Stihl öffnet sich für Onlinehandel: Euro bremst Wachstum

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Mitarbeiter nimmt Motorsensen von Stihl von einem Band
Ein Mitarbeiter von Stihl nimmt in einem Werk Motorsensen von einem Band. (Foto: Marijan Murat/Archivbild / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Der Garten- und Forstgerätehersteller Stihl kommt der Online-Kundschaft entgegen und schickt den Kunden ihre Einkäufe künftig auch nach Hause. Man reagiere damit auf ein sich durch den Onlinehandel wandelndes Kaufverhalten und passe die Vertriebskriterien entsprechend an, sagte Vorstandschef Bertram Kandziora am Donnerstag in Waiblingen. Die sahen bisher vor, dass Kunden zwar Stihl-Geräte bestellen konnten, sie dann aber bei einem Fachhändler abholen mussten, der auch eine Einweisung vornahm.

Künftig soll das schneller und einfacher gehen, unter anderem mit einer Online-Produktberatung - allerdings nicht bei den Motorsägen. Dort bleibe es aus Sicherheitsgründen beim bisherigen Prozedere, hieß es. Stihl verkauft aber zum Beispiel auch Rasenmäher oder Reinigungsgeräte. Bei allem, was mit Elektromotor läuft, darf der Fachhändler künftig auch auf Zusammenbau und Einweisung verzichten. Der Kunde, der im Laden kauft, darf das Gerät dann einfach so mitnehmen. Auch das gab es bisher bei Stihl nicht.

Das Wetter, negative Wechselkurseffekte und auch die weltweiten Handelskonflikte haben das Unternehmen im vergangenen Jahr arg gebremst. Obwohl weltweit nochmals etwas mehr Produkte verkauft wurden als 2017, ging der Umsatz 2018 leicht um 0,3 Prozent auf rund 3,78 Milliarden Euro zurück, wie Kandziora sagte. Auch das Ergebnis fiel, unter anderem wegen hoher Investitionen, etwas schlechter aus. Detaillierte Angaben dazu macht das Unternehmen generell nicht.

Der negative Wechselkurseffekt entsteht dadurch, dass Unternehmen ihre in fremden Währungen erzielten Umsätze in Euro umrechnen. Ist der Euro dann im Vergleich zu anderen Währungen stärker als im Vorjahr, drückt das den Umsatz. „Bei gleichen Wechselkursen wie 2017 hätte das Umsatzplus 4,2 Prozent betragen“, sagte Kandziora. Stihl macht 90 Prozent seines Umsatzes im Ausland, gut 60 Prozent sind es außerhalb der Europäischen Union.

Als Bremse habe sich zudem das Wetter erwiesen, sagte Kandziora. Ein langer, kalter Frühling und ein sehr heißer, trockener Sommer hätten sich in vielen Regionen negativ auf das Wachstum der Natur und damit auf die Nachfrage nach Garten- und Forstgeräten ausgewirkt.

Im ersten Quartal dieses Jahres liegt Stihl nach Kandzioras Angaben derzeit bei einem Umsatzplus von sieben Prozent - auch weil die Wechselkurseffekte sich nicht mehr so stark auswirken. Weltweit arbeiten derzeit gut 17 100 Menschen für Stihl.

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