Streit um sexuelle Vielfalt: Aufgeheizte Stimmung bei Demo

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Demonstranten protestieren gegen Bildungsplan
Der Bildungsplan bleibt umstritten. (Foto: Michael Latz / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Knapp 1000 Menschen haben in Stuttgart gegen den Bildungsplan der Landesregierung und ein Konzept für die Gleichstellung von Homosexuellen mit Heterosexuellen protestiert. Auf Transparenten mit Aufschriften wie „Ehe und Familie vor“ machten sie am Samstag deutlich, dass für sie allein die traditionelle Familie eine gute Familie ist. Zum sechsten Mal protestieren die Gegner des Bildungsplans, viele von ihnen lehnen Homosexualität ab.

Zu einer Gegenveranstaltung auf dem Schlossplatz kamen laut Polizei etwa 500 Menschen. Sie sprachen sich unter anderem gegen Homophobie und für die Akzeptanz vielfältiger Partnerschaften aus. Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz, um ein Zusammentreffen der Lager zu verhindern. Die befürchteten Tumulte blieben aus.

Besonders aufgeheizt war die Stimmung am späten Samstagnachmittag, als die Bildungsplangegner vom Schillerplatz zu einer weiteren Kundgebung in Richtung Staatstheater zogen. Immer wieder hätten Gegendemonstranten aus dem linksradikalen Spektrum versucht, Teilnehmer der „Demo für alle“ zu provozieren, teilte die Polizei am Sonntag mit. Hunderte Beamte mussten die Abschlusskundgebung sichern. „Ansonsten ist es ruhiggeblieben“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Beamten fanden lediglich bei einigen Gegendemonstranten Vermummungsmaterial, ein Pfefferspray und ein Taschenmesser. Einem Teilnehmer wird vorgeworfen, einen Beamten beleidigt zu haben. Die Betroffenen wurden des Platzes verwiesen und angezeigt.

Nach dem Bildungsplan der Landesregierung sollen Schüler lernen, sexuelle, ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt zu akzeptieren. Die Gegner kritisieren, das sensible Thema Sexualität überfordere die Kinder. Das Bündnis „Stuttgart ist und bleibt bunt“ wirft ihnen dagegen vor, sie betrieben Ausgrenzung und wollten „sinnvolle Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit“ verhindern. Der Bildungsplan soll von nächstem Jahr an gelten.

Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) möchte mit einem Aktionsplan die Gleichstellung von Homosexuellen mit Heterosexuellen im Land voranbringen. Ziel ist es, Benachteiligungen abzubauen. Das Papier soll noch vor dem Sommer ins Kabinett eingebracht werden. Für erste Maßnahmen stünden in diesem und im kommenden Jahr insgesamt eine Million Euro bereit. Auch diese Pläne trieben Gegner und Befürworter am Samstag auf die Straße.

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