Was die Leser der „Schwäbischen Zeitung“ mit ihrer Hilfe im Nordirak bewegen

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Helfen bringt Freude: Spenden helfen Flüchtlingen im Nordirak
Seit Ende November wird bei der Spendenaktion der „Schwäbischen Zeitung“ Geld gesammelt. Und das wirkt ganz konkret vor Ort. Zum Beispiel im Nordirak, wo Tausende leben, die vor Terror und Krieg geflüchtet sind.
Reporter "Seite Drei"

In diesen Tagen schaut Nawzad Martani öfter in die Gebrauchtwagenbörsen im Internet: Er sucht zwei Schulbusse, 24-Sitzer, gut erhalten. Wieder einmal.

„Vor einem Jahr habe ich zwei Wochen lang gesucht, verhandelt, angeschaut, die Fahrzeuge in Katar gefunden und nach Kurdistan geholt“, erinnert sich der 51-Jährige, „die Busse bringen heute Schülerinnen und Schüler aus dem Flüchtlingscamp Mam Rashan zu den höheren Schulen in den nächsten Städten.“

Martani, ein chaldäisch-katholischer Christ, der sein Geld als erfolgreicher Bauunternehmer mit 200 Angestellten in der nordirakischen Kurdenhauptstadt Erbil verdient, engagiert sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter für die Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“ der „Schwäbischen Zeitung“ und deren Kooperationspartner, der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen.

„Wir sind von Gott reich gesegnet und haben mehr, als wir brauchen, darum kann ich auch anderen Menschen, denen es nicht so gut geht, helfen.“ Demnächst wird Martani die nächsten beiden Schulbusse kaufen, um die Ziele der Weihnachtsspendenaktion mit einem Zwischenergebnis von 590 547,32 Euro möglichst zügig zu erreichen: „Die Busse sollen bald rollen, die Kinder brauchen Bildung. Jetzt.“

Das Leben von 12 000 Menschen deutlich verbessert

Dass Martani mit seinem Team die Projekte, die die Campleiter in den Flüchtlingscamps Mam Rashan und Sheikhan mit den deutschen Partnern in Essen und Ravensburg absprechen, zuverlässig und zum Selbstkostenpreis umsetzt, hat er seit 2016 bewiesen.

Die Menschen brauchen unsere Unterstützung, um grundlegende Bedürfnisse zu erfüllen.

Staatsministerin Theresa Schopper (Grüne)

Wohncontainer, ein Begegnungszentrum, zwei Fußballplätze, ein Spielplatz, Ladenzeilen und Gewächshäuser sind inzwischen entstanden und haben die Lebensverhältnisse für die insgesamt fast 12 000 Flüchtlinge – die meisten gehören der religiösen Minderheit der Jesiden an – entscheidend verbessert.

Die Infrastruktur-Schwerpunkte liegen auf Bildung, Arbeit und Sport. Außerdem wird mit den Spendengeldern die Arbeit von Therapeuten finanziert, die schwer traumatisierten Kindern und Frauen helfen. Im April hatten die baden-württembergische Staatsministerin Theresa Schopper (Grüne) und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) die Camps besucht.

„Die Menschen brauchen unsere Unterstützung, um grundlegende Bedürfnisse zu erfüllen, aber auch, um für ihr eigenes Leben wieder Perspektiven zu sehen und ihr Land wieder aufzubauen“, hatte Schopper anschließend gesagt.

Beim Aufbau des Landes will Martani mitwirken, der in Mossul studiert hat und anschließend sein Bauunternehmen gründete. Die Firma wuchs schnell: „Wir haben beispielsweise die erste Bank in Kurdistan gebaut“, sagt Martani. Heute betreibt er auch eines der größten Restaurants im Nahen Osten, außerdem gehören ihm mehrere Festsäle.

Hilfe für alle Notleidende

Doch was treibt einen erfolgreichen Unternehmer wie Martani an, sich in Flüchtlingscamps zu engagieren? Warum beschafft er Tausende Isomatten für syrische Flüchtlinge in den Camps Bardarash und Gavilan? Warum nutzt er seine geschäftlichen Kontakte, um beispielsweise für die Christen in der Ninive-Ebene einen gebrauchten Krankenwagen aufzutreiben, ebenfalls finanziert aus Spenden der Leserinnen und Leser der „Schwäbischen Zeitung“?

„Ich komme aus einer chaldäisch-katholischen Familie und bin so erzogen worden, dass wir Nächstenliebe leben“, begründet der Unternehmer, „und ich versuche, dies auch an meine vier Kinder weiterzugeben.“ Es sei für ihn, als Clan-Chef der Martani-Familie, selbstverständlich, sich nicht nur für Christen, sondern auch für Jesiden oder andere Notleidende zu engagieren: „Wir helfen ohne Ansehen der Herkunft, der Religion oder der Nationalität.“

Heute erinnert sich Martani an die Anfänge seine Engagements: „Mein Bruder, Thomas Shairzid, musste Anfang der 1990er-Jahre aus dem Irak fliehen, weil er sich in der politischen Opposition gegen den damaligen Machthaber Saddam Hussein, engagiert hatte.“

Nachdem Thomas Shairzid in Deutschland angekommen war und beruflich wie privat Fuß gefasst hatte, kam er zur Caritas-Flüchtlingshilfe Essen, wo er heute als ehrenamtlicher Irak-Beauftragter arbeitet und Ansprechpartner auch für die „Schwäbische Zeitung“ ist: „Und dann war klar, dass wir beide für unser Land zusammenarbeiten wollten: Thomas in Deutschland, ich hier in Kurdistan.“

Dass heute ein Netzwerk entstanden ist, in dem die Brüder, die Caritas-Flüchtlingshilfe Essen, der Diözesan-Caritasverband Rottenburg-Stuttgart, die Leserinnen und Leser der „Schwäbischen Zeitung“ und natürlich die Campleiter in Mam Rashan und Sheikhan, Shero Smo und Amer Abo, partnerschaftlich zusammenarbeiten, bezeichnet Martani als Glücksfall: „Ich fühle mich als Teil dieses Netzwerkes, das mich motiviert.“

In den kommenden Wochen wird Martani, der die Projektliste der Aktion „Helfen bringt Freude“ 2019 genau kennt, nicht nur die Suche nach den beiden Schulbusse intensivieren. „Den Abschluss der Verhandlungen führe ich dann selbst“, betont er.

Martani wird auch die Planung für den Garten, der Frauen in Mam Rashan Erholung und Abwechslung bringen soll, übernehmen und sich um den Bau des Volleyballplatzes kümmern: „Hier will ich auch meine Geschäftspartner bitten, mir zu helfen.“

Besonders freut sich Martani auf die Leckereien, die die Frauen in der neuen Bäckerei in Sheikhan auftischen: „Zum kurdischen Neujahrsfest Newroz am 21. März, werden wir hoffentlich die Eröffnung feiern können!"

Seit dem Jahr 2013 bittet die „Schwäbische Zeitung“ ihre Leser in der Advents- und Weihnachtszeit um Spenden für Menschen auf der Schattenseite des Lebens. Im Video erklären wir, wo die Spenden eingesetzt werden.
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