Juhu, Ferien - das heißt es im kommenden Jahr im Sommer etwas später als gewohnt.
Juhu, Ferien - das heißt es im kommenden Jahr im Sommer etwas später als gewohnt. (Foto: dpa)
Landes-Korrespondentin

Ausnahmen bestätigen die Regel: Für Baden-Württemberg heißt eine Regel, dass die Sommerferien immer donnerstags beginnen. 2019 bildet eine Ausnahme. Im kommenden Jahr beginnen die Ferien erst am letzten Montag im Juli. Dadurch könnte das Thema Schuleschwänzen Fahrt aufnehmen, befürchtet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Unverrückbar halten die südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern an den späten Sommerferien fest. Während die anderen 14 Länder absprechen, wer seine Schüler mal früher, mal später in die Ferien schickt, bleibt es in Baden-Württemberg und Bayern dabei: Ferienbeginn ist zum August. Davon rückten die Südländer auch nicht ab, als die Kultusminister mit dem „Hamburger Abkommen“ 1964 danach strebten, das Schulwesen zu vereinheitlichen. Und sie blieben trotz immer wieder aufflammender Kritik aus anderen Ländern standhaft.

Anfangs begründeten Baden-Württemberg und Bayern ihr Ausscheren aus der Rotation damit, dass die Schüler im August auf den Feldern bei der Ernte gebraucht würden. Heute argumentieren sie mit den langen Pfingstferien – eine Besonderheit des Südens. Zwischen diesen und den Sommerferien müsse ausreichend Unterrichtszeit sein.

Kritik von der GEW

Mit Blick auf 2019 hat sich Baden-Württemberg dennoch bewegt. Ferienstart ist nicht wie immer am letzten Donnerstag im Juli, kommendes Jahr also am 25., sondern am 29., dem darauffolgenden Montag. Auf Anfrage der FDP-Fraktion im Stuttgarter Landtag nannte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dafür zwei Gründe: Zum einen hätte sich der Korridor, in denen alle Bundesländer Sommerferien haben, sonst auf 75Tage verengt. Mit dem späteren Start sind es nun 83 Tage. „Für eine Ausdehnung dieses Zeitraums spricht, dass sich dann die Nachfrage nach touristischen Angeboten besser verteilt“, erklärt Eisenmann. Zum anderen hätten neun Bundesländer fast zeitgleiche Sommerferien angestrebt. Der Reiseverkehr in die Tourismusgebiete und zurück wäre problematisch gewesen.

Die GEW-Vorsitzende in Baden-Württemberg, Doro Moritz, kritisiert den Fokus auf den Fremdenverkehr. „Typisch ist, dass nicht pädagogische Gründe, sondern Tourismus eine Rolle spielt“, moniert sie. „Einziger Grund ist die Schaffung optimaler Zeiträume für den Tourismus und die Entzerrung des Verkehrs auf den Autobahnen.“ Paragraf 3, Absatz 1 des „Hamburger Abkommens“ spricht indes eine andere Sprache: „Die Ferien werden in erster Linie nach pädagogischen Gesichtspunkten festgesetzt“, heißt es da.

Moritz kritisiert in diesem Zusammenhang die Ferien im zweiten Schulhalbjahr. Dieses sei durch die Bindung der Ferien an die christlichen Feiertage sehr zerklüftet. „Auch darüber könnte nachgedacht werden, wie das zweite Schulhalbjahr jeweils in sinnvolle Lernabschnitte eingeteilt werden könnte und die christlichen Feiertage selbstverständlich trotzdem Feiertage sind“, fordert sie.

Mehr Schulschwänzer befürchtet

Die Schulen informierten zwar zu Schuljahresbeginn regelmäßig die Eltern über landesweite Ferien und die beweglichen Ferientage. Mit Verweis auf den späteren Ferienstart 2019 sagt Moritz aber: „Trotzdem kann es sein, dass irgendwann die Aufregung groß sein wird und im nächsten Jahr mehr Schülerinnen und Schüler vorzeitig in die Ferien verschwinden wollen. Das Thema Schulschwänzer wird vielleicht noch größere Wellen schlagen.“

Carsten Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats in Baden-Württemberg, glaubt das nicht, wie er sagt. „Ich erwarte schon, dass die Menschen wissen, wann Ferien sind, bevor sie ihren Urlaub planen.“ Mit seinen festen Terminen für die Sommerferien sei Baden-Württemberg im Ländervergleich doch sehr gut dran. „Im Gegenteil zu anderen Ländern haben wir eine große Konstanz, das ist ein großer Vorteil.“

Einige Schulen in Baden-Württemberg könnten dennoch am Donnerstag als erstem Ferientag festhalten, erklärt eine Sprecherin des Kultusministeriums. Schließlich habe jede Schule acht bewegliche Ferientage zur Verfügung. Manche Schulleiter hätten bereits gefragt, ob sie solche Ferientage den Sommerferien vorschalten könnten. „Ja, das geht“, sagt die Sprecherin.

In Baden-Württemberg startet die Schule am Mittwoch, 11. September 2019, wieder. An den Ferientagen insgesamt ändert sich nichts. Auch darauf haben sich die Länder im „Hamburger Abkommen“ verständigt: Alle Schüler haben jedes Jahr 75 Tage Ferien – egal wo sie wohnen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen