Würth unterstützt Betriebsratsgründung in Kerngesellschaft

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Adolf Würth GmbH & Co. KG
Das Firmenlogo des Spezialisten für Montage und Befestigungsmaterial, Adolf Würth GmbH & Co. (Foto: Daniel Maurer/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Gründung eines Betriebsrates bei der Muttergesellschaft der Würth-Gruppe bekommt Unterstützung von ganz oben. „Die Familie Würth steht zu 100 Prozent dahinter“, sagte Firmenchef Robert Friedmann am Mittwoch am Rande der Bilanzpressekonferenz in Schwäbisch Hall. Nach 36 Jahren könnte die Adolf Würth GmbH & Co KG mit ihren knapp 7200 Beschäftigten einen Betriebsrat mit seinen gesetzlichen Rechten und Pflichten bekommen. Bislang wurden die Mitarbeiter durch einen Vertrauensrat vertreten.

Ein echtes Vetorecht hätte die Familie nicht gehabt. Am Montag hatten vier Mitarbeiter das Unternehmen aufgefordert, eine Betriebsversammlung einzuberufen. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz der erste Schritt zu einer Betriebsratswahl. Die Betriebsversammlung soll nun am 3. Juni stattfinden, dort wird der Wahlvorstand gewählt, der die Betriebsratswahl organisiert.

Weltweit arbeiten gut 77 000 Menschen für den Konzern, ein knappes Drittel davon in Deutschland. Bei der Bezahlung orientiert sich Würth nach eigenen Angaben an Tarifverträgen der IG Metall. Friedmann erklärte: In fast allen der 130 deutschen Firmen der Würth-Gruppe gebe es eine Mitarbeitervertretung - allerdings zählt er dazu auch Vertrauensräte.

Einigen Initiatoren ist das zu wenig. Der Vertrauensrat habe keine gesetzliche Grundlage und man könne sich auf ihn nicht verlassen, kritisiert die eine der beiden Gruppen, die sich für einen Betriebsrat stark macht.

Der Konzern hatte zuletzt einen der Initiatoren, Daniel Hurlebaus, entlassen. Das Unternehmen wirft ihm nach eigenen Angaben einen schweren datenschutzrechtlichen Verstoß vor. Hurlebaus habe in Mails an Mitarbeiter für die Initiative geworben und darin Links zu Videos verschickt, die mit einem sogenannten Tracking-System verbunden gewesen seien. Hurlebaus weist die Vorwürfe zurück. Der Streit geht nun vor das Arbeitsgericht.

Zudem betonte Hurlebaus, dass keinerlei parteipolitisches Engagement hinter der Initiative stecke. Dies bekräftigten auch seine anderen Mitstreiter. Hurlebaus ist in der AfD aktiv. Würth schrieb in einer Stellungnahme, dass aus den verschickten Links Verbindungen zur Arbeitnehmervertretung „Zentrum Automobil“ hervorgingen, die sich zum Ziel gesetzt habe, rechte Betriebsräte in Unternehmen zu fördern.

„Wir wollen in unserem Unternehmen ganz klar demokratische Werte leben“, betonte der Chef der Adolf Würth GmbH & Co KG, Norbert Heckmann. Nicht die Gruppe um Hurlebaus, sondern andere Mitarbeiter haben ihm zufolge nun den entscheidenden Schritt getan, und zur Einberufung einer Betriebsversammlung aufgerufen.

Die internen Querelen können die guten Ergebnisse der Würth-Gruppe nicht überlagern. Sowohl im In- als auch im Ausland konnte Würth zuletzt deutlich zulegen. Auch angesichts drohender Handels- und Zollkonflikte bleibt Firmenchef Friedmann optimistisch. Beim Umsatz rechnet er dieses Jahr erneut mit einem Plus im mittleren einstelligen Bereich, das operative Ergebnis soll sich ähnlich entwickeln. 2018 hatte Würth seine Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro gesteigert. Der Jahresüberschuss stieg auf 687 Millionen Euro nach 531 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Konzern ist mit dem Handel von Schrauben groß geworden, zuletzt boomte das Geschäft mit Elektrogeräten. Würth steckt viel Geld in den Ausbau digitaler Vertriebswege, will den klassischen Außendienst und seine Niederlassungen aber erhalten. Ein knappes Fünftel der Erlöse kommt inzwischen aus dem E-Business mit einer Wachstumsrate von zuletzt 24,6 Prozent. Den Bereich will Friedmann weiter ausbauen. Daneben hat Würth drei Niederlassungen eröffnet, wo die Kunden sechs Tage die Woche 24 Stunden einkaufen können.

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