Deutsche Presse-Agentur

Sie ist wohlgeformt, steht mit langen Beinen auf High Heels und trägt in ihrer Jackentasche eine Zeitung: Die „Bild“-Lilli“ ist die Vorgängerin der Barbie Puppe und das wertvollste Objekt der Mannheimer Schau „Werben und Verkaufen“. Die „Bild“-Zeitung verkaufte einst die Rechte an der Figur der Spielzeugfirma Mattel, die daraus Barbie schuf. Die Blondine aus Kunststoff ist eines von 2700 Objekten, die das Technoseum in seiner Ausstellung vom 7. November bis zum 1. Juni 2020 zeigt.

Die Schau spannt den Bogen von dem ältesten Objekt, einer Blechdose für Zwieback um 1900, über Werbeposter für den Urlaub im Badener Land aus dem Jahr 1910 bis zu Lastwagen im Miniformat mit sexistischem Aufdruck als Bierwerbung.

Die Ausstellung zeigt, wie sehr Werbung das Alltagsleben prägt. Selbst der traditionelle Weihnachtsbaum blieb von Werbung nicht verschont. Ein Exemplar mit Kugeln von Warsteiner und Coca-Cola gehört zu den Schätzen, die das Museum in seinem Bestand von 190 000 Objekten ausgegraben hat. Zur Kategorie bizarre Werbemittel zählt die Plüschmade im Chirurgenkostüm, die Larventherapien zur Wundbehandlung anbietet.

Die Besucher seien nicht nur zu einem nostalgischen Gang durch die Geschichte der Werbung eingeladen, sagte Museumsleiter Hartwig Lüdtke. Sie sollten sich auch mit der Kehrseite - stigmatisierender, ausgrenzender und frauenfeindlicher Inhalte und Wirkung von Werbung - auseinandersetzen. Als Beispiel dafür dient die Darstellung des für Schokolade werbenden Sarotti-Mohren als Keramik-Figur und Puppe. Der schwarze Mann in dienender Haltung als Emblem an der Bar eines Mannheimer Veranstaltungszentrums hatte für hitzige Diskussionen über Alltagsrassismus gesorgt.

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