Verhärtete Fronten bei Tarifgesprächen im Einzelhandel

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Deutsche Presse-Agentur

Im Tarifkonflikt des baden-württembergischen Einzelhandels sieht die Gewerkschaft Verdi die Arbeitgeber am Zug. „Es ist nun an der Zeit, dass die Arbeitgeber ihre Blockadehaltung aufgeben und ein für einen Abschluss geeignetes Angebot abgeben“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke in Stuttgart. Der Einzelhandel im Land profitiere von der anhaltend guten Konsumlaune der Verbraucher und sehe weiteren Umsatzsteigerungen im laufenden Jahr entgegen. „Es gibt keinen vernünftigen Grund, dass die Arbeitgeber den Beschäftigten die verdienten Erhöhungen ihrer Löhne und Gehälter weiter vorenthalten.“

Die Tarifverhandlungen für die etwa 490 000 Beschäftigten im baden-württembergischen Einzelhandel waren am 12. Juni ohne Ergebnis vertagt worden. Die Arbeitgeber hatten ihr Angebot etwas nachgebessert und wollen nun eine Lohnerhöhung von 1,7 Prozent im ersten und 1,2 Prozent im zweiten Jahr gewähren. Verdi wies das als zu niedrig zurück und blieb bei der bisherigen Forderung von 6,5 Prozent. Die Verhandlungen werden am 8. Juli fortgesetzt.

Um den Druck zu erhöhen, setzt die Gewerkschaft zunehmend auf Warnstreiks. Seit Mitte Mai gab es im Land in über 100 Betrieben Aktionen. An den jeweils eintägigen befristeten Ausständen beteiligten sich mehr als 10 000 Beschäftigte, wie Verdi mitteilte. „Für die Streiks haben wir als Verband kein Verständnis. Sie sind ein falsches Signal“, erklärte der Handelsverband Baden-Württemberg. „Streiks treffen vor allem die Verbraucher und gefährden Arbeitsplätze - und das in einer Zeit, in der der Handel in der größten Transformation seiner Geschichte steckt.“ Der klassische Einzelhandel leidet seit Jahren unter dem Trend zum Einkauf im Internet.

Verdi Fachbereich Handel

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