Widerspruchslösung bei Organspenden im Südwesten umstritten

Lesedauer: 4 Min
Manfred Lucha
Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), Sozialminister von Baden-Württemberg. (Foto: Sebastian Gollnow/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Für seinen Vorschlag einer Widerspruchslösung beim Thema Organspende bekommt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) teils Rückenwind aus dem Südwesten. Kritiker sprechen dagegen von einer „Scheinlösung“ und haben einen alternativen Vorschlag.

Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha gehört zu den Befürwortern des Vorstoßes aus Berlin. „Ich persönlich würde die Widerspruchsregelung befürworten und mittragen“, erklärte der Grünen-Politiker am Montag in Stuttgart.

Widerspruchslösung bedeutet, dass jeder automatisch als Organspender gilt - außer man selbst oder Angehörige widersprechen. Bisher sind Entnahmen in Deutschland nur möglich, wenn jemand ausdrücklich zustimmt. Das Ziel einer Neuregelung ist, die Zahl der Organspender zu erhöhen.

Davon gebe es derzeit zu wenige, betonte Lucha. Das sei in europäischen Ländern anders, in denen ein Patient einer Organentnahme widersprechen müsse. Dort sei „die Zahl der Spender deutlich höher als in jenen (Ländern), in denen das Zustimmungsprinzip“ gelte. Lucha zufolge bleibt die Selbstbestimmung des Einzelnen auch durch eine Widerspruchsregelung gewahrt. Es wäre damit jedem Patienten oder dessen Angehörigen selbst überlassen, eine Spende auszuschließen.

Kritik an Spahns Vorschlag kommt aus der FDP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Deren gesundheitspolitischer Sprecher Jochen Haußmann erklärte: „Die Widerspruchslösung bei Organspenden ist eine Scheinlösung.“ Die Aussage, es gebe dadurch mehr Spenden, greife zu kurz. Vielmehr bestehe Handlungsbedarf in puncto Organisation und Finanzierung. „Die Rolle der Transplantationsbeauftragten und ihre Freistellung sind zu stärken und vor allem den Kliniken der tatsächliche Aufwand zu finanzieren.“

Um die Zahl der Organspender zu erhöhen, sprach sich Haußmann außerdem dafür aus, das Thema öfter ins Bewusstsein zu bringen. Derzeit werde ein Versicherter normalerweise einmal von seiner Krankenkasse über Organspenden informiert und dann um Zustimmung gebeten. Wenn man dann nicht reagiere und sich später nicht selbst mit dem Thema auseinandersetze, habe es sich damit erledigt, sagte Haußmann. „Das ist mehr ein Zufallsprinzip.“ Besser sei es, die Menschen in einem regelmäßigen Turnus, beispielsweise alle zwei oder drei Jahre, erneut um eine Zustimmung zur Spende zu bitten.

Laut Sozialministerium gibt es in Baden-Württemberg immer weniger Transplantationen. Die Zahlen seien in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. „Waren es 2008 noch 532, so hatten wir 2017 noch 301 Organtransplantationen“, erklärte das Ministerium. Das entspreche dem bundesweiten Trend. Das aktuelle Jahr lasse allerdings auf eine Wende hoffen. „In den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren es in Baden-Württemberg bereits 252 Transplantationen.“ Im Südwesten gibt es laut dem Ministerium 120 Entnahmekrankenhäuser. An fast allen seien Transplantationsbeauftragte.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen