Seit diesem Schuljahr haben die weiterführenden Schulen wieder das Recht, die nicht-verbindliche Empfehlung einzusehen.
Seit diesem Schuljahr haben die weiterführenden Schulen wieder das Recht, die nicht-verbindliche Empfehlung einzusehen. (Foto: dpa)
Landes-Korrespondentin

Zum aktuellen Schuljahr sind weniger Kinder als im Vorjahr aufs Gymnasium gewechselt – und das bei gestiegenen Schülerzahlen. Die Zahlen hat das Landesamt für Statistik am Freitag vorgelegt. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) erklärt die Trendumkehr damit, dass die Grundschulempfehlung wieder bei der weiterführenden Schule vorgelegt werden muss – und erntet dafür Gegenwind.

2011 übernahm die grün-rote Koalition die Regierungsgeschäfte im Land – und schaffte sehr schnell die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung ab. Sie diente nur noch als Orientierung für die Eltern – nur deren Wunsch zählte. Damit wollten Grüne und SPD den Bildungsaufstieg für alle Kinder erleichtern. Kein Schüler mit Realschulempfehlung sollte etwa an einem Gymnasium abgewiesen oder stigmatisiert werden. Die Regelung, die seit dem Schuljahr 2012/2013 galt, hat die grün-schwarze Nachfolgeregierung verändert.

Übergang besser gestalten

Seit diesem Schuljahr haben die weiterführenden Schulen wieder das Recht, die nicht-verbindliche Empfehlung einzusehen. Und das ist gut so, findet Ralph Lange, Rektor des Wieland-Gymnasiums in Biberach. Denn: „Vorher konnten wir den Übergang nicht gut gestalten.“ Niemand werde an seiner Schule diskriminiert, sagt Lange. Es gehe darum, die Kinder besser zu begleiten und fördern zu können.

Für Langes Schule gilt dasselbe wie für alle Schulen im Ländlichen Raum. Tendenziell ist die Zahl der Kinder, die trotz Gymnasialempfehlung eine Realschule besuchen, größer als umgekehrt. So sagt Lange denn auch: „In Biberach hat sich gefühlt nichts verändert“ – die allermeisten seiner Schüler hatten und haben weiter eine entsprechende Empfehlung. Neu ist seit diesem Jahr, dass Schulen den Eltern, die sich nicht an die Empfehlung halten, ein Beratungsgespräch anbieten können. „Gefühlt haben fast alle das Angebot angenommen“, sagt Lange. „Aber auch die, die eine Gymnasialempfehlung haben, sagen kurz ,Hallo‘.“ In den Städten ist der Ansturm auf die Gymnasien auch ohne entsprechende Empfehlung größer.

Von den mehr als 93 000 Schülern, die 2018 auf eine weiterführende Schule gewechselt sind, entschieden sich 43,3 Prozent fürs Gymnasium. Das sind fast ein Prozent weniger als im Vorjahr – obwohl die Schülerzahl insgesamt um 1,8 Prozent gestiegen ist. 88,5 Prozent der Fünftklässler an Gymnasien hatten eine passende Empfehlung und damit 1,3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „Das lässt den Schluss zu, dass die Beratungsgespräche und die verpflichtende Vorlage der Grundschulempfehlung bei dem einen oder anderen zu der Einschätzung geführt haben, dem Urteil der Grundschullehrkräfte mehr Vertrauen zu schenken“, erklärt Eisenmann dazu.

Die SPD weist das zurück. „Die verpflichtende Vorlage der Grundschulempfehlung ist Ergebnis einer Scheindebatte und reine Klientelpolitik der CDU“, erwidert Daniel Born, Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion. Die aktuellen Zahlen zeigten insgesamt stabile Entwicklungen zu den Vorjahren. Das zeigt deutlich, dass diese Änderung letztendlich nichts gebracht hat und unnötig war.“ Kritisch äußert sich Carsten Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats. Letztlich hänge es von der einzelnen Schule ab, wie diese mit Kindern ohne entsprechende Grundschulempfehlung umgehe, sagt er der „Schwäbischen Zeitung“. Aber: „Es gibt Eltern, die Sorge haben, dass ihre Kinder gleich das Etikett ,möglichst bald loswerden‘ bekommen.“

Abgesehen vom Gymnasium haben alle anderen Schularten leicht zugelegt: Auf die Realschule wechselten 34,9 Prozent (+0,7 Prozentpunkte), auf die Haupt- und Werkrealschulen 5,9 Prozent (+0,2), auf Gemeinschaftsschulen 12,8 Prozent (+0,3). Welche Empfehlung die Schüler dabei mitgebracht haben, hat sich an allen Schularten ebenfalls kaum verändert.

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