Bernd Saur
Der Vorsitzende des Philologenverbandes Bernd Saur. (Foto: Uwe Anspach/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Der Chef des Philologenverbandes Baden-Württemberg, Bernd Saur, hat mit seinem Plädoyer gegen eine „Pornografisierung“ des Schulunterrichts für Irritationen gesorgt.

Saur hatte im Magazin „Focus“ davor gewarnt, Kinder „nicht vertretbaren Übergriffen durch entfesselte, öffentlich komplett enttabuisierte Sexualpädagogen“ auszusetzen. Im Südwesten wird immer noch über die Reform der Bildungspläne gestritten, in denen das Kultusministerium die Toleranz gegenüber unter anderem sexueller Vielfalt verankern will. Am Wochenende gingen dagegen 1200 Menschen in Stuttgart auf die Straße.

In dem Beitrag schreibt der Gymnasiallehrer aus Ulm: „Themen wie Spermaschlucken, Dirty Talking, Oral- und Analverkehr und sonstige Sexualpraktiken inklusive Gruppensex-Konstellationen, Lieblingsstellung oder die wichtige Frage „Wie betreibt man einen Puff“ sollen in den Klassenzimmern diskutiert werden.“ Saur betonte aber, seine Kritik beziehe sich nicht auf Baden-Württemberg, sondern auf Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, wo „Gender-Sexualpädagogen, neoemanzipatorische Sexualforscher und andere postmoderne Entgrenzer“ Einfluss auf die Bildungsinhalte zu gewinnen drohten.

Zugleich betonte er, die Diskussion über Toleranz sexueller Vielfalt könne die Tür dazu öffnen, dass „solches Gedankengut“ Eingang in die Schulen finde. Er betonte, er lehne die Diskriminierung von nicht-heterosexuellen Menschen ab.

Der SPD-Bildungspolitiker Stefan Fulst-Blei sprach von „übelster Überspitzung“ und kritisierte, dass Saur die Themen aus ihrem möglicherweise pädagogischen Zusammenhang gerissen habe. So könne das Thema Spermaschlucken bei der Prävention in der Schule gegen Ansteckung mit dem HI-Virus eine Rolle spielen. Sexualpraktiken gerieten bei der Vermittlung von Wissen über Verhütung unweigerlich in den Fokus. Es stelle sich die Frage, wo und in welchem Umfang die Themen wie von Saur dargestellt in der Kategorie „Lust und Laster“ im Unterricht behandelt werden - „oder ob die Aufzählungen seiner Fantasie entsprungen sein könnten“.

Auch die Tatsache, dass sein Beitrag fast zeitgleich mit der „Demo für alle“ gegen den Bildungsplan im Südwesten erschienen sei, unterstreiche die Erklärungsnot, in die sich Saur manövriert habe. Dieser sagte dazu: „Ich habe mit der Demo nichts zu tun.“

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