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Die meisten Experten gehen davon aus, dass ein Stoffstück vor Mund und Nase vor allem ein Fremd- und kein Selbstschutz ist. (Foto: Bernd Feil/M.i.S. via www.imago-images.de / imago)
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Deutsche Presse-Agentur

Nachdem die baden-württembergische Landesregierung den Mundschutz zur Pflicht erklärt hat, gibt es auch unter den Lesern von Schwäbische.de noch einige Fragen. Wir haben Antworten.

Zur Info für Bayern: Auch hier gilt ab Montag, 27. April, die Maskenpflicht für ÖPNV und Einzelhandel. Auch hier sind neben medizinischen Atemmasken selbstgebastelte Varianten sowie Schals und Tücher erlaubt. Bei Verstoß droht ein Bußgeld. Die Regelung gilt für Personen ab dem 7. Lebensjahr. Hier lesen Sie mehr zur Maskenpflicht in Bayern.

Fragen zu Baden-Württemberg

  • Wann gilt die Maskenpflicht?

Ab Montag, 27. April.

  • Wo gilt die Maskenpflicht?

In Geschäften beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen des öffentlichen Personenverkehrs. Die Maskenpflicht gilt nicht für Wochenmärkte.

  • Muss jeder eine Maske tragen?

Nicht, wenn es aus medizinischen oder sonstigen zwingenden Gründen unzumutbar ist, etwa bei Asthma oder wenn es behinderungsbedingt nicht möglich ist.

  • Müssen nur Kunden eine Maske tragen oder auch Busfahrer, Verkäuferinnen und Verkäufer?

Das Tragen einer Maske ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlichen Personennahverkehrs entbehrlich, falls effektive Schutzmaßnahmen vorhanden sind, wie etwa Trennvorrichtungen. Die Maskenpflicht gilt auch nicht für Verkäuferinnen und Verkäufer, wenn es einen anderen mindestens gleichwertigen baulichen Schutz gibt, etwa für Kassierer und Kassiererinnen, die hinter einer Plexiglasscheibe sitzen, die frontal zwischen Kunde und Angestellten aufgebaut ist und auch einen seitlichen Schutz gewährleistet.

  • Warum gilt die Maskenpflicht?

Da es auf Bundesebene keine Einigung zu diesem Thema gab, liegt die Entscheidung dazu bei den Ländern. Für Baden-Württemberg begründetet Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) die Entscheidung damit, dass sich bisher zu wenige Menschen im Land an die dringende Empfehlung zum Tragen von Masken halten würden. Die Maskenpflicht flankiert aber die Lockerung der bisherigen Einschränkungen im öffentlichen Leben. Sie gilt dort, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht immer verlässlich eingehalten werden kann. 

  • Muss der Mindestabstand von 1,5 Metern dennoch eingehalten werden?

In der Regel ja. Denn das gilt als eine der Basis-Maßnahmen zur Infektionsprävention. 

  • Wieso Maskenpflicht, wenn die Neuinfektionen gerade rückläufig sind?

Mit der Lockerung der Corona-Regeln sind wieder mehr Menschen auf den Straßen unterwegs. Es braucht mehr Schutz, damit es nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommt. Masken sind quasi eine Bedingung und Grundlage für die Lockerungen.

  • Wie lange gilt die Maskenpflicht?

Das kann noch keiner genau sagen. Kretschmann stimmte die Bürger aber auf eine eher lange Phase ein. „Wir bleiben immer in einer fragilen Situation, bis ein Impfstoff gefunden wird.“ Es gebe immer noch 400 Neuansteckungen im Südwesten täglich. Aus Sicht des Apothekerverbandes wird die Maskenpflicht so lange bestehen, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden wird. Man solle sich besser mit dem Tragen von Mundschutz im Alltag vertraut machen.

  • Welche Maske muss ich tragen?

Medizinischer Mundschutz ist natürlich gut, aber nicht verpflichtend. Selbstgebastelte Masken sind ebenso erlaubt wie Tücher und Schals. Hauptsache Mund und Nase sind bedeckt.

  • Woher bekomme ich eine Maske?

In Drogeriemärkten oder auch im Internet-Handel. Aber wie gesagt, medizinische Masken müssen es gar nicht sein. Denn die sollten ohnehin Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen vorbehalten bleiben, sagt Kretschmann. Vorgeschrieben werde nur eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung. „Die kann man sich auch selber machen“, sagte Kretschmann. „Notfalls tut es auch ein Schal.“

  • Was passiert bei einem Verstoß?

