Warnung vor schwerem Sturm in der Nacht auf Montag - Experte: „Das wird gefährlich“

Lesedauer: 11 Min
Ein umgestürzter Baum auf der Straße
Stürmisch ist die Nacht von Montag auf Dienstag gewesen. 20 Mal rückten die Feuerwehren im Ostalbkreis aus. Der Grund waren vor allem umgestürzte Bäume, die auf der Straße landeten. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Schwäbische Zeitung
Christian Schellenberger
Digitalredakteur
Leiter Digitalredaktion

In Deutschland, insbesondere in Süddeutschland, droht in der Nacht zum Montag ein Unwetter, möglicherweise mit Auswirkungen auf den Straßen- und Bahnverkehr und der Gefahr erheblicher Sturmschäden.

"Die maximalen Windgeschwindigkeiten in der Region werden über jenen des Sturms Petra liegen", sagte Roland Roth, Meteorologe der Wetterwarte Süd, am Freitag zu Schwäbische.de.

Auch Andreas Friedrich, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) macht in der Deutschen Presse-Agentur (dpa) unmissverständlich kar: "Das wird gefährlich."

Winterorkan, aber kein "Monsterorkan"

Dennoch solle man nun nicht panisch reagieren: "Man muss die Bevölkerung entsprechend warnen, aber von einem Horror- oder Monsterorkan kann nicht die Rede sein", so Friedrich weiter.

Sturmtief Sabine sei ein Winterorkan wie er etwa alle zwei Jahre vorkomme, aber kein "Rekordsturm". So stark wie Kyrill (2007) oder Lothar (1999) werde Sabine nicht.

Sturm Petra hatte in der Nacht zum Montag mit Windgeschwindigkeiten bis zu 105 Stundenkilometer für Hunderte Feuerwehreinsätze in Baden-Württemberg gesorgt.

Doch wie verhält man sich bei einem schweren Sturm richtig?

Das Wichtigste im Überblick:

Wie soll sich die Wetterlage entwickeln?

Meteorologe Roland Roth rechnet ab Sonntagabend mit stetig steigenden Windgeschwindigkeiten. Der Höhepunkt des kommenden Sturms dürfte in der Region am Montag zwischen 6 und 18 Uhr erreicht werden.

In exponierten Lagen - zum Beispiel in Horgenzell, auf der Atzenberger Höhe oder auf dem Höchsten - könnten Windgeschwindigkeiten zwischen 80 und 115 Stundenkilometer erreicht werden. "Das ist ein orkanartiger Sturm, teilweise ein richtiger Orkan", erklärt Roth.

Der Bodenseekreis, die Kreise Sigmaringen, Biberach und Ravensburg liegen wahrscheinlich mitten im Zentrum des Sturmtiefs.

Das ist ein orkanartiger Sturm, teilweise ein richtiger Orkan.

Roland Roth, Wetterexperte

Bei solchen Windgeschwindigkeiten können laut dem Meteorologen unter anderem Bäume entwurzelt werden oder Äste herabstürzen. Roth erwartet deshalb unter anderem Verkehrsbehinderungen: "Größere Schäden als beim Sturm Petra sind wahrscheinlich."

Zusätzlich zum Sturm kann es örtlich heftige Regenfälle geben, in höheren Lagen auch als Schnee.

Der Straßen- und Bahnverkehr im ganzen Land wird aller Voraussicht nach stark beeinträchtigt: „Am Montagmorgen wird es zum Teil zu massiven Verkehrsbehinderungen kommen“, sagte DWD-Experte Friedrich.

Besonders brisant: Dauer des Sturms

Das Besondere am heraufziehenden Unwetter ist die Dauer des Sturms. Zwar dürfte das meiste am Montagabend vorüber sein - insgesamt soll es aber auch am Dienstag stürmisch bleiben. "Das geht über zwei Tage hinweg", so Roth.

An den Küsten und in den Bergen sind in der Nacht auf Montag laut Deutschem Wetterdienst DWD sogar „volle Orkanböen“ mit Geschwindigkeiten von 118 Stundenkilometer und mehr zu erwarten, in den tieferen Bereichen orkanartige Böen zwischen 103 und 118 Stundenkilometer. 

Laut DWD steht „schwere Sturmlage“ bis einschließlich Dienstag „nicht nur uns in Deutschland ins Haus“. Vor allem auch Großbritannien, Irland, Nordfrankreich, Benelux und Dänemark dürften betroffen sein.

Bis zum Wochenende soll das Wetter noch vergleichsweise gemütlich bleiben. Am Freitag mit Höchstwerten zwischen 2 und 10 Grad, am Samstag zwischen 4 und 11 Grad.

Ist die Kachelmann-Warnung berechtigt?

Kachelmann hat vor einigen Tagen ein Wettermodell verbreitet, wonach ein extrem heftiger Sturm am Wochenende für die Insel Sylt gefährlich werden könnte.

