Uwe Hück, SPD-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl, spricht während einem Rundgang im Stadtteil Haidach.
Uwe Hück, SPD-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl, spricht während einem Rundgang im Stadtteil Haidach. (Foto: Sebastian Gollnow)
Deutsche Presse-Agentur
Susanne Kupke

Kurz vor 16 Uhr ist nichts los vor dem russischen Lebensmittelmarkt. Drei Mädchen genießen die Sonne. Eine Mutter schiebt ihren Kinderwagen auf dem Durchgang zum Hochhaus. Doch dann kommt Uwe Hück – und mit ihm Leben in den Pforzheimer Höhenstadtteil Haidach.

Der frühere Porsche-Gesamtbetriebsratschef und jetzige Pforzheimer SPD-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl am 26. Mai will das Gespräch mit Bürgern suchen. Von den rund 8500 Bewohnern stammen gut zwei Drittel aus der ehemaligen Sowjetunion. Und viele favorisieren die AfD. Hück will das ändern.

Es kann nicht sein, dass Jugendliche hier rumgammeln und nicht wissen, wohin sie können.

Uwe Hück

Einige Journalisten sind schon da, Kommunalwahlkandidaten anderer Parteien und auch Waldemar Meser, Vorsitzender der Elterninitiative Haidach, der für die CDU in den Gemeinderat ziehen will. Hück, gut gelaunt und leutselig, schüttelt Hände. Er erfährt, wo der Schuh drückt: von der chaotischen Parkplatzsituation über verdreckte Spielplätze bis hin zur Problemen bei der Jugendarbeit.

Vom Heimkind zum Porsche-Betriebsrat

Letzteres ist sein Steckenpferd. Als Vorsitzender des benachbarten Sportclubs FSV Buckenberg kennt sich Hück auf dem Haidach aus – und man kennt und bewundert den 56-jährigen ehemaligen Europameister im Thaiboxen, der es vom Waisen- und Heimkind über den Lackierer bei Porsche bis zum mächtigen Gegenspieler der Autobosse gebracht hat.

Er sorgt sich um die Jugend hier. „Es kann nicht sein, dass Jugendliche hier rumgammeln und nicht wissen, wohin sie können.“ Er warnt vor sozialem Sprengsatz: „Hier könnte es gefährlich werden.“

Uwe Hück
Uwe Hück, ehemaliger Porsche-Gesamtbetriebsratschef, steht vor einem Firmengebäude in Stuttgart. (Foto: Marijan Murat/dpa / DPA)

Einige Haidacher quittieren das mit Kopfschütteln: „Ich komme mir vor, als wäre ich im falschen Stadtteil“, sagt Bruno Biechele von den Freien Wählern. Das in den 1990er Jahren wegen rivalisierender Jugendgangs berüchtigte Quartier hat sich längst gewandelt. Es ist inzwischen ein unauffälliger Stadtteil.

Doch insgesamt leidet die ehemals blühende Schmuckstadt Pforzheim unter einem schlechten Image – und sie kämpft mit hoher Jugendarbeitslosigkeit. Hück, der Anfang Februar seinen überraschenden Rückzug von Porsche bekannt gab, will eine Wende einleiten und die 127 000-Einwohner-Stadt am Nordrand des Schwarzwalds schöner, sicherer und sozialer machen.

„Revolutionsbüro“ in der Innenstadt

Dafür tourt er durch ganz Pforzheim. Er war beim Tanz in den Mai, hat Kurden und Aleviten besucht. Er will nach der Kirche mit Bürgern frühstücken und auch in die Moschee. Wer ein Anliegen hat, kann in seinem „Revolutionsbüro“ in der Innenstadt vorbeischauen.

Der Kandidat legt sich ins Zeug. Und das alles für einen Sitz im Pforzheimer Gemeinderat? „Das geht schon Richtung Landtag“, ist Biechele überzeugt. Hück sagt: „Meine Zukunft ist hier in Pforzheim.“ Ganz ausschließen will er weitere Ambitionen nicht. Zunächst will er aber eines: In Pforzheim reüssieren und der AfD in ihrer Hochburg das Fürchten lehren.

Ich verwende eine Sprache, die das Volk versteht.

Uwe Hück

Bei der Kommunalwahl 2014 bekamen die Rechtspopulisten in Pforzheim 10,8 Prozent der Stimmen. Bei der Landtagswahl 2016 ging die AfD in Pforzheim sogar mit 24,2 Prozent als Siegerin hervor – vor den Grünen (24,1 Prozent), der CDU (22,4 Prozent) und weit vor der SPD (11,4 Prozent). In vier Wahlbezirken auf dem Haidach kam die AfD auf mehr als 50 Prozent.

„Wir müssen lauter werden“, sagt Hück. „Die AfD ist doch nur entstanden, weil wir den Leuten nicht mehr auf's Maul schauen.“ Der selbstbewusste Promi als wirksames Mittel gegen die AfD? Viele trauen ihm das zu.

Koalition um Hück

Deshalb hat SPD-Landeschef Andreas Stoch das langjährige SPD-Mitglied, das zunächst mit eigener Liste antreten wollte, so umworben und auf Listenplatz eins gehievt. Und deshalb schart sich auf dem Haidach eine große Koalition um Hück. „Es ist unser gemeinsames Ziel, überzeugende Arbeit gegen Rechts zu leisten“, sagt CDU-Mann Meser.

„Ich verwende eine Sprache, die das Volk versteht“, sagt Hück. Notfalls lässt er sich auch für soziale Zwecke eins „auf die Fresse hauen“. So einer kann auch auf dem Haidach in einen grünen Porsche steigen, ohne dass Neid aufkommt. Für die Jungs vor dem Jugendzentrum ist der Kampfsportler und Porsche-Mann vor allem eines: Einer, der es geschafft hat.

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