In der ersten Woche ab dem 27. April sind noch keine Strafen vorgesehen, damit sich alle auf die neue Regel einstellen können. Ab dem 4. Mai 2020 ist aber vorgesehen, ein Bußgeld zu erheben, wenn ein Verstoß gegen die Maskenpflicht festgestellt wird.

  • Gilt die Maskenpflicht auch an Schulen?

Nein. Die Maskenpflicht gilt nicht für Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts. Sollten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte dennoch eine Alltagsmaske oder eine Mund-Nasen-Bedeckung verwenden wollen, ist das nicht untersagt. Für die Fahrt zur Schule mit den öffentlichen Verkehrsmitteln besteht jedoch wieder die Maskenpflicht.

  • Müssen auch Kleinkinder Masken tragen?

Ja, aber erst Kinder ab 6 Jahren.

  • Wieso gibt es keine bundesweite Regelung?

Darauf konnten sich die Länder mit der Bundesregierung nicht einigen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten sich vergangene Woche nur darauf verständigt, das Tragen sogenannter Alltagsmasken in Bussen und Bahnen sowie im Einzelhandel dringend zu empfehlen. Einen Kommentar der "Schwäbischen Zeitung" dazu lesen Sie hier.

Allgemeine Fragen

  • Wen schützen die Masken?

Die meisten Experten gehen davon aus, dass ein Stoffstück vor Mund und Nase vor allem ein Fremd- und kein Selbstschutz ist. „Wenn zwei Leute einen Mundschutz tragen, sind beide geschützt“, sagt Lemmen. Bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus kann man nach derzeitigem Wissensstand bereits vor den ersten Symptomen merklich ansteckend sein. Außerdem gibt es auch Verläufe ganz ohne Symptome.

  • Wie ziehe ich die Maske richtig an und aus?

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät, sich vor dem Anziehen die Hände gründlich mit Seife zu waschen. Erreger, die man eventuell an den Händen trägt, können so nicht die Innenseite der Maske kontaminieren. Auch nach dem Ausziehen der Maske ist es ratsam, sich die Hände zu waschen, „selbst wenn die Chance, tatsächlich Virus an Maske oder Händen zu haben, angesichts der Zahl der Infizierten derzeit relativ gering ist“, sagt Sebastian Lemmen, Infektiologe an der Uniklinik Aachen.

  • Wie trage ich die Maske richtig?

Die Maske sollte Mund und Nase abdecken und eng an den Wangen anliegen, damit möglichst wenig Luft an den Seiten eindringen kann. Das BfArM rät, die Maske abzusetzen oder auszutauschen, wenn der Stoff durchfeuchtet ist.

  • Wie oft kann ich die Maske tragen?

Der selbstgemachte Schutz kann beliebig oft getragen werden, sagt Bernd Salzberger, Infektiologe am Universitätsklinikum Regensburg. Auch Lemmen sagt, die Maske regelmäßig zu wechseln, habe mehr ästhetische als gesundheitliche Gründe. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät allerdings, die Maske nach einmaligem Tragen zu reinigen.

  • Wie mache ich die Maske richtig sauber?

Die meisten Masken - jedenfalls die aus Stoff - können in die Waschmaschine gesteckt werden. Laut Lemmen reichen bereits 30 Grad und Waschmittel aus, um das Virus zu töten. Alternativ kann man die Maske auch mit einem heißen Bügeleisen bügeln oder in den warmen Ofen legen, wenn das Material das verträgt. ACHTUNG: Masken mit formbarem Nasenbügel aus Metall nicht in der Mikrowelle trocknen - erhöhte Brandgefahr.

  • Welcher Stoff eignet sich für eine Maske?

Die Maske soll dazu dienen, Tröpfchen abzufangen, die wir beim Sprechen, Lachen, Husten oder Niesen ausstoßen. Grundsätzlich gilt: Je dichter der Stoff, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Tröpfchen hindurchgelangen. Allerdings sollte man unter der Maske noch gut atmen können.

  • Helfen die Masken wirklich?

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) könnte das Tragen von Masken zu einer weiteren Verlangsamung der Ausbreitung beitragen. Abstands- und Hygieneregeln gelten aber auch, wenn Menschen eine Maske tragen. Der Stoff kann Schutz vor größeren Tröpfchen bieten und Schleimhautkontakt mit kontaminierten Händen verhindern.

Für die selbst gemachten Masken gibt es keine Normen, entsprechen gibt es keine nachgewiesene Schutzwirkung. Laut RKI filtern die selbstgemachten Masken in der Regel aber vermutlich weniger Tröpfchen als etwa der mehrlagige medizinische Mund-Nasen-Schutz.

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