"Wenn es so käme, braucht Sylt einen neuen Strand", schrieb er auf Twitter. Doch der bekannte Wetterexperte machte sogleich deutlich, dass diese Prognose sehr unsicher sei. 

Das sieht auch Schwäbische.de-Wetterexperte Roland Roth so. "Das ist halt Kachelmann, es geht ihm um Aufmerksamkeit", so Roth. Er weist darauf hin, dass eine genaue Prognose zur Heftigkeit eines Unwetters so viele Tage vor dem Ereignis kaum möglich sei.

Außerdem würden die meisten anerkannten Wettermodelle von einem moderateren Verlauf des kommenden Sturms ausgehen.

Gänzlich unmöglich sei die Kachelmann-Prognose aber nicht. Und auch die aktuellen Sturmprognosen könnten sich - Stand Freitag - theoretisch nochmal ändern.

Wie kann man sich vorbereiten?

Gegenstände im Freien sollten in Sicherheit gebracht werden, Autos nicht unter Bäumen stehen, damit sie nicht von heruntergewehten Ästen beschädigt werden.

Bei erwarteten Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern können umherfliegende Gegenstände zur tödlichen Gefahr werden.

Da auch Straßen durch Bäume blockiert und Dachziegel heruntergeschleudert werden könnten, „sollte auf Autofahren vielleicht sogar ganz verzichtet werden“, sagte DWD-Sprecher Friedrich. Aktuelle Unwetterwarnungen veröffentlicht der DWD auf seiner Webseite.

Aktuelle Unwetter-Gefahren

Zudem kann es sinnvoll sein, die Katastrophenschutz-Apps „Nina“ oder „Katwarn“ auf seinem Smartphone zu installieren. Dort warnen die Behörden immer wieder auch vor Unwettern und geben Verhaltensempfehlungen.

Der Funktionsumfang der beiden Apps ist nahezu identisch. „Katwarn“ enthält jedoch auch Warnmeldungen für Österreich, was die App für Grenzgänger interessant macht. (Mehr zu den Katastrophenschutz-Apps lesen Sie hier.

Wo kann man Schutz suchen?

In einer Stadt können öffentliche Gebäude, U-Bahn-Stationen oder auch Bushäuschen Schutz bieten. Parks und freie Flächen sind unsicher, bei heftigen Stürmen sind große Hallen ebenfalls nicht empfehlenswert. 

Unwetter unter freiem Himmel - was tun?

Es sollte schnellstmöglich ein Unterschlupf gesucht werden. Fußgänger sind vor Sturm geschützter, wenn sie nah an Häuserwänden vorbeigehen. Herunterfallende Dachziegel, Fassadenteile oder andere Bauteile können allerdings gefährlich werden.

Daher solle man sich immer mit Vorsicht fortbewegen, rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Hohe Türme, Masten, Überlandleitungen sollten auf jeden Fall gemieden werden. Notfalls in ein Taxi steigen: Im Auto ist man zumindest vor Blitzeinschlägen sicher.

Was macht Bäume so gefährlich?

Bei Sturm und Gewitter sollten Bäume gemieden werden. Sie können umknicken oder Äste brechen ab. Die häufigste Ursache für umknickende Bäume oder aus der Krone brechende Äste ist der Wind - vor allem,  wenn diese schon morsch oder faul sind.

Nach einem schweren Sturm oder Gewitter hängen häufig noch viele losgebrochene Äste in den Baumkronen, oder es stehen Bäume schief, die nicht ganz entwurzelt wurden. Diese Äste oder eben ganze Bäume können schon bei leichtem Wind unvermittelt herabfallen. 

Wegen Unwetter von Arbeit fernbleiben?

Jeder Arbeitnehmer ist verpflichtet, pünktlich auf der Arbeitsstelle zu erscheinen. Drohen Unwetter, so muss er für den Weg mehr Zeit einplanen. Bei einem Sturm, vor dem im Voraus gewarnt wird, kann jedoch laut Wetter Online eine begründete Arbeitsverhinderung vorliegen.

Dann könne der Arbeitnehmer zu Hause bleiben, habe allerdings keinen Anspruch auf Vergütung. Der Arbeitgeber kann dann also den Lohn einbehalten oder aber von seinem Mitarbeiter verlangen, dass dieser die ausgefallene Arbeitszeit nachholt.  

Müssen Kinder zur Schule?

Ein schwerer Sturm kann ein zwingender Grund dafür sein, vom Unterricht fernzubleiben. Sofern nicht von den Behörden ein Unterrichtsausfall angekündigt wird, müssen die Eltern selbst entscheiden, ob sie ihren Kindern den Weg zur Schule zumuten. Ist das nicht der Fall, muss die Schule informiert werden.

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