Start der digitalen Lernplattform für Schulen verzögert sich

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Ellas Probezeit endet nach anderthalb Jahren. Bis dahin soll die digitale Bildungsplattform des Kultusministeriums ausgereift se
Als Prestigeprojekt gestartet, gerät die Bildungsplattform Ella zum Flop. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Warum gibt es eigentlich kein bundesweit einheitliches System?

Bildung ist Ländersache. Und noch gibt es in der Konferenz der Landes-Kultusminister keine Einigung über ein einheitliches System. Deswegen haben die Bayern ein Portal namens „Mebis“, die Sachsen den „Lernsax“ und Baden-Württemberg „Ella“.

Die Online-Lernplattform „Ella“ sollte endlich Ordnung in den digitalen Wildwuchs an baden-württembergischen Schulen bringen. Jetzt wurde die Revolution vorerst abgesagt – wegen technischer Probleme.

„Die Absage unserer Technikpartner hat uns kalt erwischt und sie erfolgt entgegen der Zusagen“ – Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) fand deutliche Worte für den Fehlstart von „Ella“. Der „höchst unerfreuliche“ Vorgang werfe ein schlechtes Licht auf das Image der Digitalisierungsstrategie des Landes. Auch für die 100 Schulen, die an der Testphase teilnehmen sollen, sei die Zeitverzögerung ärgerlich.

Was war passiert? Was Susanne Eisenmann im Dezember vergangenen Jahres angekündigt hatte, klang nach digitaler Revolution im Klassenzimmer: Der aktuelle Wildwuchs pädagogisch fragwürdiger Schulsoftware ganz unterschiedlicher und teils ausländischer Anbieter sollte endlich ersetzt werden durch eine einheitliche, nicht kommerzielle Open-Source-Lösung.

Welche Software an welcher Schule eingesetzt wird, war bislang weitgehend abhängig von einzelnen Lehrern und den technischen Möglichkeiten vor Ort. „Ella“ versprach ein virtuelles Klassenzimmer mit Cloud-Speicherplatz für Schüler und Lehrer, Chatmöglichkeiten und einheitlichen E-Mail-Adressen.

Baden-Württemberg ist spät dran

In Bayern gibt es eine solche digitale Bildungsplattform schon lang - dort heißt sie „mebis“. „Baden-Württemberg hat diese Entwicklung in den vergangenen Jahren sicherlich ein Stück weit verschlafen“, hatte Eisenmann im Dezember der „Schwäbischen Zeitung“ gesagt. Am kommenden Montag wollte die Ministerin dann eigentlich den Startschuss für die anderthalbjährige Testphase geben, doch dann ruderten die für den technischen Betrieb Verantwortlichen „am späten Donnerstagabend“ unerwartet zurück.

Das sagt der IT-Chef

Die Verantwortlichen – das sind laut Kultusministerium in erster Linie die IT-Behörde des Landes Baden-Württembergs (BITBW) und der kommunale IT-Dienstleister KIVBF. Bei der Behörde zeigt man Verständnis für die Kritik, schlägt aber eher ruhigere Töne an: „Ich möchte nicht über Schuldzuweisungen sprechen. Ich jedenfalls stehe zu meiner Verantwortung“, sagte BITBW-Präsident Christian Leinert am Montag im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Leinert nennt als Grund für den verschobenen Start, dass sich bei internen Schulungen in den vergangenen Wochen „eine unbefriedigende Performance“ der Software zeigte: die Antwortzeiten an den Rechnern der Nutzer verzögerten sich bis hin zu einzelnen Verbindungsabbrüchen. Der Grund: Zum einen macht Leinert zufolge die neue Hardware Ärger, zum anderen sei das Zusammenspiel zwischen dem neuen Rechenzentrum in Stuttgart und dem alten in Karlsruhe noch nicht „ideal“.

„Grundsätzliche Probleme“ mit der Software sieht er allerdings nicht. Die Entscheidung, „Ella“ gemeinsam mit dem öffentlich-rechtlichen IT-Verbund KIVBF umzusetzen, halte er ebenfalls nach wie vor für richtig. Diese habe bereits eine Schulverwaltungslösung mit Cloud-Anbindung entwickelt, was für das aktuelle Projekt laut Leinert „große Zeitvorteile bringt“.

Noch kein neuer Termin

Und wie geht es jetzt weiter? Die Kultusministerin fordert in einer Pressemitteilung vom Freitag „einen belastbaren Zeitplan“ für einen neuen Termin. Den will Leinert in „wenigen Wochen“ liefern, ein konkretes Datum kann er jedoch noch nicht nennen.

Warum gibt es eigentlich kein bundesweit einheitliches System?

Bildung ist Ländersache. Und noch gibt es in der Konferenz der Landes-Kultusminister keine Einigung über ein einheitliches System. Deswegen haben die Bayern ein Portal namens „Mebis“, die Sachsen den „Lernsax“ und Baden-Württemberg „Ella“.

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