Warum die baden-württembergische Wirtschaftsministerin für Investitionen in Afrika wirbt

Lesedauer: 5 Min
29.05.2018, Baden-Württemberg, Durban: Der Hafen der süafrikanischen Stadt Durban, aufgenommen aus einem Flugzeug. Bei einer fün
29.05.2018, Baden-Württemberg, Durban: Der Hafen der süafrikanischen Stadt Durban, aufgenommen aus einem Flugzeug. Bei einer fünftägigen Afrika-Reise lotet Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut (CDU) die Möglichkeiten für heimische Unternehmen auf dem Kontinent aus. Die Tour beginnt im südafrikanischen Durban. (zu dpa: "Ministerin lotet Chancen für Unternehmen in Afrika aus") (Foto: Rald Krüger)
Ralf E. Krüger

Die Chinesen sind längst da, die Inder auch, die Russen wieder – und nun will auch Baden-Württemberg Flagge zeigen auf dem afrikanischen Kontinent. Mit ihrer jüngsten Delegationsreise will Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) mehr heimische Unternehmen für ein Engagement in Afrika begeistern.

Nur wenige Tage nach der Berliner Afrikakonferenz „Compact with Africa“ will Hoffmeister-Kraut für eine Weltregion werben, die bisher aus deutscher Sicht nur am Rande eine Rolle spielt. „Wenn du wissen willst, wie die Geschäfte auf dem Markt laufen, musst du dort hingehen“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Berliner Wirtschaftskonferenz ein afrikanisches Sprichwort zitiert. Die Ministerin aus Baden-Württemberg beherzigt es nun.

Hoffmeister-Kraut startete ihre Reise in einer Region, die symbolhaft für den angestrebten Aufbruch steht. Obwohl sich Südafrikas Wirtschaft nach einem Niedergang während der Amtszeit des damaligen Präsidenten Jacob Zuma nur langsam erholt, stehen in der Hafenstadt Durban die Zeichen auf Umbruch. Im Oktober wurde dort die erste Smartphone-Produktionsstätte Südafrikas eröffnet. Die Mara-Gruppe will ihre Mobiltelefone zu erschwinglichen Preisen anbieten, die Jahresproduktion ist auf 1,2 Millionen Geräte angelegt. Damit ist Mara ein Nischenplayer, doch ist das „Smartphone made in Africa“ ein symbolträchtiger Aufbruch in eine neue Ära.

Weltweit größte Freihandelszone

Denn der Kontinent gilt als dynamische Wachstumsregion mit hohem Potenzial. Trotz arger Geburtswehen entsteht dort gerade die weltgrößte Freihandelszone für 1,2 Milliarden Menschen und mit einem Gesamt-Bruttoinlandsprodukt von zwei Billionen Euro; es ist einer der letzten unerschlossenen Märkte der Welt. In vielen Ländern des Kontinents herrscht eine hohe Dynamik, der Bedarf am Ausbau der Infrastruktur, an hochwertigen Maschinen und an beruflicher Qualifikation wächst. Die CDU-Politikerin nennt Afrika mit seiner überwiegend jungen Bevölkerung daher auch einen „Zukunftskontinent“.

Partnerschaft mit KwaZulu-Natal

Zum Auftakt ihrer jüngsten Afrikareise betonte Hoffmeister-Kraut erneut die Chancen auch für kleine und mittlere Unternehmen aus ihrem Bundesland: „Wir wollen uns stärker als bisher in Afrika engagieren“, sagte sie in Durban. Noch sichtlich gezeichnet von den Strapazen des Langstreckenfluges machte sie direkt nach der Ankunft klar, dass jetzt der Zeitpunkt sei, um die Investitionschancen zu ergreifen.

Baden-Württemberg ist seit Mitte der 1990er-Jahre mit der wirtschaftsstarken Provinz KwaZulu-Natal partnerschaftlich verbandelt, in der auch Durban liegt. Afrikas größter Hafen ist auch ein wichtiger Industriestandort: Toyota etwa baut dort Autos. Auch MAN Truck & Bus ist präsent. Der Kap-Staat gilt als eine Art Testmarkt für Autohersteller aus aller Welt, darunter BMW, Mercedes, Ford oder Nissan, aber auch chinesische oder indische Hersteller.

Rund 20 Prozent der großen Automobilzulieferer Südafrikas sind in KwaZulu-Natal angesiedelt – sie tragen gut 600 Millionen Euro zur Wertschöpfung des Landes bei. Ziel ist es, bis zum Jahr 2035 knapp 1,5Millionen Fahrzeuge dort produzieren zu lassen.

Doch noch sind die Anfänge bescheiden – auch für die baden-württembergische Wirtschaft. Afrika spielt für sie bisher eine untergeordnete Rolle. Hoffmeister-Kraut will das ändern. Eine Studie hatte Südafrika, Nigeria, Äthiopien, Mosambik, Ghana und Kenia als besonders interessant für baden-württembergische Firmen identifiziert. Ihr Ziel ist die Schaffung eines Netzwerkes, in dem interessierte Unternehmen für jede Region Ansprechpartner finden können, die dort schon Erfahrungen gemacht haben und sich auskennen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen