Verlegerin Thussi Drexler im Alter von 83 Jahren gestorben

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Verlegerin Thussi Drexler im Alter von 83 Jahren gestorben
Verlegerin Thussi Drexler im Alter von 83 Jahren gestorben (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
Rolf Waldvogel

„Mit ihrem liebenswerten Wesen hat die Verstorbene unser Unternehmen über Jahrzehnte hinweg geprägt.“ Ein Satz aus vielen Nachrufen, oft floskelhaft verwendet, nur so dahingesagt. Bei Thussi Drexler, die am vergangenen Samstag im Alter von 83 Jahren in Leutkirch starb, stimmt er. Der entwaffnende Charme der Altverlegerin der „Schwäbischen Zeitung“ wird unvergessen bleiben. Ihr verlegerisches Wirken allerdings auch.

Dass sie einmal eine große Rolle in der oberschwäbischen Zeitungslandschaft spielen sollte, war der Leutkircher Wirtstochter nicht in die Wiege gelegt. Durch die Heirat mit Max Drexler jun., dem Sohn und Erben von Max Drexler sen., der 1945 die „Schwäbische Zeitung“ mitbegründet hatte, kam sie zwar mit dem Zeitungsgeschäft in Berührung. Aber die entscheidende Zäsur brachte dann der Unfalltod ihres Mannes im Jahr 1974, in dessen Folge die Verantwortung in allen Bereichen auf die junge Frau überging. Sich hier innerhalb kurzer Zeit mit Verve eingearbeitet zu haben, gehört zu den großen Leistungen dieses Lebens.

Als Verlegerin wollte sie sich in ihrer typischen Bescheidenheit nie sehen. Da winkte sie immer ab. Aber sie war es, und sie war es dann gleich dreifach: als Gesellschafterin der einstigen Schwäbischer Verlag KG, später Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG, und an der Spitze zweier Lokalverlage, der Oberschwäbischen Verlagsanstalt Ravensburg sowie des Leutkircher Verlags Rud. Roth & Cie. KG. Dass sie sich auf diesen drei Feldern bewähren konnte, und das in einer aufregenden Zeit des medialen Wandels, sah sie vor allem als Glücksfall an. Sie habe gute Wegbegleiter gehabt, wurde sie nicht müde zu betonen. Aber der große verlegerische Erfolg war dann doch auch ihr selbst geschuldet, ihrer Weitsicht, ihrem Fleiß und auch ihrer Beharrlichkeit.

Noch heute wird in Kreisen ihrer einstigen Mitarbeiter – 80 waren es in Ravensburg, 50 in Leutkirch – voller Hochachtung von Thussi Drexler gesprochen. „Ihr seid halt meine Leut“, pflegte sie zu sagen, und da schwang eine Anteilnahme am Wohl und Wehe ihrer Angestellten mit, die über die Norm hinausging. Und diese zahlten es ihr in jahrzehntelanger Anhänglichkeit zurück. Die ersten Reaktionen auf ihren Tod zeugen von dieser Sympathie.

Als eine offizielle Repräsentantin der „Schwäbischen“ trat sie im Wirtschaftsleben Oberschwabens auf, und ihr Wort hatte Gewicht. Auch im Vorstand des CDU-Wirtschaftsrats saß sie über lange Jahre hinweg. Daneben aber war sie Grande Dame bei unzähligen Anlässen, hochinteressiert und stets offen für alle Themen, Garantin für ein geistreiches Gespräch allemal. Dass ihr oft der Schalk aus den Augen blitzte, machte einen Gutteil ihrer Ausstrahlung aus. Und ein gutes Herz hatte sie obendrein. Von ihrem Engagement auf kulturellem und sozialem Gebiet redete sie nicht viel, aber in der Region wusste man darum, und man war dankbar für die tatkräftige Hilfe.

In der letzten Zeit war es still um Thussi Drexler geworden. Immer seltener sah man sie mit ihrem Hund über die Leutkircher Wilhelmshöhe spazieren. Es gehe ihr nicht gut, hieß es, wenn die Leute fragten. Und es waren sehr viele, die fragten.

Thussi Drexler ist am Freitag beigesetzt worden.

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