Vermeintliche Betrugsfalle: Wie gefährlich ist es, die Jahreszahl 2020 in Verträgen abzukürzen?

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Handwritten text Happy New Year 2020
Mögliche Betrugsmasche: Wer die Jahreszahl "2020" abkürzt, könnte Opfer von Kriminellen werden. (Foto: Colourbox)
Christian Schellenberger
Digitalredakteur

Vielfach wird im Netz davor gewarnt, Betrüger könnten die abgekürzte Jahreszahl für ihre Zwecke nutzen. Doch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beschwichtigt.

Wer Veträge abschließt, muss sie in aller Regel mit Datum und Unterschrift versehen. Genau hier besteht in diesem Jahr eine Möglichkeit zur Manipulation.

Wer die Jahreszahl beim Datum nicht ausschreibt ("2020"), sondern mit zwei Ziffern abkürzt ("20"), könne Opfer von Betrügern werden. So ist es in zahlreichen Warnungen zu lesen, die seit Jahresbeginn über Social-Media-Kanäle und Nachrichtenseiten verbreitet werden. 

Warnung kommt aus Übersee

Der Ursprung der Warnungen liegt in den USA. Eine der ersten Seiten, die diese Warnung verbreitet hat, ist eine Anwaltskanzlei aus Ohio. Deren Facebook-Post wurde mittlerweile mehr als 63.000 Mal geteilt, unter anderem von Polizeibehörden.

Mittlerweile ist die Warnung in Deutschland angekommen. Doch wie groß ist die Gefahr, Betrugsopfer zu werden, wirklich? 

Tatsächlich gibt es bisher keinen bekannten Fall, in dem sich Betrüger diese Masche zunutze gemacht hätten - weder in den Vereinigten Staaten, noch hierzulande.

So sagte der Chef des Verbandes der Verbraucheranwälte, Ira Rheingold, dem Magazin "Slate.com", er wundere sich darüber, dass diese Warnung so eine große Aufmerksamkeit erreiche. „Es gibt viele Betrugsfälle, die mir mehr Sorgen bereiten“, so Rheingold. 

Ähnlich sieht es auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Laut deren Pressesprecher Niklaas Haskamp handele es sich bei der geschilderten Manipulation eher um eine theoretische Möglichkeit. Betrugsfälle seien den Verbraucherschützern bislang nicht bekannt. 

Da viele Verträge ausgedruckt oder in digitaler Form vorliegen, ist eine Fälschung aufwendig.

Niklaas Haskamp, Verbraucherzentrale

„Da viele Verträge ausgedruckt oder in digitaler Form vorliegen, ist eine Fälschung aufwendig, egal ob das Datum ausgeschrieben ist oder nicht“, teilt Haskamp mit.

Für eine Fälschung bedürfe es daher einer gewissen kriminellen Energie - mit der seien aber bereits bisher schon Fälschungen in Verträgen möglich gewesen. 

Vetragskopie aufbewahren

„Wer auf Nummer sicher gehen will, schreibt das Datum aus, insbesondere, wenn es handschriftlich eingetragen wird“, rät Haskamp dennoch. 

Verbraucher sollten außerdem immer eine Kopie des Vertrags aufbewahren, um im Zweifelsfall einen Nachweis in der Hand zu haben. 

Warum aber ist die Warnung vor gerade dieser Masche derzeit so populär? US-Verbraucherschützer Rheingold kann nur spekulieren.

Möglicherweise habe es etwas damit zu tun, dass die Masche so einfach zu verstehen ist, sagte er "Slate.com". Andere Betrugsmöglichkeiten seien da komplizierter und nur schwer in einem einzigen Facebook-Post zu erklären.

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