Steuerfahnder sind weder Razzia-Rambos noch Papiertiger

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Die Arbeit von Steuerfahndern hat sich gewandelt es werden immer mehr digitale Daten und immer weniger Akten ausgewertet. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Klaus Zumwinkel, Uli Hoeneß, Georg Baselitz und Bushido – bei bekannten Persönlichkeiten klingelte schon mal die Steuerfahndung an der Tür. Das öffentliche Interesse ist in solchen Fällen stets groß. Die Reaktionen reichen von Unverständnis über Wut bis Mitgefühl.

Die prominenten Steuersünder-Fälle sind nicht nur ein Erfolg für den Fiskus. Sie verhelfen scheinbar auch zu einem besseren Image der Fahnder. „Die Steuerfahndung steht in letzter Zeit sehr im Fokus, auch in der Presse – und das sehr positiv“, sagt Agnes Hartmann vom Referat Steuerfahndung der Oberfinanzdirektion Karlsruhe (OFDK).

Andreas Steffen ist seit gut 15 Jahren Steuerfahnder. Unauffällig gekleidet schellt er an Türen mutmaßlicher Steuerbetrüger. „Das ist nicht so wie im Fernsehen, dass man da hingeht wie ein Holzfäller, das machen wir nicht“, sagt der Fahnder vom Finanzamt Karlsruhe-Durlach. Im Schnitt arbeiten Fahnder an 15 bis 20 Fällen im Jahr. „Der größte Eingriff der Steuerfahndung ist die Durchsuchung, es ist das intensivste Mittel – es geht in den privaten Bereich der Person herein“, erzählt der 52-Jährige.

Meist werden Wohnungen und Betriebe der Beschuldigten nach Beweisen durchsucht, nachdem in einer Vorprüfung ein Anfangsverdacht auf Steuerhinterziehung festgestellt wurde. Vor der Rechtebelehrung eröffnet der Fahnder mündlich das Verfahren, erklärt Steffen.

„Die Durchsuchung selber löst einen gewissen Anfangsschock bei den Beschuldigten aus, der hält meistens an, bis sie vorbei ist“, erzählt Steffen. Darum komme es in der Regel auch nicht zu gefährlichen Vorfällen bei einer Razzia. Vorsichtig sei man etwa im Rotlichtmilieu. Da werde zum Eigenschutz die Polizei mitgenommen.

Verschiedene Quellen oder Recherchewege führen die Fahnder zu den Fällen. Schriftlich oder am Telefon kommen Anzeigen, mal anonym, mal mit Namen etwa vom Ex-Partner. „Je näher die Person dem Beschuldigten gegenüber ist, desto besser ist das Anzeigenmaterial“, sagt Steffen. Hinweise liefern auch Zoll, Polizei und Betriebsprüfer. Auch Eigenrecherche etwa im Internet bringt sie zum Verdächtigen. Und Selbstanzeigen: Sie spielen eine zunehmende Rolle.

Das Scheitern des Steuerabkommens mit der Schweiz und auch die Steueraffäre um den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß waren nach Einschätzung mehrerer Finanzministerien bundesweit Gründe für den Anstieg von Steuersünder-Selbstanzeigen. „Insgesamt hat sich die Zahl der Selbstanzeigen deutlich erhöht“, sagt der Leiter des für Steuerfahndung zuständigen OFDK-Referats, Konrad Vetter.

Finanzminister Nils Schmid (SPD) erklärte kürzlich, seit Februar 2010 seien allein im Südwesten mehr als 13 400 Selbstanzeigen eingegangen. Laut Schmid brachten sie Steuermehreinnahmen in Höhe von mehr als 380 Millionen Euro ein. im ersten Halbjahr 2013 gab es rund 2400 Selbstanzeigen, wie Hartmann sagt. „Im Dezember 2012 wurde bekannt, dass das Steuerabkommen mit der Schweiz gescheitert ist, und die Hoeneß-Geschichte hat gepusht.“

Die Arbeit der Fahnder hat sich gewandelt. „Die größte Veränderung ist, es geht vom Papier hin zur EDV“, sagt Steffen. „Die Papiertiger von früher sind wir nicht mehr.“ Während Fahnder sich früher alles an beschlagnahmten Akten direkt anschauten, ginge es heute vor allem um Smartphones und Computer. Die Daten müssten nun von den „IT-Fahndern“ erst aufbereitet werden. Es wird aber auch mit spezieller Software gearbeitet, etwa zum Knacken von Passwörtern.

Ein Fall komme kaum vor einem Jahr zum Abschluss. Die Durchsuchung dauert meist nur einen Tag, den Großteil der Zeit verbringt Steffen mit der Sichtung, Aufbereitung und Auswertung der beschlagnahmten Daten am Rechner. Am Ende aber käme immer etwas heraus. „Man muss es sportlich sehen“, sagt Steffen.

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