SPD: Die Zeit läuft ab

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Landes-Korrespondentin

Leni Breymaier hat einen Job, um den sie eigentlich niemand beneidet: sie ist Landeschefin der SPD, und das in deren schwerster Krise. 2016 stürzte sie bei den Landtagswahlen auf ein historisches Tief von 12 Prozent.

Sozialdemokraten haben es in Baden-Württemberg schwer. Im wirtschaftsstarken Südwesten fehlt das klassische Wählerklientel. In Berlin hat sich die Partei aus Verantwortung in eine Koalition begeben, die ihr nicht bekommen konnte. Dort kam es wegen der wahlkämpfenden CSU noch schlimmer als befürchtet. Die Konsequenz für die Genossen im Südwesten: 11 Prozent in jüngsten Umfragen. So völlig schicksalhaft aber ist das nicht. Breymaier hat ihre Zukunft im Amt an die junge Generalsekretärin Luisa Boos geknüpft, trotz vieler Warnungen. Die haben sich bewahrheitet, Boos ist schwach und hat selbst im ihr nahestehenden linken Lager viele enttäuscht.

Die Landtagsfraktion arbeitet eher gegen als mit der Parteichefin, obwohl die Abgeordnetengruppe selbst kein Hort der Erneuerung ist. Statt mit einer eher linken Breymaier in Berlin und einem eher der Mitte zuneigenden Andreas Stoch in Stuttgart ein starkes Duo zu bilden, treten immer wieder Dissensen zu Tage. Angesichts der zunehmenden den Kritik an der Parteiführung kommt die Kandidatur von Lars Castellucci nicht überraschend. Doch auch er gehört zum Inventar der SPD, ist seit 2005 im Landesvorstand. Ob er die am Boden liegenden Sozialdemokraten aufrichten kann, scheint fraglich. Zumal die Zeit läuft - die nächsten Schlappen bei den Kommunal- und Europawahlen 2019 drohen.

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