Sturmtief vermiest Fastnachtsmontag, viele trotzen Sturmtief

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Fastnachtsmontag im Südwesten
Ein Federahannes, eine Rottweiler Narrenfigur, springt beim Narrensprung durch die Luft. (Foto: Patrick Seeger/Archiv / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Sturmtief „Bennet“ zog am Fastnachtsmontag auch über Baden-Württemberg: Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr stürzten Bäume und Verkehrsschilder um, Stromleitungen wurden beschädigt. Die Orkanwarnung des Deutschen Wetterdienstes ließ Organisatoren um die Sicherheit von Zuschauern und Narren fürchten: Die Umzüge in Altlußheim (Rhein-Neckar-Kreis), Mannheim-Rheinau und Graben-Neudorf (Kreis-Karlsruhe) wurden abgesagt. Der Umzug in Böblingen fand ohne Wagen statt. Beim Freiburger Umzug am Nachmittag wurde auf Fahnen und hohe Aufbauten aus Sicherheitsgründen verzichtet, wie ein Sprecher der Breisgauer Narrenzunft sagte. Auch der Narrenbaum wurde sicherheitshalber abgebaut.

Doch Tausende Narren in Baden-Württemberg trotzten am Fastnachtsmontag auch den Bedingungen. Der traditionsreiche Rottweiler Narrensprung begann am Morgen noch trocken. Doch nachdem rund ein Drittel der knapp 4000 Maskenträger das Schwarze Tor der Stadt passiert hatte, setzten starker Wind und Regen ein.

„Die Stimmung ist trotzdem super“, sagte Narrenmeister Christoph Bechtold. Seinen Angaben nach verfolgten bis zu 10 000 Zuschauer das mehrstündige Spektakel. Für den Fastnachtsdienstag rechnete die Narrenzunft mit noch einmal 10 000 Schaulustigen.

Die Narren in Schramberg (Kreis Rottweil) hatten Glück mit dem Wetter - und gingen dennoch baden. In geschmückten Holzzubern und anderen selbst gebauten Wasserfahrzeugen rauschten sie bei der „Da-Bach-na“-Fahrt das Flüsschen Schiltach hinab. Manche Kapitäne waren bei der traditionellen Gaudi allerdings nicht ganz so manövriersicher und mussten sich aus dem Wasser ziehen lassen - oder schwammen einfach weiter.

Das Besondere der Rottweiler Fastnacht ist ihr mitunter anarchischer Charakter: Die verschiedenen Narrenfiguren mit ihren Glocken- und Federkleidern laufen die Umzugsstrecke nicht getrennt in Gruppen, sondern wild durcheinander ab. Lediglich die „Rössletreiber“ marschieren vorweg und lassen ihre Peitschen knallen. „Von Dreikönig an bekommen Sie in Rottweil nachmittags keine ruhige Minute mehr“, sagte Stadtsprecher Tobias Hermann. Denn seitdem übten viele Kinder mit ihren Peitschen auf den Gassen, um auch einmal zu den „Rössletreibern“ zu gehören.

Auch in anderen Landesteilen war die „fünfte Jahreszeit“ in vollem Gange. In Villingen begann am Vormittag der Historische Umzug der Narrozunft. Die Hauptfigur der dortigen Fastnacht ist der gleichnamige „Narro“ - sein Gewand ist oft aus grobem Leinen gefertigt und besteht aus Hose, Kittel und Kappe. Alle Teile sind mit Figuren, Tieren und Blumen bemalt, wie es bei der Zunft heißt.

Auch in Ravensburg trafen sich zahlreiche Narrenzünfte und Zuschauer zum Narrensprung - bei zeitweise heftigem Wind. In Stuttgart begrüßte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) um 11.11 Uhr die Narren im Rathaus.

In vielen Orten und Gemeinden stand zudem der Brauch des Aufsagens, Rügens oder Strählens auf dem Programm: Dabei spricht einer der Narren eine Person an und gibt öffentlich - auf lustige und durchaus auch liebevolle Art - meist unangenehme Geschehnisse zum Besten, wie es bei der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte heißt. Der Brauch sei ein Symbol der verkehrten Narrenwelt, das den Umsturz der sozialen Ordnung bezeichne: Niedrig kritisiert Hoch. „Dient der psychischen Gesundheit. Und hilft manchmal auch der Selbsterkenntnis auf die Beine.“

Am Wochenende war es bei Faschingsumzügen im Südwesten zu mehreren Schlägereien und Festnahmen gekommen. In Hockenheim wurden beim großen Jubiläumsumzug mindestens 16 Menschen verletzt, wie die Polizei am Montag mitteilte. Zwölf Personen mussten in ein Krankenhaus gebracht werden, zehn davon wegen einer Alkoholvergiftung.

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