Spendenaktion „Helfen bringt Freude“ finanziert neue Projekte gegen die Pandemie

Zoom-Konferenz mit Projektpartnern aus aller Welt zum Abschluss der Spendenaktion 2020 „Helfen bringt Freude“: Schwester Kaja Pe
Zoom-Konferenz mit Projektpartnern aus aller Welt zum Abschluss der Spendenaktion 2020 „Helfen bringt Freude“: Schwester Kaja Peric (Tansania, oben links) war ebenso dabei wie das Ehepaaar Markus und Verena Zwosta von den Philippinen (oben rechts) oder Pfarrer Faris Marrougi aus dem Nordirak (unten rechts). Bischof Gebhard Fürst (zweite Reihe, zweites Bild von links) konnte mit Heide Kirst aus Brasilien (zweite Reihe, drittes Bild von links) wie auch dem stellvertretenden Gouverneur der nordirakischen Provinz Dohuk, Ismail Ahmed (zweite Reihe, viertes Bild von links) sprechen und bedankte sich bei den Leserinnen und Lesern der „Schwäbischen Zeitung“ für 1,1 Millionen Euro, die zur Bekämpfung von Fluchtursachen eingesetzt werden. (Foto: Ludger Möllers)
Reporter "Seite Drei"

Mit 1,1 Millionen Euro, dem Erlös der Spendenaktion „Helfen bringt Freude“, unterstützen die Leser der „Schwäbischen Zeitung“ 95 Projekte auf vier Kontinenten in 35 Ländern. Bei der Übergabe der Spendensumme wurde abermals deutlich, dass die Hilfe gerade in Zeiten der Pandemie wichtiger wird.

Zwei Beispiele: „Wir brauchen dringend Geld für weitere Desinfektionsmittel und neue Schutzkleidung“, sagte der stellvertretende Gouverneur der nordirakischen Provinz Dohuk, Ismail Ahmed. Und Professor Dr. Jan Ilhan Kizilhan, der sowohl an der Dualen Hochschule Villingen-Schwenningen wie auch an der Universität Dohuk lehrt, wies auf die stark steigenden Suizid-Zahlen in den Flüchtlingscamps hin: „Hier ist dringend professionelle Hilfe nötig!“

Mehr als 950.000 Euro eingegangen

Mit den Spendengeldern wird Geflüchteten nach ihrer Flucht geholfen oder die Mittel werden dafür eingesetzt, dass sich Menschen erst gar nicht auf die Flucht begeben müssen. Gemeinsam mit dem Caritasverband Rottenburg-Stuttgart hatte das Medienhaus in Ravensburg in der Weihnachtszeit zur Spende aufgerufen. In der Weihnachtsaktion gingen genau 953 833,89 Euro ein, im Sommer 2020 hatten die Leserinnen und Leser bereits 141 612,51 Euro für notleidende Menschen im Irak gespendet.

Die Hälfte der Spendensumme geht an zwei Flüchtlingscamps im Nordirak. Die andere Hälfte geht an insgesamt 70 Flüchtlingsprojekte in aller Welt sowie in 24 Caritas-Projekte und -Initiativen im Verbreitungsgebiet der „Schwäbischen Zeitung“. Sie werden mit jeweils 4900 Euro unterstützt.

Video-Konferenz statt feierlicher Scheck-Übergabe vor Ort: Corona-bedingt treffen sich an diesem Donnerstag im virtuellen Zoom-Raum 20 Gesprächspartner, um mehr über die Projekte und die Verwendung der Mittel zu erfahren.

Zu Beginn lobt Bischof Gebhard Fürst die bestehende Kooperation mit der Zeitung: „Das Rekordergebnis der gemeinsamen Weihnachtsaktion unseres Diözesancaritasverbands mit der ,Schwäbischen Zeitung’ freut mich sehr und mein großer Dank gilt den Leserinnen und Lesern, die diesen Erfolg mit ihrer Spendenbereitschaft erst ermöglicht haben. Ihre Hilfsbereitschaft befähigt Projektpartner an vielen Orten dazu, die Not geflüchteter Menschen zu lindern und ihnen neue Perspektiven zu schaffen.“

Wir haben neben wirtschaftlichen Problemen durch den Verfall der Ölpreise und politischen Unsicherheiten mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. 

Ismail Ahmed, in Dohuk

Mit geflüchteten Menschen – vor allem Jesiden, die die Terrormiliz „Islamischer Staat“ vertrieben hat – hat Ismail Ahmed jeden Tag zu tun. In der Provinzregierung von Dohuk ist er für humanitäre Fragen zuständig: „Wir haben neben wirtschaftlichen Problemen durch den Verfall der Ölpreise und politischen Unsicherheiten mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen.“ Von der Spendensumme sind 475 000 Euro für bessere Lebensbedingungen in den beiden Camps Mam Rashan und Sheikhan vorgesehen: „Wir brauchen aber auch dringend Desinfektionsmittel und Schutzkleidung“, benennt Ahmed sein Anliegen.

Auf eine weiteres Problem macht Professor Jan Ilhan Kizilhan aufmerksam: „Derzeit stellt sich die Problematik rasant ansteigender Suizidzahlen in den Camps sehr deutlich. Im vergangenen Jahr wurden zwischen 220 und 250 Suizide unter den etwa 400 000 Bewohnern in den Camps gezählt.“

Demnach ergebe sich eine Selbstmordrate in dem Camps, die acht bis zehn mal so hoch liege wie der statistische Durchschnitt der arabischen Staaten. Die Gründe: „Mangelnde Perspektiven, Gewalterfahrungen, die Erlebnisse nach dem Genozid und die Zwangsverheiratung junger Frauen.“ Kizilhans Plan, Psychotherapeuten für eine 24-Stunden-Hotline zu gewinnen, an die sich verzweifelte Menschen telefonisch über ihr Handy wenden können, stößt bei Bischof Fürst auf offene Ohren: „Wenn auch nur ein Leben gerettet wird, dann hat sich die Einrichtung dieser Hotline gelohnt!“

Nicht nur aus dem Irak kommen während dieser Konferenz Beiträge. Aus Brasilien hat sich das Ehepaar Kirst zugeschaltet, das autistische Kinder betreut. In Tansania hat die Vinzentiner-Schwester Kaja Peric eigens die Zoom-Bedienung gelernt, um über die Ausbildung junger Frauen zu berichten. Das Ehepaar Zwosta kann derzeit nicht in den Slums der philippinischen Hauptstadt arbeiten, wohl aber über die Herausforderungen sprechen.

Wir bitten unsere Leser, ihre in Corona-Zeiten bewiesene Solidarität fortzusetzen! 

Hendrik Groth, Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung“

Aus Deutschland ist Thomas Shairzid von der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen dabei, im Südwesten haben sich die Caritas-Mitarbeiter Michael Buck, Sonja Hörnlen, Manuela Mayer und Susanne Irion im Zoom-Raum eingefunden. Denn die unterstützten lokalen Caritas-Initiativen im Raum Oberschwaben, Ulm, Alb und Aalen tragen dazu bei, dass sich Menschen in ihrer neuen Heimat einfinden und ein selbstständiges Leben aufbauen können.

„Helfen bringt Freude“ hat seit der ersten Aktion im Jahr 2013 Spenden in Höhe von fast 3,7 Millionen Euro verbucht. Diese Erfolgsgeschichte will Hendrik Groth, Chefredakteur der „Schwäbischen Zeitung“, fortschreiben. Die Spendenaktion werde in diesem Jahr wiederholt: „Und wir bitten unsere Leser, ihre in Corona-Zeiten bewiesene Solidarität fortzusetzen!“

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