Fritz G., ehemaliger Anführer der islamistischen Sauerlandgruppe, streitet Beziehungen zum rechtsterroristischen NSU ab.
Fritz G., ehemaliger Anführer der islamistischen Sauerlandgruppe, streitet Beziehungen zum rechtsterroristischen NSU ab. (Foto: dpa)
Katja Korf

Gab es Verbindungen zwischen den islamistischen Terror-isten der Sauerland-Gruppe und den Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)? Dieser Frage hat sich am Montag der NSU-Ausschuss des Landtags gewidmet. Dazu sagte Fritz G., der Drahtzieher der Sauerland-Gruppe, vor dem Gremium in Stuttgart aus. Außerdem beleuchtete ein Sachverständiger die rechtsextreme Musikszene im Land.

Konkret ging es den Parlamentariern erneut darum, was am 25. April 2007 rund um die Heilbronner Theresienwiese geschah. Nach heutigem Stand töteten damals Mitglieder des NSU-Trios die Polizistin Michele Kiesewetter und verletzten ihren Kollegen schwer.

Zünder in Mannheim übergeben

Der „Stern“ hatte später über Geheimdienst-Protokolle von jenem Tag berichtet. Diese belegten angeblich, dass Agenten ausländischer Nachrichtendienste am 25. April 2007 in Heilbronn im Einsatz waren. Sie hätten einen Unterstützer der Sauerland-Gruppe observiert. Dieser habe den Islamisten Zünder für deren Bomben übergeben. Weil dies am selben Ort und zur selben Zeit geschehen sei wie der NSU-Mord an Kiesewetter war über Verbindungen zwischen NSU und Sauerland-Gruppe spekuliert worden.

Die Gruppe hatte 2007 Anschläge gegen US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant. Im August 2007 wurden die Mitglieder in Medebach im Sauerland verhaftet, darunter auch Fritz G. Der heute 37-jährige Deutsche lebte damals in Ulm und war zum Islam konvertiert. Mit seinen Mitstreitern traf er sich immer wieder in Stuttgart, plante die Attentate. Monatelang überwachten die Ermittler ihn, bis die Gruppe endgültig verhaftet wurde. G. wurde 2010 zu zwölf Jahren Haft verurteilt und kam im August dieses Jahres auf Bewährung frei.

Am Montag sagte G. im Stuttgarter Landtag aus – und dementierte jede Verbindung zum NSU, nach Heilbronn oder zu der getöteten Polizistin. „Die Zünder für unsere Bomben wurden uns in Mannheim und in Wolfsburg übergeben, nicht in Heilbronn“, sagte G.

Die Vertreter der Parteien im Ausschuss sehen damit immer weniger Anhaltspunkte dafür, dass tatsächlich Mitarbeiter ausländischer Geheimdienste die Tat auf der Theresienwiese beobachtet haben. Dennoch will das Gremium weiter Mitarbeiter deutscher Nachrichtendienste befragen, um endgültige Klarheit zu bekommen.

Einig waren sich die Obleute von Grünen, CDU, SPD und FDP am Montag in einem weiteren Punkt: Politik und Behörden müssen die rechtsextreme Musikszene in Baden-Württemberg stärker in den Blick nehmen.

Rechte Rockszenen im Land

Zuvor hatte der Sozialpädagoge und Autor Jan Raabe erläutert, welche Rolle rechte Bands im Südwesten spielen. Dabei wurde zum einen erneut klar: In dem Umfeld von Bands wie „Noie Werte“ aus Stuttgart gab es Unterstützer des NSU-Trios. So zogen einige Mitglieder der NSU-nahen „Blood & Honour“-Gruppe Anfang der 2000er Jahre in die Region Ludwigsburg. Die Musik von „Noie Werte“ wurde genutzt, um Bekennervideos des NSU zu unterlegen. Deshalb ist es aus Raabes Sicht wichtig zu klären, warum es dazu kam und was das für die rechtsextremen Netzwerke im Land bedeutete.

Eine weitere wichtige Erkenntnis: Baden-Württemberg ist durchaus einer der Schwerpunkte des bundesdeutschen Rechtsrock. Seit 1993 gab es laut Raabe 180 aktive Bands in Deutschland. Er zählt 85 Musikgruppen und Liedermacher, die im Südwesten aktiv sind oder waren.

„Gerade für junge Menschen ist Musik einer der frühen Kontaktpunkte mit rechtsextremen Gedankengut und oft Anstoß für Radikalisierung“, sagte Raabe. Über Musik und Jugendkultur rekrutiere die Szene Nachwuchs. Welche Anziehungskraft Rechtsrock haben kann, zeigte jüngst ein Konzert in der Schweiz. 5000 Zuschauer kamen dorthin.

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