Herbert Beck
Redaktionsleiter

Ganz am Anfang stand die Wut eines Schauspielerstars über die schreiende Ungerechtigkeit auf dieser Welt – unter dem Eindruck erschütternder Bilder aus Hungerlagern in Äthiopien und einer zeitgleich im Bundestag geführten Debatte über zusätzliche Mittel zur Beschaffung von Treibstoff für Bundeswehr-Kampfflugzeuge. Es folgte eine Fernsehwette, es folgte die Annäherung Karlheinz Böhms vor Ort an die Welt des Elends und der Hoffnungslosigkeit, an Menschen kurz vor dem Verdursten, dem Verhungern. Das war alles 1981. Daraus entwickelt hat sich die Geschichte des Mannes, der seine gut dotierten Bühnenverträge auslaufen ließ und mal stur, mal aufbrausend, mal mit Charme, vor allem aber mit viel Härte gegen sich selbst begann, in einem der ärmsten Länder dieser Welt seinen Kampf für bessere Lebensverhältnisse und für mehr Gerechtigkeit zu führen. „Menschen für Menschen“ nannte er seine Stiftung und seine Mission.

Längst sind die Stiftung und Karlheinz Böhm, der insbesondere in den Projektgebieten von den Menschen „Abbo“ (Vater) gerufen wird, zu einer Institution geworden, der die Menschen großes Vertrauen entgegenbringen. Denn Karlheinz Böhm und seine heutige Frau Almaz, die er in Äthiopien kennengelernt hat, halten Wort. Berhanu Negussie, der von den ersten Tagen an Böhm in Äthiopien anfangs als Dolmetscher, Fahrer und heute als sein offizieller Vertreter begleitet, beschreibt seinen Chef so: „Karlheinz Böhm schafft es, durch seine Geduld, durch sein Zuhören und durch seine Offenheit die Menschen hinter sich zu bringen. Er verlangt viel von ihnen und schenkt ihnen viel. Deshalb hängen sie so sehr an ihm, deshalb arbeiten sie so diszipliniert mit.“

Die neue Aktion „Schulen für Äthiopien“ soll die von Almaz Böhm ins Leben gerufene Initiative „ABC - 2015“ nachhaltig unterstützen. Ziel der Stiftung ist es, bis 2015 durch den Bau weiterer Schulen Hunderttausenden von Kindern und Jugendlichen eine solide Bildung zu ermöglichen. Die Schulen sollen aber auch für Erwachsene eingesetzt werden. Nur 40 Prozent der älteren Generation Äthiopiens können lesen und schreiben. Auch unter Kinder und Jugendlichen liegt der Anteil der Analphabeten noch bei etwa 50 Prozent. Almaz Böhm: „Wenn wir das nicht ändern, besitzt diese Generation keine Chance, sich bei der weiteren Entwicklung des Landes einzubringen.“

Neues Projekt liegt im Osten

Drei Schulen im Landkreis Jarso im Osten des Landes nahe der Stadt Harar sollen durch die Spendenaktion „Schulen für Äthiopien“ unterstützt werden. Etwa 126 000 Menschen leben dort verteilt auf 23 Gemeinden oder Weiler. Sie liegen auch im Einzugsgebiet des Trainingskollegs „ATTC“ für landwirtschaftliche und technische Berufe in Harar, das auch schon von Bundespräsident Horst Köhler besucht worden ist.

Die Bedada-Grundschule versorgt derzeit vier Dörfer mit etwa 3000 Menschen. Alle Gebäude sind in schlechtem Zustand. Fünf Lehrkräfte unterrichten 520 Schüler. Fünf neue Gebäude sollen entstehen und ausgestattet werden, um im Zweischichtbetrieb Unterricht für 800 Kinder zu ermöglichen.

Die Eltoka-Mittelschule hat einen Einzugsbereich von sechs Gemeinden mit etwa 4300 Menschen. 14 Lehrer sind für etwa 800 Schülerinnen und Schüler verantwortlich. Hier sollen acht neue Gebäude entstehen, um den Lehrbetrieb für etwa 1200 Jugendliche sicherzustellen.

Die Ejersa-Goro-Oberschule nimmt als weiterführende Einrichtung derzeit 890 Kinder aus allen Gemeinden Jorsas auf. 17 Lehrer sind im Einsatz. Hier wird der Schwerpunkt darauf liegen, das Areal um drei Gebäude zu erweitern. Ziel ist der Unterricht für weitere 1200 Schülerinnen und Schüler.

Bei allen drei Projekten wird die Stiftung auch einfache Verwaltungsgebäude mit Wohnmöglichkeiten für die Lehrkräfte errichten. Die Gesamtkosten für die drei Schulen liegen bei etwa 920 000 Euro. Die „Schwäbische Zeitung“ wird Ende November mit ihrer Berichterstattung beginnen.

Zu den Bildern aus Äthiopien

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