an Gemeinden, Städten sowie Stadt- und Landkreise mit ihren Konzepten beworben. Erfolgreich war auch der Landkreis Sigmaringen: Hier soll ein Gesundheitszentrum mit geburtshilflichem Schwerpunkt an den Standorten Sigmaringen und Bad Saulgau aufgebaut werden. Dafür werden 150.000 Euro zur Verfügung gestellt. 

Ziel des Projektes sei laut Pressemitteilung der Aufbau eines lokalen Gesundheitszentrums, das ärztliche Dienste, Hebammendienste mit Kreißsaal, eine Hebammenambulanz inklusive Hausbesuchsdienst, soziale Dienste sowie Gesundheitsförderung beinhaltet. In Sigmaringen und Bad Saulgau sollen die geburtshilfliche Abteilung und das gynäkologische Versorgungszentrum der SRH Klinik durch eine Hebammenambulanz sowie die Angliederung der Frühen Hilfen erweitert werden. 

Telemedizin soll einbezogen werden

Das Projekt beinhaltet Programme zur Gesundheitsbildung, eine frühzeitige Einbindung sozialer Dienste, die Sicherstellung der aufsuchenden Wochenbettbetreuung sowie den Einbezug von Telemedizin. „Alle vier Vorhaben haben das Ziel, die flächendeckende Versorgung mit allen Angeboten der Geburtshilfe in Baden-Württemberg auf Dauer sicherzustellen“, so Staatssekretärin Bärbl Mielich am Freitag anlässlich der Bekanntgabe der geförderten Projekte. 

„Die Versorgung für werdende Mütter ist im Land sehr unterschiedlich, einige Regionen sind gut aufgestellt, andere sind unterversorgt. Mit dem Konzept der Gesundheitszentren für Geburtshilfe gehen wir einen neuen Weg, der sowohl für die Schwangeren als auch für Hebammen sowie Ärzte eine attraktive Alternative darstellen soll. Wir werden diese neue Versorgungsform mit dem Ziel evaluieren, diese bei positivem Ergebnis auch auf andere Regionen im Land zu übertragen.“

Landtagsabgeordnete lobt Programm

Auch Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden (Grüne) freut sich über den Zuschlag für den Landkreis Sigmaringen: „Die Hebammenambulanzen und Frühen Hilfen sind ein wichtiger Baustein zur Stärkung der Gesundheitsversorgung im Ländlichen Raum. Hier haben die Ärzte künftig besser die Möglichkeit, verzahnt mit den beteiligten Akteuren (z.B. soziale Dienste) zu arbeiten. Deshalb freue ich mich besonders über dieses finanzielle Engagement des Landes.“ Ähnliche Projekte sollen im Landkreis Reutlingen, im Ortenaukreis und in der Stadt Radolfzell realisiert werden. 

Teilnehmende des Runden Tischs sind die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen, der Hebammenverband BW, die Elternschaft, Frauen- und Kinderärzteschaft, der Landkreistag BW, die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft, die Landesärztekammer sowie Staatssekretärin Bärbl Mielich mit weiteren Vertretern des Ministeriums für Soziales und Integration.

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