Volkshochschulen boykottieren Landesbeirat

Lesedauer: 4 Min
„Nicht nachvollziehbar“: Susanne Eisenmann.
„Nicht nachvollziehbar“: Susanne Eisenmann. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung
Landes-Korrespondentin

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) startet mit vier weiteren Landesministerien und 23 Verbänden am Mittwoch in Stuttgart-Fellbach einen Landesbeirat für Alphabetisierung und Grundbildung. An diesem ersten Grundbildungstag sind unter anderem Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Bildungsorganisationen und die Landeszentrale für politische Bildung dabei. Der Volkshochschulverband und die Kirchliche Landesarbeitsgemeinschaft (Kilag) für Erwachsenenbildung verweigern indes ihre Teilnahme.

Es geht ums Geld. „Selbstverständlich sind und bleiben die Volkshochschulen als größter Träger engagiert beim Thema Alphabetisierung und Grundbildung“, teilte Verbandsdirektor Hermann Huba mit. „Wir meinen aber, dass es nicht zusammen passt, von anderen Verpflichtungen zu fordern, ohne die eigenen zu werfüllen.“ Ähnlich äußerte sich Pastor Wilfried Röcker, Vorsitzender der Kilag. Die beiden kritisieren, dass das Land seine Förderung der Allgemeinen Weiterbildung noch immer nicht auf das Niveau des Bundesdurchschnitts angehoben hat. Das Land zahlt dafür 2017 laut Kultusministerium insgesamt 22,5 Millionen Euro an die Volkshochschulen, die kirchlichen Bildungswerke und weitere kleinere Träger der Weiterbildung. Laut Huba fehlen der VHS damit weitere fünf, der Kilag weitere zwei Millionen Euro jährlich.

Kultusministerin widerspricht

„Der Boykott des VHS-Landesverbands ist nicht nachvollziehbar“, sagt hingegen Kultusministerin Eisenmann der „Schwäbischen Zeitung“. „Hier werden das wichtige Ziel der Alphabetisierung und eigene Interessen, die damit nichts zu tun haben, miteinander vermischt.“ Der 2015 geschlossene Weiterbildungspakt sehe vor, dass die Landesförderung bis 2020 angehoben werde. „Es gibt also keinen Grund zur Panik und für eine solche Aktion, die im Zweifel die Falschen trifft, nämlich die Menschen, die dringend Lesen und Schreiben lernen müssen“, so Eisenmann weiter. Qualitätssicherung an den Schulen und eine stabile Lehrerversorgung stellten massive Herausforderungen dar, für die vornehmlich Mittel fließen müssten. Das Budget für die Weiterbildung bleibe stabil, das Ziel der Anhebung bis 2020 werde eingehalten. Entsprechendes hatte Eisenmann in einem Brief Ende August an Huba erklärt.

Huba wertet es indes als Missachtung, dass im Doppelhaushalt 2018/2019 keine Erhöhung der Förderung eingeplant ist. „Solange das Vereinbarte nicht eingehalten wird und uns Mittel fehlen, werden wir nicht Teil einer neuen Vereinbarung.“ Ähnlich argumentiert Kilag-Chef Röcker. „Die Nichterhöhung der Grundförderung sowie die de facto Reduzierung 2017 um 0,33 Euro pro Unterrichtseinheiten, passen nicht zur Übernahme von zusätzlichen Aufgaben vom Land.“

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen