Tuning-Treffen über Ostern am Bodensee verboten - Polizei hat Szene im Blick

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Immer wieder kontrolliert die Polizei schwerpunktmäßig getunte Fahrzeuge.
Immer wieder kontrolliert die Polizei schwerpunktmäßig getunte Fahrzeuge. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Mit steigenden Temperaturen beginnt auch wieder die Saison der Tuning- und PS-Fans — seit einigen Jahren beschäftigen sogenannte Autoposer die Polizei in manchen Städten Baden-Württembergs. Mit PS-starken beziehungsweise manipulierten Wagen treiben sie zum Beispiel in der Mannheimer Innenstadt ihr Unwesen, wie der Leiter der Verkehrspolizeidirektion, Dieter Schäfer, erklärte.

„Anhalten, Gas geben, Motoren aufheulen lassen — hier haben Poser die perfekte Bühne für ihre Kunststückchen.“ Denn die Terrassen der Cafés reichten direkt bis an den Straßenrand. Beginnend mit der ersten Schönwetterperiode würden sich Beamte daher wieder auf die Lauer legen — vor allem an Sommerabenden am Wochenende.

Das tut natürlich am meisten weh: Wenn das Auto an den Haken kommt, abgeschleppt wird. Dann ist der Abend gelaufen. Monika Ackermann von der Polizei Stuttgart

Die Stadt Singen im Kreis Konstanz geht zu Ostern weiter gegen Treffen der Tuning-Szene vor: Von Gründonnerstag bis Ostermontag seien im gesamten Stadtgebiet Ansammlungen von mehr als fünf getunten Fahrzeugen verboten, sagte ein Sprecher. Wer gegen die Verfügung verstoße, müsse mit einem Zwangsgeld von 150 Euro rechnen — und wenn das Treffen nicht innerhalb von 20 Minuten beendet werde, würden die Fahrzeuge abgeschleppt und beschlagnahmt.

Wieder herausgegeben würden die Autos frühestens ab Dienstag nach Ostern, teilte die Stadt mit. „Voraussetzung für die Herausgabe ist aber, dass das Auto in technischer Hinsicht am Straßenverkehr teilnehmen darf. Wer also Tuningteile ohne gültige Zulassung angebracht hat, der wird schlechte Karten haben, sein Auto auf den eigenen vier Rädern wieder nach Hause fahren zu dürfen.“

 Ein Polizist kontrolliert das Auto eines sogenannten Autoposers. Seit einigen Jahren beschäftigen Autoposer, die sich mit leist
Ein Polizist kontrolliert das Auto eines sogenannten Autoposers. Seit einigen Jahren beschäftigen Autoposer, die sich mit leistungsstarken oder einfach nur lauten Fahrzeugen Aufmerksamkeit verschaffen wollen, die Polizei in manchen Städten Baden-Württembergs verstärkt. (Foto: dpa)
Ein Fall für die Polizei: Diesen mit einer Goldfolie überzogenen Porsche haben die Beamten in Hamburg aus dem Verkehr gezogen
Ein Fall für die Polizei: Diesen mit einer Goldfolie überzogenen Porsche haben die Beamten in Hamburg aus dem Verkehr gezogen (Foto: Marius Roeer / DPA)

„Das tut natürlich am meisten weh: Wenn das Auto an den Haken kommt, abgeschleppt wird. Dann ist der Abend gelaufen“, so Monika Ackermann von der Polizei Stuttgart. Die Stadt versucht unter anderem mit Pollern oder der Ampelschaltung die bekannte Posermeile unattraktiv zu machen.

Speziell geschulte Polizeibeamte nehmen die Fahrzeuge unter die Lupe. Sie haben laut Innenministerium im vergangenen Jahr 217 Fahrzeuge der Poserszene wegen unzulässiger technischer Veränderungen sichergestellt — in Mannheim waren es 81.

„Autoposer“ werden zumeist junge Männer genannt, die ihre Wagen immer wieder laut aufheulen lassen. „Ihnen geht es um eines: Auffallen, Auffallen. Auffallen“, fasst es Dieter Schäfer von der Mannheimer Verkehrspolizei zusammen. Dort wurde 2016 die Ermittlungsgruppe „Poser“ gegründet — nach massiven Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigungen. Im vergangenen Jahr bestand sie aus fünf Beamten. Die Zahl werde ungefähr gleich bleiben, kündigte die Verkehrspolizei an.

Außerdem können sich Anwohner seit 2016 per E-Mail direkt beschweren. Fahrer, die an mindestens zwei Tagen auffallen, bekommen als Warnung eine Gelbe Karte zugeschickt. Die Maßnahmen haben nach Ansicht der Polizei ihre Wirkung gezeigt. So hätten sich unter anderem die Beschwerde-Mails der Anwohner 2018 gegenüber 2017 halbiert — von 650 auf 328.

Auch in Singen sei es deutlich ruhiger geworden, sagte der Sprecher der Stadt. Die Tuning-Szene hatte vor einiger Zeit für großen Ärger gesorgt. An einem Kreisverkehr im Industriegebiet hatten sich nach Angaben der Stadt zum Teil Hunderte Autofans auch aus dem weiteren Umland getroffen, manche kamen auch aus der Schweiz. Die Folgen: Müll auf den Parkplätzen, Lärmbelästigung und Sachbeschädigung.

„Im vergangenen Jahr war wenig bis gar nichts los. Unsere Maßnahmen haben gewirkt.“ Die Stadt hatte in den betroffenen Straßen am Wochenende eine 30er-Zone eingerichtet, zudem zeigte die Polizei viel Präsenz.

Poser und Tuning-Fans sind nicht mit Rasern gleichzusetzen. Es gebe zwar eine Schnittmenge, so Schäfer. Nur in einzelnen Fällen fielen die Poser in Mannheim aber durch Rasen oder illegale Autorennen auf. Auch in Stuttgart gebe es keine ausgeprägte Raserszene, teilte die Polizei mit. Posen ist laut Innenministerium ebenso wie Rasen kein flächendeckendes Problem in Baden-Württemberg.

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