Wenn Kinder und Jugendliche chatten: Chancen und Risiken

Lesedauer: 4 Min

Auf Kinder und Jugendliche übt die weite Welt des Internets eine besondere Anziehungskraft aus. Besonders reizvoll scheinen Chatrooms, in denen sich preiswerter als mit dem Handy kommunizieren lässt. Was ist ein Chat? Das englische Verb „to chat“ bedeutet plaudern oder schwatzen. Im Internet ist es eine schriftliche Unterhaltung. Das kann in offenen Foren auf einer Website oder im Dialog mit ausgesuchten Partnern über sogenannte Instant-Messengers geschehen. Bei der Messenger- Kommunikation bauen die Rechner der Teilnehmer eine direkte Verbindung auf. Was ist daran so faszinierend? „Kinder und Jugendliche können ohne Hemmschwellen anonym Kontakte knüpfen oder sich über Schulnöte und Konflikte mit den Eltern austauschen“, erklärt Katja Knierim von „jugendschutz.net“ in Mainz, der Zentralstelle für den Schutz von Minderjährigen in Telemedien. „Da ist es nicht wichtig, wie man aussieht und ob man im wahren Leben schüchtern ist“, sagt sie. „Der Reiz besteht darin, in andere Rollen zu schlüpfen und sich auszuprobieren.“ Dazu gehörten auch Flirtversuche, besonders am Anfang der Pubertät. Welche Gefahren lauern im Netz? „Kindern und Jugendlichen muss klar sein, dass Dinge, die ein Chatpartner erzählt, nicht gleich für voll genommen werden dürfen“, betont Knierim. „Gesundes Misstrauen“ sei angebracht. Denn Pädophile nutzten die Anonymität, um sich, mitunter als Jugendliche getarnt, an Minderjährige heranzumachen. Kinder sollten vor allem persönliche Daten für sich behalten: „Keinen vollen Namen nennen, kein Alter, keine Telefonnummer.“ Was sollten Kinder bei sexueller Anmache tun? „Den Dialog sofort abbrechen“, empfiehlt Knierim. „In manchen Chatrooms gibt es einen Notfall-Button, um einen Moderator herbeizurufen“, erklärt sie. Er kann das Gespräch oder Pornobilder speichern, um den Gesprächspartner zu sperren oder wegen sexueller Belästigung anzuzeigen. Sollten Kinder und Jugendliche ihre Internet-Freunde treffen? „Wir raten grundsätzlich von Treffen ab“, sagt die Expertin. „Denn das ist mit einem sehr hohen Risiko verbunden.“ Wenn die Neugier aber siegt, sollte das Kind auf jeden Fall einen Elternteil mitnehmen. Ansonsten empfiehlt sie Vorsichtsmaßnahmen wie im wirklichen Leben. „Bloß nicht zu Fremden ins Auto steigen oder sich in einer Wohnung treffen.“ Was können Chat-Anbieter tun? Nach Knierims Erfahrungen ist sexuelle Belästigung in großen Chaträumen, in denen die Betreiber nicht moderieren oder kontrollieren, „leider an der Tagesordnung“. Deshalb fordert „jugendschutz.net“ mehr Moderatoren, die durchgängig anwesend sind, intensivere Kontrolle bei der Anmeldung - beispielsweise Einverständniserklärung der Eltern - oder technische Verbesserungen wie automatisch installierte Barrieren, die unerwünschte Fremde fernhalten. Wie sollten sich Eltern verhalten? Eltern sollten sich um den Medienkonsum der Kinder kümmern und dafür Spielregeln aufstellen, meint Knierim. Kinder seien den Erwachsenen in der Mediennutzung zwar oft voraus. Die Eltern sollten sich aber von ihren Sprösslingen zeigen lassen, wo sie im Web unterwegs sind. Und die Erwachsenen sollten sich über kindgerechte Chat-Angebote informieren. Internet: www.jugendschutz.net; www.chatten-ohne-risiko.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen