Spendenaktion: Christen im Nordirak hoffen auf Hilfe für einen Krankenwagen

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 Zwei Männer, davon einer in Uniform, stehen sich gegenüber
Christen wie Loay Tohe (rechts) wollen in der von der Terrormiliz IS zerstörten Stadt Telskuf in der nordirakischen Ninive-Ebene leben, viele Christen kehren zurück: Nun geht es um den Wiederaufbau – und um einen Krankenwagen, der dringend gebraucht wird. (Foto: Ludger Möllers)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Die Christen in Irakisch-Kurdistan setzen hohe Erwartungen auf den neuen Präsidenten der kurdischen Autonomieregion, Netschirwan Barsani. Der 52-Jährige war jüngst vereidigt worden: „Dass drei Erzbischöfe verschiedener christlicher Konfessionen bei der Amtseinsetzung dabei waren, zeigt, dass sich unsere Hoffnungen auf Barsani fokussieren“, sagte Ano Abdoka, der Vorsitzende der christlich geprägten Nationalen Allianz der Einheit im kurdischen Regionalparlament: „Unter den Gästen waren koptische, aramäische, assyrische und chaldäische Christen.“

Netschirwan Barsani, der Neffe des langjährigen Präsidenten Massud Barsani kündigte am Montag an, sich für ein besseres Verhältnis zur Zentralregierung in Bagdad einzusetzen. „Außerdem hat er versprochen, ein Präsident für alle Kurden zu sein, also auch für die Minderheiten der Christen und Jesiden“, sagte Abdoka der „Schwäbischen Zeitung“.

Infrastruktur muss wieder aufgebaut werden

Die größte christliche Gruppe, die chaldäische Kirche, geht auf die ersten Gemeinden zurück, die vor fast 2000 Jahren in Mesopotamien – dem heutigen Irak – entstanden sind. Aber seit Jahren stehen die Christen im Irak unter Druck. Bis 2003 lebten 1,5 Millionen Christen im Zweistrom-land, heute sind es noch 350 000. Als die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Sommer 2014 die Ninive-Ebene im Norden des Landes überfiel, die Menschen aus ihren Dörfern vertrieb und viele von ihnen ermordete, wurden dort 150 000 Christen gezählt, mittlerweile sind vielleicht 60 000 oder 70 000 von ihnen zurück. „Die Tendenz ist steigend“, weiß der christliche Politiker Abdoka, „denn Städte und Dörfer wie Alqosh und Telskuf gelten mittlerweile als relativ sicher.“

Doch es gibt neue Probleme. Denn die Christen, die jetzt aus den kurdischen Großstädten zurückkehren, brauchen Wohnungen sowie Arbeitsplätze: „Und sie brauchen Infrastruktur, damit sie bleiben und leben können“, sagt Abdoka, „daher sind wir sehr dankbar, dass die Leserinnen und Leser der ,Schwäbischen Zeitung’ die Spendenaktion für einen Krankenwagen in Telskuf so vorbildlich unterstützen!“ Hilfe der notorisch finanziell klammen kurdischen Regionalregierung sei trotz der Versprechungen des neuen Präsidenten nicht zu erwarten, auch die Zentralregierung in Bagdad ist mit finanzieller Unterstützung für die kurdischen Gebiete mehr als zurückhaltend. 9000 Euro sind bisher für den Krankenwagen zusammengekommen, 20 000 Euro werden gebraucht: „Bitte helfen Sie uns weiterhin“, bittet Abdoka.

„Habt Mut, Christen zu sein“

Fast fünf Jahre nach dem IS-Überfall wissen Politiker wie Abdoka in der Arbeit für Rückkehr und Versöhnung auch ihre Bischöfe hinter sich. So appelliert der neue chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Michael Najeeb Moussa, an die „kleine Herde“ der in die zerstörte Stadt Mossul zurückgekehrten Christen, „Brücken der Geschwisterlichkeit zu bauen, Mauern niederzureißen und Hoffnung zu säen“. Erst 2017 wurde der IS aus Mossul vertrieben: „Habt den Mut, Christen zu sein. Unsere Aufgabe ist es, Zeugnis für Christus abzulegen. Das ist die Botschaft, die wir unseren Brüdern und Schwestern vermitteln wollen, die anderen Glaubensgemeinschaften angehören – und der ganzen irakischen Bevölkerung.“

Und mit Blick auf die Politiker des Landes betont Moussa: „Ohne Gerechtigkeit gibt es keine Zukunft für die Christen im Irak.“ Gerechtigkeit bedeute, die Rechte aller Bürger zu garantieren, unabhängig von Religionsbekenntnis oder ethnischer Zugehörigkeit. „Wir Christen sind vollberechtigte Bürger, wie alle anderen“, so der Erzbischof.

Spenden Sie für verfolgte Christen im Nordirak!

Immer mehr Christen kehren in diesen Monaten nach Telskuf in der nordirakischen Ninive-Ebene zurück. Doch es fehlt neben Arbeitsplätzen und Investoren an Infrastruktur. „Wir brauchen sehr dringend einen Krankenwagen“, sendet Wissam Smamash vom Verwaltungsrat in Telskuf einen Appell an die Leserinnen und Leser der „Schwäbischen Zeitung“.

Für Patienten, die zunächst in der kleinen Arztpraxis am Ort behandelt, dann aber in einem Krankenhaus in der Provinzhauptstadt von Fachärzten betreut werden müssen, wird dringend ein entsprechend ausgestattetes Fahrzeug benötigt: „Für 20 000 Euro bekommen wir einen guten gebrauchten Krankenwagen“, weiß Wissam Smamash.

Spendenkonto: Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.

Bank für Sozialwirtschaft Stuttgart

IBAN: DE90 6012 0500 0001 7088 00

BIC: BFSWDE33STG

Stichwort: Helfen bringt Freude

schwaebische.de/weihnachtsspendenaktion

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