Vorsitzender der türkischen Gemeinde: „Das heutige Urteil ist kein Schlussstrich“

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Gökay Sofuoglu
Gökay Sofuoglu (Foto: dpa)
Landes-Korrespondentin

Im NSU-Prozess wurde die Hauptangeklagte Beate Zschäpe nun zu lebenslanger Haft verurteilt. Kara Ballarin hat darüber mit Gökay Sofuoglu gesprochen. Sofuoglu ist seit Mai 2014 Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland und Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg.

Herr Sofuoglu, wie beurteilen Sie die Urteile im Münchener NSU-Prozess?

Gökay Sofuoglu: Das sind gerechte Strafen. Ich finde, dass dieses Gericht seine Arbeit sehr gut gemacht hat. Beate Zschäpe hat die höchste Strafe bekommen. Es ist belegt, dass wir von einer terroristischen Organisation sprechen. Aber die besteht nicht nur aus diesen drei Personen. Hier muss noch mehr passieren.

Sie fordern weitere Ermittlungen, wie dies auch die Angehörigen der NSU-Opfern tun.

Ja, denn das Material, das das Münchener Gericht con der Bundesanwaltschaft bekommen hat, ist lückenhaft. Es gibt noch viele Informationen, viel Beweismaterial, das zum Teil geschreddert wurde. Die Aufklärungsarbeit muss fortgesetzt werden. Es gab mindestens 24 weitere Mittäter, auf die man gar nicht eingegangen ist.

Das heutige Urteil ist also kein Schlussstrich?

Nein, das ist kein Schlussstrich. Die Politik und die Justiz sind hier gefragt, vor allem die Bundesanwaltschaft, das Netzwerk aus Mittätern und Unterstützern des NSU zu finden. Mein Appell geht aber auch an die Journalisten, die nachforschen und aufklären. Es gibt noch viele Stellen, die man anbohren und Beweismittel ans Tageslicht bringen kann.

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