Im Mai 2017 soll das Großprojekt starten – ab 2018 kommen dann auch die Oberleitungen.
Im Mai 2017 soll das Großprojekt starten – ab 2018 kommen dann auch die Oberleitungen. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung
Landes-Korrespondentin

Es gibt einen Startschuss für die Elektrifizierung der Südbahn. Nach Informationen der „Schwäbischen Zeitung“ beginnen die Arbeiten an der Strecke zwischen Ulm und Bodensee im Frühjahr kommenden Jahres. Zuletzt war von einem Baubeginn 2018 die Rede. Erster Schritt auf dem Weg zur Elektrifizierung ist der Bau eines Umspannwerks in Niederbiegen im Landkreis Ravensburg – und zwar rechtzeitig vor der Bundestagswahl.

Die Deutsche Bahn plant den Spatenstich für das Umspannwerk in Niederbiegen für Mai 2017. „Dort soll der offizielle Start für die Elektrifizierung der Südbahn sein“, berichtet der Biberacher SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster nach einem Austausch mit Spitzenvertretern der Bahn in deren Konzernzentrale in Berlin. Nach Jahren des Kampfes um dieses für die Region wichtige Infrastrukturprojekt, sei er nun „hellauf begeistert“.

Die Bahn bestätigt auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ diesen Startschuss. Dass dieser konkret für Mai geplant sei, relativiert ein Bahn-Sprecher aber, da die Terminabstimmung mit den zuständigen Partnern – allen voran Land und Bund – noch laufe. Sicher aber sei ein Baubeginn „vor dem Sommer“.

An diesem Termin wird voraussichtlich auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) teilnehmen, wie ein Ministeriumssprecher erklärt. „Wir hatten den Verdacht, dass das eine rein symbolische Sache ist“, sagt er – einer solchen wäre Hermann ferngeblieben. „Aber die Bahn hat uns versichert, dass dies der erste Schritt dafür ist, dass es tatsächlich losgeht.“ Allerdings sei dann noch kein einziger Mast gebaut und auch kein Fahrdraht aufgehängt. All das dauere noch.

Wichtig wie eine Steckdose

Wie bedeutend das Umspannwerk tatsächlich ist, erklärt der Bahn-Sprecher so: „Es ist so wichtig wie eine Steckdose im Wohnzimmer, die den Fernseher mit Strom versorgt.“ Ansonsten bleibe es bei den bereits bekannten Bauabschnitten: Im September 2018 starteten die Abschnitte 1 (Ulm und Alb-Donau-Kreis) und 2 (Kreis Biberach), im März 2019 gehe es mit den Abschnitten 3 (Kreis Ravensburg) und 4 (Bodenseekreis) weiter, im September 2020 folge dann der Bauabschnitt 5, die Strecke von Friedrichshafen nach Lindau.

Wilfried Franke überrascht die Nachricht nicht. Der Geschäftsführer des Interessenverbands Südbahn weiß um die Terminsuche für den Spatenstich seit Monaten, wie er sagt. „Die Stromversorgung ist wichtig, das ist nicht nur ein symbolischer Akt“, sagt er. Wichtiger sei aber, dass der Zeitplan für den etappenweisen Umbau der Strecke eingehalten werde. Da die dafür nötigen Sperrungen längst angemeldet werden mussten, glaube er weiter an den bekannten Zeitplan für die einzelnen Abschnitte. Bei der nächsten halbjährlichen Sitzung des Interessenverbands am 23. November werde auch darüber wieder gesprochen, so Franke. Dem Interessensverband gehören Städte, Gemeinden und Landkreise entlang der Strecke sowie Wirtschaftsverbände an.

Keine Sorge wegen Klage

Franke glaubt nicht, dass die Klage einer Frau aus Nonnenhorn gegen den Bauabschnitt 5 vor dem Verwaltungsgericht München erfolgreich sein wird. Ein Gerichtssprecher hatte der Schwäbischen Zeitung erklärt, dass die Frau höhere Belastungen durch Lärm und Erschütterungen auf ihrem Grundstück neben der Bahnstrecke befürchte. „Wir sind nach wie vor guter Dinge, dass die Klage vom Gericht abgewiesen wird“, sagt Franke.

Laufen die Arbeiten zur Elektrifizierung wie geplant, reduziere sich die Fahrzeit vom Raum Friedrichshafen-Ravensburg in die Landeshauptstadt auf eineinhalb Stunden, so Franke. „Das schafft man mit dem Auto niemals.“

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